1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Indien will Energiehunger mit deutscher Hilfe stillen

Indiens Wirtschaft wächst rasant, doch das Land leidet unter akutem Strommangel. Deshalb will Delhi deutsche Investoren für den profitablen aber auch risikoreichen Ausbau des heimischen Energiemarktes gewinnen.

default

Indiens Stromnetz ist noch ausbaufähig

Indiens Energiekrise begann laut Satish Krishna Ambekar vor rund vier Jahren. "Damals fing es an, dass es täglich eine vierstündige Entlastung gab", erinnert sich der 57-jährige Unternehmer. Er meint damit das Abschalten einiger Stromleitungen zu Zeiten, in denen das Angebot die Nachfrage überschritt. Die Situation war ruinös für Ambekar, der in Pune bei Bombay Konfektschachteln herstellt. "Meine Arbeiter saßen tatenlos herum und wir konnten unsere Aufträge nicht erfüllen", so Ambekar. "Der Produktionsausfall war katastrophal." Ambekar investierte deshalb - wie viele seiner Geschäftskollegen - in eine eigene Stromerzeugungsanlage, um den Bestand seines Unternehmens zu sichern.

Indien: Begegnung auf dem Land

Kann Indien flächendeckende Stromversorgung bis 2012 erreichen?

Schätzungen zufolge übersteigt der indische Energiebedarf momentan das Angebot um 14 Prozent. In ländlichen Gebieten, wo mehr als zwei Drittel der indischen Bevölkerung leben, wird jedoch nur 13 Prozent des vorhandenen Stroms verbraucht. Rund 40 Prozent des Energievorrats geht durch Diebstahl verloren. Laut einem Expertenbericht der indischen Regierung müssen 100 Gigawatt - in etwa die Leistung aller deutschen Kraftwerke - bis 2012 hinzugefügt werden, um das ehrgeizige Ziel "Energie für Alle" zu erreichen.

Deutsche Investoren erwünscht

Während dies für manche vielleicht unerreichbar erscheint, setzt Delhi auf Erfolg durch Öffnung des bisher staatseigenen Energiesektors für ausländische Investoren. Das Thema wird wohl auch Fokus der diesjährigen Hannover-Messe sein. Indien hofft, dort deutschen Investoren den Einstieg in den heimischen Strommarkt am Rande des geplanten deutsch-indischen Symposions am Mittwoch (26.4.2006) schmackhaft zu machen. "Hoffentlich werden deutsche Firmen großes Interesse haben", sagte der indische Energieminister R. V. Shahi kürzlich im Gespräch mit Journalisten in Delhi. Die Deutschen könnten sich an neuen Energieprojekten und Kohlebergwerken beteiligen und Maschinen und Maschinenteile liefern, so der Minister.

Auch über eine Zusammenarbeit bei Atomkraftwerken wird in Hannover gesprochen werden. Der bisherige Anteil der Nuklearenergie am Strombedarf von zwei bis drei Prozent soll steigen. Ministerpräsident Manmohan Singh hofft auf Unterstützung aus Deutschland für das zivile Atomprogramm seines Landes. Vor wenigen Wochen hatte die indische Regierung bereits ein Abkommen mit den USA über die zivile Nutzung von Kernenergie geschlossen, in dem Indien faktisch als Atommacht anerkannt wird.

Profit mit Kohle und erneuerbaren Energien

Indien als Wirtschaftsmacht

Viele indische Firmen nutzen mittlerweile private Energiequellen

"Der indische Energiehunger ist so groß, dass deutsche Firmen sicherlich daran interessiert sein werden, ihn zu stillen", sagte Achim Rodewald von der Deutsch-Indischen Handelskammer in Bombay. Dabei liege jedoch das größte Wachstumspotenzial ironischerweise bei Privatfirmen, die sich ihre eigene Energieversorgung aufbauen wollen. "Indische Firmen haben einfach nicht viel Vertrauen in das nationale Stromnetz. Die Stromqualität ist oft so schlecht, dass sie regelmäßig Maschinen zerstört."

Während die Inder mit großer Wahrscheinlichkeit an deutscher Energietechnologie interessiert sind, ist es auch die deutsche Kohleindustrie, die von den indischen Offerten profitieren könnte. So werden bis zu 60 Prozent des indischen Strombedarfs durch Kohle versorgt. Delhi hat bereits zugegeben, dass der Rohstoff auch in absehbarer Zukunft weiterhin Hauptquelle für die Stromversorgung bleiben wird. "Indien ist auf jeden Fall interessant, da Deutschland Weltführer bei Kohlekraftwerken und Maschinen für Kohleabbau ist", so Herdan Thorsten vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Zudem gebe es in Indien ein hohes Interesse an so genannter sauberer Technologie für Kohlekraftwerke, da indische Kohle einen hohen Asche- und Schwefelanteil hat.

Ölförderung in Indien

Noch kann Indien Öl fördern

Rodewald ist jedoch überzeugt, dass vor allem deutsche Firmen, die sich mit erneuerbarer Energie beschäftigen, die Nutznießer des schier unersättlichen indischen Strombedarfs sein werden. "Erneuerbare Energien werden wegen des hohen Ölpreises und der begrenzten Vorräte fossiler Brennstoffe immer wichtiger werden und dagegen ist auch Indien nicht immun." Bisher deckt erneuerbare Energie nur rund fünf Prozent des indischen Strombedarfs, doch der Anteil steigt durch Subventionen stetig. Das kommt den deutschen Firmen zugute, die bereits in Indien tätig sind. So ist Suzlon, ein Windenergieunternehmen, schon an die Börse gegangen.

Ein Glücksspiel?

Trotz aller Euphorie ist ein Engagement in der weltgrößten Demokratie auch mit Risiken verbunden, so Montek Singh Ahluwalia, der stellvertretende Vorsitzende der indischen Planungskommission. "Wenn Indiens Wirtschaftswachstum weiterhin bei acht Prozent liegt, wird es einen immensen Energiebedarf geben. Falls nicht, gibt es auch keinen Grund, hier zu investieren. Das ist die Schlüsselfrage."

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links