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Asien

Indiens Wirtschaft setzt auf Deutschland

Mit einem Jahresplus von knapp acht Prozent sorgt die boomende Wirtschaft des Subkontinents auch bei deutschen Unternehmen für volle Auftragsbücher. Und immer mehr deutsche Firmen haben mittlerweile indische Besitzer.

Ein deutscher Ingenieur mit indischen Kunden in einer Berliner Nanotechnik-Firma (Foto:dpa)

Ein deutscher Ingenieur mit indischen Kunden in einer Berliner Nanotechnik-Firma

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh (Foto:ap)

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh

Deutschland lässt Indiens Unternehmer ins Schwärmen geraten. Bei der Suche nach einem Standort in Europa steht Deutschland ganz oben auf der Liste. Der gemeinsame Handel wächst seit Jahren. Nur während der globalen Wirtschaftskrise im Jahr 2009 sank das Handelsvolumen um 2,3 Prozent auf 13 Milliarden Euro. Bis 2012 soll der Handel einen Wert von 20 Milliarden Euro erreicht haben. Das haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und der indische Premierminister Manmohan Singh im Oktober 2007 fest vorgenommen.

Städte wie Düsseldorf, die Hauptstadt des Landes Nordrhein-Westfalen, leisten dazu ihren Beitrag. Um indischen Geschäftsleuten und Investoren zu zeigen, dass sie in der Region willkommen sind, garantiert die Stadtverwaltung, dass die Manager vom Subkontinent nach spätestens vier Wochen alle nötigen Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen erhalten.

Indiens Konzerne auf Einkaufstour

Auch der indische Autohersteller Tata besitzt mittlerweile Standorte in Deutschland (Foto:ap)

Auch der indische Autohersteller Tata besitzt mittlerweile Standorte in Deutschland

Diese Standortpolitik scheint aufzugehen: Rund 100 indische Unternehmen gibt es mittlerweile im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland, aus dem ein Viertel aller deutschen Exporte nach Indien stammt. 90 Prozent der Firmen sind erst seit wenigen Jahren in indischem Besitz.

Wirtschaftskontakte gibt es aber schon lange: Unter maßgeblicher Beteiligung von Partnern aus NRW entstand in den 1960er Jahren das erste – damals noch staatseigene Stahlwerk - in Indien. Daran kann sich Tapan Chattopadhyay, der Leiter der indischen Unternehmerdelegation, noch gut erinnern. Seit damals ist Deutschland ein geschätzter Wirtschaftspartner für Indien, meint der Geschäftsführer der staatlichen Agentur CAPEXIL, die unter dem Dach des indischen Handels- und Industrieministeriums auch für Außenwirtschaftsbeziehungen zuständig ist: "Deutschland mit seiner Top-Technologie kann uns enorm viel helfen. Industriegruppen wie Tata haben sich wie viele andere indische Unternehmen auch für Deutschland als Standort entschieden."

Seit fünfzehn Jahren liegt der Anteil der indischen Industrie bei nur 16 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Ein Wert, den die Regierung in Neu-Delhi und Indiens Industrielle unbedingt steigern wollen. Da kommt für viele Inder die enge Zusammenarbeit mit Europas größter Volkswirtschaft gerade recht, erklärt Tapan Chattopadhyay: "Wenn wir nach Deutschland kommen, dann deswegen, weil wir nicht nur technologisch profitieren wollen. Wir haben den Eindruck, dass uns Deutschland beim Ausbau unseres Bildungssektors enorm viel helfen kann."

Ausbildung für Indiens Wachstum

Indischer Student der Ingenieurswissenschaften an der TU Chemnitz (Foto:dpa)

Indischer Student der Ingenieurswissenschaften an der TU Chemnitz

In Indien ist ein Großteil der Bevölkerung zwischen 20 und 30 Jahren alt. Der Berufs- und Weiterbildung kommt deshalb eine zentrale Rolle zu. Indiens Bedarf an gut ausgebildeten Technikern und Arbeitskräften ist riesig – ganz gleich, ob es um die Landwirtschaft, den Dienstleistungssektor, den Ingenieurbereich oder die Erneuerbaren Energien geht.

Eine hervorragende Berufsausbildung ist der Schlüssel zum Erfolg der deutschen Volkswirtschaft in einer globalisierten Welt – davon sind die indischen Unternehmer nicht erst seit ihrem Deutschlandbesuch fest überzeugt. Nach Angaben der Regierung in Neu-Delhi verfügen derzeit gerade einmal 25 Prozent aller indischen Arbeitnehmer über eine Berufsausbildung.

Dirk Matter, Düsseldorfer Repräsentant der Deutsch-Indischen Handelskammer, ist fest davon überzeugt, dass beide Seiten vom Ausbau der Handelsbeziehungen profitieren werden. Sein Lieblingsbeispiel ist das Billigauto Nano, das der Tata-Konzern für umgerechnet etwa 1800 Euro auf dem indischen Markt anbietet. 35 deutsche Automobilzulieferer und Technologieunternehmen waren an der Entwicklung beteiligt. Und sie verdienen an jedem verkauften Nano mit.

Mitverdienen am Billig-Auto

Viele deutsche Autozulieferbetriebe sind mittlerweile fest in indischer Hand (Foto:DW-TV)

Einige deutsche Autozulieferbetriebe sind mittlerweile in indischer Hand

Wenn es nach Dirk Matter geht, dann sollten die Deutschen Indien als künftige globale Wirtschaftsmacht durchaus ernst nehmen. Aber sie sollten nicht in Panik verfallen, wenn deutsche Firmen von indischen Unternehmen übernommen werden: "Durch die Krise 2009 waren viele deutsche Unternehmen unterbewertet. Und das haben die cleveren indischen Geschäftsleute natürlich mitbekommen und sich bei uns eingekauft."

Doch die Inder kauften keine Firmen, um sie wie ein Finanzinvestor zu zerschlagen oder die Produktion zu verlagern, meint Matter. Für indische Unternehmen stünden neben der Technologie das Marketing-Know-how und der Einstieg in den deutschen Markt im Vordergrund. Das habe man bei den Übernahmen deutscher Automobilzulieferer durch indische Firmen genau beobachten können.

Nimmt man die Ölimporte aus den arabischen Golfstaaten aus, dann liegt Deutschland bereits jetzt an dritter Stelle aller Länder, die Waren und Dienstleistungen nach Indien liefern – hinter China und den USA. Indien rangiert dagegen unter Deutschlands Handelspartnern auf Platz 26 – noch. Denn genau das wollen die Wirtschaftspolitiker und Unternehmer beider Länder dringend ändern.

Autor: Thomas Kohlmann
Redaktion: Thomas Latschan

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