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Asien

Indiens Homosexuelle in der kriminellen Ecke

Sie gelten als kriminell. Ihr Verhalten als unnatürlich. Schwule und Lesben können in Indien mit Gefängnis bestraft werden. Die Schwulenbewegung will das ändern. Nun soll der Oberste Gerichtshof entscheiden.

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Aktivisten marschieren mit Regenbogenplakaten durch die Straßen

Im Juni 2008 zogen hunderte von Menschen durch die Straßen von Indien: Laute Musik, farbige Kleider, bunte Masken. Gefeiert wurde weder ein Kricketspiel noch ein religiöses Fest. Auf den Straßen und Plätzen kamen die Menschen zu Indiens erster Schwule-Parade zusammen. Homosexualität ist in Indien gesetzlich verboten. Wenige Tage nach der Demonstration wurde das umstrittene Anti-Schwulen-Gesetz zumindest gelockert. In konservativen Kreisen formierte sich Widerstand.

Proud to be gay!

"Schwulenfeinde, raus aus Indien! Weg mit dem Paragrafen 377! Die schwule Bewegung marschiert weiter!" Ein Jahr später zogen erneut Lesben und Schwule durch Indiens Städte. In Delhi, Mumbai, Kolkata. Überall sah man die Regenbogenfarben und Plakate. "Proud to be gay" stand darauf. "Ich bin stolz, schwul zu sein" oder "Weg mit 377".

Gay Pride Parade in Indien

Bunter Protest gegen den Anti-Schwulen-Paragrafen

Die Zahl 377 steht für das Gesetz, das Homosexualität in Indien kriminalisiert. Die Engländer beschlossen es vor 150 Jahren. Demnach sind alle Arten von Geschlechtsverkehr auβer Vaginalverkehr strafbar, egal, ob mit einem Mann, einer Frau oder einem Tier. In England wurde der Paragraf längst geändert. In Indien aber ist er bis heute gültig. Dagegen hatten Aktivisten acht Jahren lang geklagt, im Juni 2009 schließlich gewannen sie eine erste Etappe. Seither ist zumindest in der indischen Hauptstadt Neu Delhi Homosexualität nicht länger kriminalisiert.

"Ich kann diese Krankheit heilen"

Während die Aktivisten feierten, formierte sich bei religiösen Führern Widerstand. In einer gemeinsamen Erklärung bezeichneten sie Homosexualität als "unnatürlich" und "inakzeptabel". Indiens berühmtester Yogaguru, Swami Ramdev, meint sogar: Homosexualität sei eine genetische Krankheit.

Indischer Yoga Guru Baba Ramdev

Indiens Yogaguru Swami Ramdev hält Homosexualität für eine Krankheit

"Viele Krankenberichte können beweisen, dass man durch Meditation, d.h. durch Yoga und Pranayam von diesen Krankheiten geheilt werden kann", sagt Ramdevs Pressesprecher S.K. Tjarawala. "Man kann die Energie in einem Menschen umwandeln, und dann kann die betroffene Person die gleichen Gefühle für das andere Geschlecht entwickeln."

In Indiens traditioneller Kultur habe die reine Sinneslust keinen Platz. Hier stünde die Familie im Vordergrund. Gott wünsche sich doch, dass sich die Menschen vermehren. "Nur dafür sollte man Sex haben.", meint S.K.Tijarawala. Homosexualität sei deswegen "unnatürlich".

Ein Doppelleben

Schätzungen der Universität São Paulo zufolge leben mehr als 50 Millionen Schwule in Indien. 80% von ihnen sind mit einer Frau verheiratet. Um den Schein zu wahren. Ab und zu besuchen sie Kneipen, die seit Jahren heimliche Schwulen-Partys organisieren. Sie führen ein Doppelleben.

Gay Pride Parade in Indien

Schwule beim Strassenprotest in Kalkutta im Jahr 2008

Es wird noch dauern, bis die indische Gesellschaft das Thema Homosexualität akzeptiert. Ashok Row Kavi war einer der ersten Inder, der offen über seine sexuelle Orientierung sprach. Er weiß nur zu gut, was es bedeutet, in Indien schwul zu sein. "Selbst wenn der Paragraf 377 abgeschafft wird, bleiben ja das gesellschaftliche Stigma und die Diskriminierung. Dagegen muss man weiter ankämpfen."

Gerade Frauen müssen zuhause viel erdulden, wenn sie sagen, dass sie andere Frauen lieben. "Es kommt durchaus vor, dass Brüder ihre eigene Schwester vergewaltigen", sagt die Aktivistin Maya Shankar. Nach dem Motto: "Wenn die Frau erst einmal Sex mit einem Mann hatte, dann wird sie schon wieder "normal" werden", erzählt Maya Shankar.

Bollywood macht mit

Dostana Film

Der Bollywood Film "Dostana" thematisiert Homosexualität

Unterstützt werden Indiens Homosexuelle jetzt auch von den Medien. Sogar in populären Bollywood-Filmen wird das Thema immer öfter aufgegriffen. Das ist wichtig. Denn wenn Zuschauer ihre Lieblingsschauspieler als Schwule sehen, kann das im Kopf einiges verändern. Aber wenn man will, dass Schwule wirklich akzeptiert werden, muss man eben auch die Gesetze ändern. Das liegt nun in den Händen von Indiens Obersten Richtern.

Autorin: Isha Bhatia
Redaktion: Silke Ballweg