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Afrika

Indiens Premier Modi: "Ganz Afrika im Blick"

Indien will nicht länger tatenlos zusehen, wie China im Rekordtempo neue Märkte in Afrika erobert. Deshalb hat Premierminister Modi den Kontinent jetzt besucht: vier Länder in fünf Tagen. Eine Bilanz.

Mosambik, Südafrika, Tansania und zuletzt Kenia - einmal quer durch Afrika ist Narendra Modi gereist, hat viele Hände geschüttelt, Militärparaden zugeschaut, sogar Trommel gespielt. All das, weil sein Land fest auf bessere Beziehungen zu den aufstrebenden Wirtschaftsmächten auf dem Kontinent baut.

Indiens eigene Wirtschaft und die Bevölkerung wachsen rasant schnell, deshalb braucht der Riesenstaat Ressourcen, Handelspartner und Zugang zu neuen Märkten. Afrika heißt das Ziel - deshalb lud Modi bereits im vergangenen Oktober afrikanische Staatschefs zu einem

Wirtschaftsgipfel nach Neu Delhi

ein.

Indien und Afrika "erst am Anfang"

Bislang hat Peking wirtschaftlich den größten Einfluss auf dem Kontinent. Allein im vergangenen Jahr betrug der Handel zwischen Afrika und China 200 Milliarden Dollar. Indien kann da nicht mithalten. Noch nicht. Jakkie Cilliers vom südafrikanischen Institut für Sicherheitsstudien ISS in Pretoria sieht "große Chancen" für beide Seiten. Der Analyst beschäftigt sich seit Jahren mit der Zukunft Afrikas, schätzt Risiken und Trends auf dem Kontinent ein. "Jetzt, da die indische Wirtschaft Fahrt aufnimmt, wird die Nachfrage nach Energie, Rohstoffen und Waren aus Afrika explodieren", sagt Cilliers. Modis aktueller Besuch sei also nur der Anfang einer langfristigen Wirtschaftskooperation.

Kenia Karikatur vom Indiens Premier Modi bei seinem Besuch in Kenia (Foto: © G. Mwampembwa (GADO)

Stoff für Satire: In diesem Cartoon sagt Uhuru Kenyatta zu Narendra Modi: "Kenia lädt dich ein, Krankenhäuser zu bauen, um den Krebs namens Korruption zu heilen."

Außerdem seien Handelspartnerschaften mit Indien für die Afrikaner "einfacher" als etwa mit China, so Cilliers, "wegen der geografischen Nähe, aber auch, weil sie koloniale Geschichte teilen". Indien war eine britische Kolonie, genauso wie Südafrika, Kenia und Tansania. In diesen Ländern wird Englisch gesprochen, Geschäfte machen sei daher einfacher.

Aber welche Geschäfte strebt Modi an? Hier ein Blick auf die einzelnen Stationen seiner Afrika-Reise:

Mosambik

Für Indien ist das ostafrikanische Land relativ neues Terrain. Der letzte Besuch eines indischen Staatsmannes in der ehemaligen portugiesischen Kolonie liegt 34 Jahre zurück. Modi kündigte nach seinem Besuch jetzt an, er wolle künftig mit Mosambik in den Bereichen Landwirtschaft, maritime Sicherheit, Verteidigung und Gesundheit zusammenarbeiten.

Südafrika

Indien ist Südafrikas sechstgrößter Handelspartner. In den vergangenen zehn Jahren sei der Handel zwischen beiden Staaten um 300 Prozent gestiegen, sagte Modi in Pretoria. Die guten Beziehungen will er weiter intensivieren. Mit Südafrikas Präsident Jacob Zuma unterzeichnete er mehrere Abkommen für die Bereiche Informationstechnologie, Bergbau, Pharmaindustrie und Verteidigung. Besonders wichtig war es Modi, die indische Diaspora zu treffen: In Südafrika, besonders im nördlichen Bundessaat Kwa-Zulu-Natal, leben etwa 1,3 Millionen Menschen mit indischen Wurzeln. Modi begrüßte Hunderte von ihnen in der Stadthalle von Durban, der Landeshauptstadt von Kwa-Zulu-Natal.

Tansania Besuch Narendra Modi Trommel (Foto: AP)

Tansanias Präsident Magufuli hat Modi zum Trommeln animiert

Tansania

Auch viele Tansanier haben indische Wurzeln. Präsident John Magufuli empfing Modi in seiner Residenz mit traditionellem Trommelwirbel. Beide Staatsmänner machten fleißig mit. Danach ging es ans Geschäftemachen. Indien hat Tansania rund 92 Millionen US-Dollar für die Wasserversorgung auf der Insel Sansibar zugesagt. Außerdem wollen beide gemeinsam für mehr Sicherheit im Indischen Ozean sorgen - vor Piraten etwa.

Kenia

Indien ist Kenias größter Handelspartner und zweitgrößter ausländischer Investor. Dennoch könne man mehr tun, sagte Modi nach seinem Treffen mit Präsident Uhuru Kenyatta. Beide wollten gegenseitig mehr investieren, hieß es. Auch in Kenias größtem Stadion sprach Modi vor zehntausenden jubelnden Indern.

Mehr als Wirtschaft und Handel

Modis Afrika-Reise hatte jedoch nicht nur wirtschaftliche Gründe. "Indien beansprucht eine sehr große Sicherheitszone für sich, im Prinzip den ganzen Indischen Ozean", sagt Joachim Betz, der am GIGA-Institut in Hamburg auch über Indien forscht. Da liege es nahe, sich nach Ostafrika zu wenden. "Es geht um die Sicherheit der Seewege und um die Rohstoffe, die man vor den Piraten sicher über den Ozean transportieren will." Diese Interessen hätten besonders bei den Besuchen in Mosambik und Tansania eine Rolle gespielt.

Deshalb sei der Besuch eher ein politisch-strategischer, so Betz. Die indische Regierung erhofft sich von den Afrikanern schließlich auch Unterstützung bei ihrer Kampagne für einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Und allein wirtschaftlich betrachtet, seien ohnehin Staaten wie Angola und Nigeria wichtigere Partner, so der Forscher. "Indien versucht seinen Einfluss in Afrika auszuweiten - auch auf nicht-englischsprachige Länder. Modi hat jetzt ganz Afrika im Blick", sagt Betz.

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