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Wirtschaft

Indiens Wirtschaft wächst trotz Geldreform

Nach Indiens radikaler Bargeldreform hatten Analysten gespannt wie lange nicht auf die offiziellen Quartalszahlen gewartet. Die fielen nun unerwartet freundlich aus. Doch es bleiben Zweifel.

Trotz einer radikalen Bargeldreform ist die indische Wirtschaft im letzten Quartal 2016 nach offiziellen Angaben im Jahresvergleich um 7,0 Prozent gewachsen. Für das gesamte Haushaltsjahr, das am 31. März 2017 endet, rechnen die staatlichen Statistiker mit einem Wachstum von 7,1 Prozent. Das teilte die Regierung in Neu Delhi am Dienstag mit.

Die Schätzung liegt damit kaum niedriger als in den Vorquartalen. Im zweiten und dritten Quartal 2016 hatte das indische Brutto-Inlandsprodukt (BIP) im Jahresvergleich um 7,2 und 7,4 Prozent zugelegt. Damit übertreffen die offiziellen Zahlen die meisten Schätzungen.

Die Mehrzahl der Analysten war ebenso wie die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zuvor davon ausgegangen, dass Indiens Wachstum sich im abgeschlossenen Quartal stärker verlangsamen würde. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnete gar mit einem Wachstum von vergleichsweise geringen 6,0 Prozent im letzten Quartal 2016 und im ersten Quartal 2017. Erst ab März oder April, so der Konsens der meisten Beobachter, würde das Wachstum wieder mehr Fahrt aufnehmen.

Die Reform ist noch nicht abgeschlossen

Grund dafür war vor allem eine radikale Bargeldreform. In der Nacht zum 9. November hatte die indische Regierung überraschend die beiden größten Geldscheine des Landes und damit mehr als 80 Prozent des im Umlauf befindlichen Bargelds für ungültig erklärt. Der anschließende Umtauschprozess sorgte für großes Chaos. Bis heute sind nicht genügend neue Scheine im Umlauf. Insbesondere arme Landbewohner, die häufig kein Bankkonto haben, litten unter der Maßnahme.

Die Wachstumszahlen waren die ersten, die das Statistikbüro zum abgelaufenen Quartal veröffentlichte. Üblicherweise folgen mehrere Monate später weitere, meist genauere Statistiken. Das liegt daran, dass insbesondere das Wachstum kleinerer Unternehmen so kurz nach Ende des Quartals noch nicht vollständig erfasst ist. Gerade kleine und informelle Unternehmen waren aber überdurchschnittlich stark von der Bargeldreform betroffen.

Indien Ansturm auf Bank Umtausch von Rupien Scheinen (picture-alliance/Pacific Press/A. Deep)

Die Bargeldreform vom 9. November hatte Millionen Inder überrascht und für Chaos beim Geldumtausch geführt.

Warnende Stimmen

Es gibt Stimmen in Indien, die darauf hinweisen und betonen, dass es für eine abschließende Beurteilung noch zu früh sei. So sagte Sunil Sinha, Chef-Ökonom bei India Ratings & Research, der Nachrichtenagentur AFP: "Warten wir erst mal das vierte Quartal ab. Das wird ein zuverlässigerer Parameter sein, um die Bargeldreform beurteilen zu können."

Der Ökonom Ashutosh Datar von IIFL Institutional Equities sagte, das ganze Bild sei noch gar nicht erkennbar: "Es wird eine nach unten weisende Neubeurteilung erfolgen, wenn die Zahlen der Folgequartalen auf dem Tisch liegen."

Lob und Mahnung von der OECD

Die Regierung gab ihre Quartalszahlen just an jenem Tag bekannt, an dem die OECD eine neue Studie präsentierte. In der lobt sie die Regierung Modi für Reformen, die das Wachstum beschleunigt hätten. In ihrem Report schreibt die OECD, für die Wachstumserfolge seien die Formulierung eines Inflationsziels und die Deregulierung bei ausländischen Direktinvestitionen verantwortlich.

"Die Geschwindigkeit der Reformpolitik ist erstaunlich", heißt es in der Studie. "140 Millionen Menschen in Indien sind allein in den vergangenen Jahren der Armut entkommen." Allerdings warnte OECD-Generaldirektor Jose Angel Gurria, es gäbe "keinen Grund, sich zufrieden zurückzulehnen. Die Botschaft der Studie ist vielmehr, dass der Reformschwung aufrecht erhalten werden muss, damit es zu mehr Wachstum kommen kann."

dk/bea (dpa, afpe)