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Asien

Indien und Pakistan beraten wieder

Rund ein Jahr nach dem Terrorangriff von Mumbai haben Indien und Pakistan ihren Dialog wieder aufgenommen. Das Treffen könnte ein erster Schritt zur Fortsetzung der Friedensgespräche zwischen den beiden Erzfeinden sein.

Nirupama Rao und Salman Bashir in Neu Delhi (Foto: ap)

Historischer Moment: Erstmals seit 15 Monaten sprechen die Erzfeinde Indien und Pakistan wieder miteinander

In der indischen Hauptstadt Neu Delhi haben sich am Donnerstag (25.02.2010) erstmals seit 15 Monaten wieder Vertreter der indischen und pakistanischen Regierung getroffen. Die beiden verfeindeten Atommächte hatten nach den Anschlägen von Mumbai Ende 2008 mit mehr als 160 Toten den Kontakt zueinander abgebrochen. Indien macht islamistische Rebellen aus Pakistan für die Bombenserie verantwortlich.

"Erster Schritt"

Nationalistische Hindus protestieren in Neu Delhi (Foto: ap)

Aufgeheizte Stimmung: Nationalistische Hindus protestieren in Neu Delhi gegen das Treffen

"Wir haben begonnen, einen ersten Schritt zur Wiederherstellung von Vertrauen zu unternehmen", sagte die indische Außenstaatssekretärin Nirupama Rao nach den rund dreistündigen Gesprächen mit ihrem pakistanischen Amtskollegen Salman Bashir. Rao zeigte sich dennoch beunruhigt über den gegen Indien gerichteten Terrorismus aus Pakistan. Sie habe deutlich gemacht, "dass Terrorismus kein anderes Anliegen voranbringen kann als das sinnloser Gewalt". Gleichzeitig übergab Rao Bashir Unterlagen über anti-indische Kämpfer und konkrete Hinweise im Zusammenhang mit der Anschlagsserie in Mumbai. Das Treffen wurde begleitet von Protesten nationalistischer Hindus, die gegen jeglichen Dialog mit dem Nachbarland sind.

Auf einen offiziellen Termin für die Wiederaufnahme der 2008 abgebrochenen Friedensgespräche konnten sich die beiden Politiker nicht verständigen. Hauptstreitpunkt ist offenbar weiter die von beiden Ländern für sich beanspruchte Grenzregion Kaschmir. Der pakistanische Unterhändler Bashir erklärte, sein Land wünsche sich ein baldiges zweites Treffen, um das Thema auf angemessener Ebene diskutieren zu können. Unterstützung für sein Anliegen könnte Pakistan aus den USA erhalten. Der Regierung in Washington liegt angesichts des Afghanistan-Einsatzes viel an einer stabilen politischen Lage in der Region.

Seit über 60 Jahren verfeindet

Die Atommächte Indien und Pakistan sind seit ihrer Staatsgründung 1947 verfeindet. Nachdem der Subkontinent durch die abziehenden britischen Kolonialherren aufgeteilt wurden, sahen sich Schätzungen zufolge rund zehn Millionen Menschen zur Flucht gezwungen: Muslime zogen nach Pakistan, Hindus und Sikhs nach Indien. Nur kurze Zeit später brach der erste von drei Kriegen um die Himalaja-Region Kaschmir aus. Die 1948 gezogene Waffenstillstandslinie bildet bis heute die gemeinsame Landesgrenze, die jedoch von beiden Regierungen nicht offiziell anerkannt wird. Verschärft wird der Streit durch die Atomprogramme beider Staaten.

Taj Hotel in Mumbai (Foto: ap)

Im Visier der Attentäter: Das Taj Hotel in Mumbai am 28. November 2008

Die 2004 aufgenommenen Friedensgespräche zwischen Neu Delhi und Islamabad wurden nach den Terroranschlägen von Mumbai im November 2008 von der indischen Seite abgebrochen. Bei der dreitägigen Terroraktion kamen in der Millionenmetropole über 160 Menschen ums Leben. Indien macht die aus Pakistan operierende radikal-islamische Gruppe Lashkar-e-Taiba für die Anschläge verantwortlich.

Autor: Dominik Jozic (dpa, afp)
Redaktion: Oliver Samson

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