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Asien

Indiens Verfassung ist 60

Indien, die größte Demokratie der Welt, feierte am 26. Januar den 60. Geburtstag seiner Verfassung. Doch bis heute sind viele Probleme in dem Land ungelöst.

Protest gegen Benachteiligung in Indien (Foto: AP)

60 Jahre nach der Unabhängigkeit muss Indiens Bevölkerung noch einen Berg an Problemen bewältigen

In der Sonne glitzern Wolkenkratzer und Shoppingzentren, in denen man die neuesten Kreationen von Gucci, Prada oder Dior kaufen kann. Luxuskarossen von Mercedes, BMW und Audi fahren auf den Straßen der Städte - Indien heute hat auf den ersten Blick so gar nichts mit dem Land zu tun, das 1947 von Großbritannien unabhängig wurde und dessen Verfassung am 26. Januar 1950, vor 60 Jahren also, in Kraft trat.

Doch das imposante Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren kommt bei den Menschen auf dem Land nicht an: Indien mag ein Riese im IT- und Telekommunikationssektor sein, zwei Drittel der Menschen leben aber immer noch von der als unproduktiv geltenden Landwirtschaft. "Natürlich hat es in Indien seit 60 Jahren deutliche wirtschaftliche Fortschritte gegeben", sagt der Indienexperte Christian Wagner von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. "Auf der anderen Seite müssen wir aber immer noch konstatieren, dass in Indien nach internationalen Statistiken immer noch rund 40 Prozent der Bevölkerung von weniger als einem Dollar am Tag leben. Das heißt, die soziale und wirtschaftliche Umverteilung hat nicht so stattgefunden, wie man es mit Formen der Demokratie eigentlich verbindet."

Neue Bedrohungen aus dem Inneren

Zeremonie 1947 (Foto: dpa)

1947 übergibt der letzte Vizekönig Indiens, Lord Mountbatten, die Unabhängigkeits-Erklärung. Drei Jahre später tritt die Verfassung in Kraft

Hinzu kommt: Indien kämpft gegen einen gewichtigen Feind - den Terrorismus. Im Inneren des Landes bedrohen die Maoisten die Sicherheit und sorgen mit Anschlägen für Aufsehen. Mit einer großangelegten Offensive will Premierminister Manmohan Singh in den nächsten fünf Jahren einen militärischen Sieg davontragen. Doch auch internationale Terrorgruppen haben Indien ins Visier genommen. So starben 2008 bei den Anschlägen auf die Finanzmetropole Mumbai mehr als 160 Menschen.

"Die Menschen sind voller Bitterkeit", erklärt der Verteidigungsexperte Afsar Karim. "Für sie gibt es keine Garantie, dass so etwas nicht noch einmal passieren kann. Die Anschläge von Mumbai waren ein großer emotionaler aber auch ein großer wirtschaftlicher Rückschlag. Es ist zwar seit einem Jahr nichts mehr passiert. Aber alle Geheimdienste der Welt, auch die Amerikaner sagen, dass es ein großes Risiko gibt, dass Lashkar-e-Toiba und Al Qaeda Indien erneut zur Zielscheibe machen könnten."

Steter Zwist mit dem Rivalen Pakistan

Soldat vor brennendem 'Taj Mahal'-Hotel (Foto: AP)

Indien ist längst auch zum Ziel von Terroranschlägen geworden - wie hier in Mumbai im November 2008

Die Terroranschläge von Mumbai haben vor allem die Beziehungen Indiens mit dem alten Erzfeind Pakistan erneut auf eine harte Probe gestellt. Der einzige überlebende Attentäter, Mohammad Ajmal Kasab, stammt aus Pakistan. Inzwischen ist erwiesen, dass die Anschläge von pakistanischem Grund und Boden aus geplant wurden. Drei Kriege haben die Nachbarn schon gegeneinander geführt, zwei davon um Kaschmir. Doch auch nach mehr als 60 Jahren ist die Kaschmirfrage ungelöst.

Abseits von Politik und Wirtschaft sehen Wissenschaftler für Indien in den kommenden Jahren aber einen ganz anderen Feind: den Klimawandel. Dieser könnte alle Erfolge zunichte machen, befürchtet der renommierte Klimaforscher Adil Najam: "Das größte Problem ist das Wasser. Der Klimawandel wird den Meeresspiegel ansteigen lassen, es kommt zu Überflutungen. Durch das Schmelzen der Gletscher kommt es zu Dürren. Die meisten Menschen in der Region leben von der Landwirtschaft. Und das wird Konsequenzen haben, für sie und für ihre gesamte Entwicklung."

Autorin: Priya Esselborn

Redaktion: Silke Ballweg

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