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Asien

Indiens Raketentest als "Weiterentwicklung"

Zum Klub der Atommächte gehörte Indien schon - jetzt ist es auch im noch kleineren Klub der Mächte, die Interkontinentalraketen herstellen können. In zwei Jahren könnte die indische Armee über das Waffensystem verfügen.

Die dreistufige, 17 Meter lange Rakete mit Feststoffantrieb und mehr als 5.000 Kilometern Reichweite hob planmäßig am Donnerstag (19.04.2012) um 08:07 Uhr Ortszeit vom Testgelände Wheeler Island vor der nordost-indischen Küste im Golf von Bengalen ab. Durch diesen großen Sprung in seinen strategischen Fähigkeiten hat Indien die Mitgliedschaft im exklusiven Klub der Länder erlangt, die Interkontinentalraketen herstellen. Das waren bislang nur die USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich. Indiens Wissenschaftler und Verteidigungsexperten begrüßten den erfolgreichen Testflug der Agni ("Feuer“)-V, die Ziele überall außer in Amerika und Australien erreichen kann.

Gopalan "G." Balachandran vom indischen Institut für Verteidigungsstudien sagte der Deutschen Welle: "Es handelt sich hierbei um eine notwendige und auch natürliche Weiterentwicklung der Verteidigungsfähigkeiten eines Landes. In einigen Jahren werden wir eine Rakete starten, die 7.000 Kilometer weit entfernte Ziele treffen kann. Noch wichtiger ist, dass wir damit unseren Abschreckungsmechanismus optimieren.“

Agni-IV Rakete auf einem Transportfahrzeug (Foto: AP)

Die Vorläuferin Agni-IV hat "nur" eine Reichweite von 2.500-3.500 Kilometern

Der frühere Kommandeur der indischen Luftwaffe, Fali Homi Major, sagte, der Test werde dem Land einen wichtigen Vorsprung auf dem Gebiet seiner nuklearen Verteidigung verschaffen. Die Baureihen Agni-I und -II hatten kürzere Reichweiten und waren vor allem als Abschreckung in Richtung Pakistan konzipiert. Später kamen modifizierte Versionen mit bis zu 3.500 Kilometern Reichweite hinzu, die als Abschreckung Chinas wahrgenommen wurden.

"Der Start beweist zum einen, dass uns eine Abschreckungswaffe zur Verfügung steht. Er beweist zum anderen den fortgeschrittenen Stand unserer Raketentechnologie“, erläutert Ex-Luftwaffenchef Major. Laut dem Verteidigungsexperten C. Raja Mohan bringt der Start der Agni-V "Indien der strategischen Parität mit China auf nuklearem Gebiet näher“. Allerdings hat die chinesische Interkontinentalrakete vom Typ Dong Feng-31A eine Reichweite von 11.500 Kilometern.

Video ansehen 01:24

Indien testet nukleare Langstreckenrakete

Der Leiter der militärischen Forschungs- und Entwicklungsorganisation Indiens (DRDO), V. K. Saraswat, sagt zur konkreten Bedeutung des gelungenen Raketenstarts: Indien habe damit seine Befähigung unter Beweis gestellt, dass es Raketen dieser Kategorie entwerfen, entwickeln, und in Serie herstellen kann. "Wir werden zwei weitere Tests durchführen und dann mit der Produktion des Systems beginnen. Das wird höchstens noch ein Jahr dauern“, so Saraswat. Er gehe davon aus, dass das Waffensystem im Laufe der nächsten zwei Jahre der indischen Armee zur Verfügung gestellt werde.

Indienscher Verteidigungsminister A. K. Antony (Foto: picture-alliance/ dpa)

Verteidigungsminister Antony ist begeistert vom "makellosen Erfolg " des Raketenstarts

Ministerpräsident Manmohan Singh ebenso wie Verteidigungsminister A. K. Antony gratulierten dem für den Start verantwortlichen Team zum "makellosen Erfolg“ der Agni-V. Sie priesen den "jahrelangen und beharrlichen Einsatz“ der Wissenschaftler von DRDO, um "die Nation an diese Schwelle zu führen.“ Von Seiten der DRDO hieß es, dass die Agni-V die Frucht 30-jähriger Vorarbeiten sei. Der Bau der Rakete habe 25 Milliarden Rupien (364 Millionen Euro) gekostet.

Die Agni-V kann einen Atomsprengkopf von einer Tonne Gewicht befördern oder mehrere kleinere Sprengköpfe mit unterschiedlicher Zielführung. Die indische Atomdoktrin schließt einen Erstschlag aus. Das heißt, dass die Agni-V und die modifizierte Agni-IV mit 3.500 Kilometern Reichweite, die im November 2011 erfolgreich gestestet wurde, als Abschreckungswaffen gegen einen möglichen Atomangriff dienen.

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