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Wirtschaft

Indiens Wirtschaft wächst

Der indischen Wirtschaft geht es gut, sagt Chandrajit Banerjee, Chef des Verbands der indischen Industrie (CII). Im DW-Interview erläutert er aber auch die Herausforderungen für sein Land.

Herr Banerjee, wie würden Sie die Situation der indischen Wirtschaft im Moment einschätzen?

Indien scheint ein sehr starker und leuchtender Punkt in der derzeitigen Weltwirtschaft zu sein, wo gerade die Situation vieler Länder und die der Weltwirtschaft als Ganzes angespannt ist. Die indische Wirtschaft ist in den vergangenen eineinhalb Jahren sehr sehr gut gemanagt worden, und das trotz Faktoren wie Leistungsbilanzdefizit oder Haushaltsdefizit.

Wir haben solides Wachstum in vielen Bereichen in Indien. Zurzeit erwarten wir ein Wachstum von 7,3 bis 7,4 Prozent, und dieser Wert hätte sogar noch höher ausfallen können, wenn der Monsun besser gewesen wäre. Aber für die kommenden Jahre erwarten wir ein Wachstum von um die acht Prozent oder sogar höher.

Unser eigener Eindruck und auch das Feedback, das wir hier in Davos (beim Weltwirtschaftsforum) bekommen, ist, dass Unternehmen aus aller Welt mit großem Interesse auf Indien blicken. Die ausländischen Direktinvestitionen in Indien sind alleine im vergangenen Jahr um mehr als 40 Prozent gestiegen. Daher: ja, der indischen Wirtschaft geht es gut.

Denken Sie, dass Indien China jetzt übertrumpfen kann?

Chinas Wachstumsstory ist sehr stark und gut. Es gibt vieles, was man von China lernen kann. Wie sie ihre verarbeitende Industrie ausgeweitet haben, beispielsweise. Aber China steht jetzt vor großen Herausforderungen und bekommt viel Gegenwind.

In Indien werden heute nur 15 Prozent des BIPs in der verarbeitenden Industrie erwirtschaftet, aber wir richten unsere Aufmerksamkeit wieder vermehrt auf diesen Sektor und unser Ziel ist es, diese Zahl auf 25 Prozent zu erhöhen. Unser Premierminister hat die "Make in India"-Kampagne gestartet, von der wir hoffen, dass sie dabei helfen wird, Indien für geraume Zeit zum am schnellsten wachsenden Schwellenland zu machen.

Und wie lange wird es dann dauern, bis die indische Wirtschaft größer ist als die chinesische?

Nun, das braucht viel Zeit. Indiens Wirtschaft hat zurzeit ein Volumen von etwa 2,2 Billionen Dollar. Das ist an sich schon sehr stark, aber angesichts des Wachstums glaube ich, dass wir eine sehr beachtliche Volkswirtschaft nicht nur in Asien sein werden. Wir werden auch weltweit in vorderster Reihe stehen. Natürlich werden wir sehr nah an China herankommen, aber unsere Ziele sind auch andere. Unsere Länder stehen vor sehr unterschiedlichen Herausforderungen. Indien verfolgt ein sehr inklusives Wachstumsmodell. Wir möchten, dass die Früchte unserer Entwicklung, die Früchte von Indiens Wachstum über die gesamte Wertschöpfungskette in Indien verteilt sind.

Sie sagen der Ausblick für die indische Wirtschaft sei sehr positiv, aber der Ausblick für die Weltwirtschaft insgesamt sei nicht sehr positiv. Macht Ihnen das Sorgen?

Das macht uns Sorgen, da haben Sie vollkommen recht. Alleine kann Indien nicht wachsen. Indien ist mit der Welt verbunden und es gibt Herausforderungen, die Märkte sind unter Druck. Die Herausforderungen im Zusammenhang mit den globalen Rohstoffpreisen, beispielsweise, spüren wir auch in Indien. Aber wir müssen Wege finden, um das zu nutzen. Zum Beispiel, wenn wir uns die Ölpreise gerade ansehen.

Sehen Sie, während unsere Exporte steigen mögen, sinkt doch ihr Wert, weil ein großer Teil unserer Exporte Erdölerzeugnisse sind. Aber wir sind auch ein großer Erdölimporteur und so können wir die Einsparungen, die wir dank des niedrigen Ölpreises realisieren können, in Subventionen in Bereichen stecken, die unter den weltweiten Rohstoffpreisen leiden.

Aber ja, die langfristigen Aussichten für die Weltwirtschaft müssen sich verbessern. Wir sind sozusagen alle eine Familie, und Indien möchte und braucht besseren Zugang zu den Märkten, beispielsweise in Europa und Amerika. Bei dieser gesamten "Make in India"-Kampagne geht es nicht nur darum, dass Unternehmen nach Indien kommen und dort Produkte für Indien produzieren, weil es ein Markt von 1,3 Milliarden Menschen ist. Es geht auch darum, dort Produkte für die restliche Welt herzustellen.

Aber wird das so leicht sein, wie Sie es jetzt beschreiben? Ich meine, es scheint eine ziemliche Herausforderung zu sein, und die indische Wirtschaft hat sehr stark von den niedrigen Ölpreisen profitiert. Die werden offensichtlich nicht ewig so bleiben und Sie müssen sich darauf einstellen, dass die Ölpreise über kurz oder lang wieder steigen werden. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Wie Sie zurecht sagten, muss sich die Weltwirtschaft erholen, zum Nutzen aller Beteiligten. Daher denken wir, jetzt ist die Zeit, uns vorzubereiten, um uns zum Beispiel besser in die Wertschöpfungsketten der Welt zu integrieren.

Längerfristig muss unser Ziel sein, Firmen zu schaffen, die solchen wie Microsoft Indien oder Google Indien ebenbürtig sind. Unser Ziel wäre, solche Unternehmen zu schaffen. Zunächst vielleicht nicht in den gleichen Dimensionen, aber solche Unternehmen könnten neue Ideen, neue Technologien und neue Innovationen bringen, die Indien dabei helfen könnten, vorne zu bleiben. Sie würden auch dabei helfen, Indien als einen beeindruckenden Weltmarktführer zu etablieren und seine Integration mit der Welt zu unterstützen.

Es klingt so, als seien Sie sehr zufrieden mit der Politik der Regierung von Premierminister Modi?

Absolut, denn wir glauben, dass Indien viele verschiedene Wachstumsmotoren braucht. Da gibt es zum Beispiel das digitale Indien, das versucht, Indien durch echte Breitband-Connectivity zu verbinden. Wir haben "Make in India", bei dem es nicht nur um die verarbeitende Industrie, sondern auch um Dienstleistungen geht und darum, diese Güter in den Rest der Welt zu exportieren.

Wir reden auch von einem Indien der Start-ups oder der Unternehmer, das sind verschiedene Kampagnen, die wir gestartet haben. Oder die 175 Gigawatt an erneuerbaren Energien, die geschaffen werden sollen. Das sind sehr große Zahlen und dort bieten sich riesige Chancen und viele verschiedene wirtschaftliche Aktivitäten und die Trickle-Down-Effekte für Indien als Ganzes sind phänomenal. Daher, ja, offensichtlich bin ich sehr optimistisch.

Das Interview führte Manuela Kasper-Claridge. Zur Verbesserung der Klarheit wurde es bearbeitet und gekürzt.