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Asien

Indien und China - Rivalen oder Partner?

In Asien wachsen mit China und Indien zwei Schwergewichte heran, denen im 21. Jahrhundert wesentlicher Einfluss auf internationalem Parkett zugesprochen wird. Doch wie stehen die beiden Länder eigentlich zueinander?

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Die Staatschefs der Schwergewichte in Asien: Chinas Präsident Hu Jintao und sein indischer Amtskollege Manmohan Singh

Die schiere Größe und Dynamik Chinas und Indiens beflügelt die Fantasien im Westen. Mal werden die beiden asiatischen Riesen als gemeinsame neue Supermacht "Chindia" beschworen, mal wird ein neuer Kampf der Giganten um die Vormacht in Asien prognostiziert.

Die Realität ist weniger dramatisch und bietet doch für beide Einschätzungen Anhaltspunkte. Die Regierungen Indiens und Chinas arbeiten international häufig eng zusammen und bemühen sich, bilaterale Probleme wie etwa Grenzkonflikte zu überwinden.

Rivalität statt Partnerschaft

China Schanghai Wirtschaft Börse steigende Kurse

Indien blickt zunehmend mit Neid auf Chinas Wachstumsraten

Dennoch klingt die häufig beschworene „strategische Partnerschaft“ hohl, genauso hohl wie der Slogan von "Chindia", wonach sich zum Beispiel in der Computerbranche indische Software und chinesische Hardware wunderbar ergänzen könnten. "Es gibt eine Menge Misstrauen zwischen beiden Ländern, und dieses Misstrauen aus historischen Gründen bedeutet, dass sie nicht eng miteinander zusammenarbeiten können", sagt etwa Alka Acharya, Expertin für indisch-chinesische Beziehungen an der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu-Delhi. "Es besteht eben eine grundlegende Rivalität und man weiß nie, was der andere vorhat."

Auch der China-Kenner Rajeev Anantaram vom "Indian Council for Research on International Economic Relations" sieht eine wachsende Konkurrenz zwischen beiden Ländern: "Das steht doch außer Frage. Sie sehen uns genauso als Rivalen, egal, was sie sagen. Wir stehen im Wettbewerb miteinander um Ressourcen und um geostrategischen Einfluss."

Demokratie oder Wirtschaftswachstum?

Indische Kurzstreckenrakete

Konkurrenz herrscht auch beim Thema Rüstung

Indien träumt zwar davon, Chinas Wachstumsraten in ein paar Jahren zu überholen, aber klar ist auch, dass es in den vergangenen Jahrzehnten weit hinter China zurückgefallen ist. In Indien erkennt man die Stärken des chinesischen Systems durchaus an. "Sie können Dinge einfach schneller umsetzen", sagt Alka Acharya. "Entscheidungen werden nicht auf jeder Ebene wieder in Frage gestellt. Ihre Umsetzung kann auch effizienter von oben nach unten kontrolliert werden."

Indien ist stolz auf seine Demokratie, auf die wirtschaftlichen Erfolge der Chinesen sind die Inder dennoch neidisch: "Ausländische Investoren kommen nicht nach Indien, weil wir eine Demokratie sind", gibt Alka Acharya zu bedenken. "Sie kommen nach China, weil sie offensichtlich optimistischer über die Renditen sind, die sie in einem kontrollierten China im Vergleich zum demokratischen Indien bekommen können."

Bittere Erinnerung an die Grenzstreitereien

Besonders die Strategen und Militärs heizen immer wieder Spannungen an. In Indien sprechen sie häufig von der chinesischen Bedrohung und begründen damit die indische Aufrüstung, von der Atombombe bis zum geplanten Ausbau der Marine. Im Hinterkopf haben sie immer noch den kurzen Krieg, in dem China Indien im Herbst 1962 eine empfindliche Niederlage beibrachte.

Autor: Thomas Bärthlein

Redaktion: Silke Ballweg

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