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Asien

Indien verstärkt Afghanistan-Engagement

Insgesamt vier wirtschaftliche Vereinbarungen hat der Präsident von Afghanistan Hamid Karzai bei seinem Besuch in Indien unterschrieben. Karzai wirbt für mehr Investitionen und verweist auf die guten Beziehungen.

Hamid Karzai zu Besuch in Indien. (Foto: Reuters)

Hamid Karzai zu Besuch in Indien

Ein bisschen ist es, als hätte Hamid Karsai ein paar gute alte Freunde besucht. Der afghanische Präsident ist auf einem viertägigen Besuch in Indien, das er bereits als junger Mann kennenlernte und wo er seinen Universitätsabschluss ablegte. Auf seiner Reise wollte Karzai vor allem für wirtschaftliche Investitionen in Afghanistan werben. Mit seinem indischen Gastgeber, Premier Manmohan Singh, unterzeichnete er am Montag (12.11.2012) vier Absichtserklärungen über Projekte in den Bereichen Landwirtschaft und über kleinere Entwicklungsprojekte im Bereich Bergbau und Infrastruktur.

Indien investiert 100 Millioen Dollar in Afghanistan

Indien und Pakistan kämpfen nun um Einflussnahme in Afghanistan. (Karte: DW)

Indien und Pakistan kämpfen nun um Einflussnahme in Afghanistan

Manmohan Singh setzte auf den Wiederaufbau Afghanistans und versprach 100 Millionen US-Dollar Neuinvestitionen. Damit belaufe sich die gesamte Hilfe für Afghanistan auf zwei Milliarden US-Dollar, so Singh weiter. Hamid Karzai erwiederte die indische Gestfreundschaft mit dem Satz: Indien sei bei Wiederaufbau des Landes ein Partner erster Wahl.

Darüber hinaus soll Indien in Zukunft verstärkt in der Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte mitwirken. Diesen Vereinbarungen geht die Unterzeichnung einer strategischen Zusammenarbeit voran, die beide Länder vergangenes Jahr unterzeichneten. Im Blick stehe dabei vor allem das gemeinsame Nachbarland Pakistan, das zwischen beiden Ländern liegt, so Jochen Hippler, Politikwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen. Indien betrachte die Atommacht Pakistan seit Jahrzehnten als Erzrivalen und möchte nicht, dass Afghanistan wieder zu einer Brutstätte des Extremismus werde.

Tatsächlich sind drei Viertel der afghanischen Bevölkerung laut einer Umfrage des deutschen Fernsehens von 2009 Indien gegenüber wohlwollend eingestimmt, aber nur acht Prozent gegenüber Pakistan.

Nach dem Abzug der internationalen Truppen 2014 werde Indien auch politisch in Afghanistan erheblich an Einfluss gewinnen, glaubt Sayed Masood, Wirtschaftsdozent an der Universität Kabul. "Obwohl Indien und Afghanistan eine lange Freundschaft haben, muss in Bezug auf Indien vorsichtig vorgegangen werden, damit die Außenpolitik Afghanistans nicht Schaden nimmt", so Masood, "Pakistan sollte durchaus auch ermutigt werden, sich ebenfall friedlich in Afghanistan beteiligen."

Gute indisch-afghanische Beziehungen haben Tradition

Jochen Hippler: gemeinsame Interessen, jedoch keine Freundschaft. (Foto: dpa)

Jochen Hippler: gemeinsame Interessen, jedoch keine Freundschaft

Während der Zeit der sowjetischen Besatzung Afghanistans in den 80er Jahren hatte Indien als eines der wenigen Länder diplomatische Kontakte zu Kabul unterhalten und Unterstützung geleistet. Nach einer Unterbrechung in der Zeit der Taliban-Herrschaft wurden die Kontakte wieder aufgenommen, indem Indien die damalige Nordallianz beim Kampf gegen die Taliban unterstützte. Seit dem Sturz der Taliban leistet Indien wieder im großen Maße Hilfe an Afghanistan.  Dicke Freundschaft zwischen Indien und Afghanistan?  Nein, glaubt Friedensforscher Jochen Hippler: "Volkswirtschaftlich und von der Bevölkerungsgröße her und auch unter dem Gesichtspunkt demokratischer Verhältnissen ist das ein sehr ungleiches Paar." Indien und Afghanistan hätten zwar gemeinsame Interessen. Dies seien eher Gemeinsamkeiten als Freundschaft.

Präsident Hamid Karsai ist anderer Meinung. Er pflegt einen regen Kontakt mit Indien, besuchte Neu Delhi allein in den letzten Jahren mehr als zwölf Mal. In einem Interview im indischen Fernsehen sagte er stolz auf Hindi: "Seid gegrüßt, Indien ist das beste Land."