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Asien

Indien rüstet mit ausländischer Hilfe auf

Indien will seine veralteten konventionellen Waffensysteme auf den neuesten Stand bringen und gibt dafür viel Geld aus. Das Thema dürfte auch beim Besuch von Verteidigungsministerin von der Leyen eine Rolle spielen.

Zwei Tage ist die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zu Gast in Indien. Bei dem Gespräch mit ihrem indischen Amtskollegen Manohar Parrikar am Dienstag (26.05.2015) dürfte es vor allem darum gegangen sein, die bilaterale Kooperation im Rüstungssektor zu vertiefen und das deutsche Interesse am "Make in India"-Programm zu bekräftigen.

Indischen Medienberichten zufolge wird von der Leyen starkes Interesse von Seiten der Bundesrepublik signalisieren, sich an der Entwicklung von Produktplattformen für indische U-Boote zu beteiligen. Modi hatte zuvor den Bau von sechs neuen konventionellen U-Booten durch Indien angekündigt. ThyssenKrupp Marine Systems mit Sitz in Kiel ist einer der weltweit führenden Systemanbieter von U-Booten.

Gleichzeitig stehen auch die Verhandlungen Indiens mit Frankreich über den Kauf von 36 Rafale-Kampfflugzeugen vor dem Abschluss. Schon seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass Indien bei der Beschaffung großer Waffensysteme vermehrt auf den Kauf fertiger ausländischer Produkte beziehungsweise auf die Entwicklung solcher Systeme mit ausländischer Beteiligung setzt.

(Archiv) Indische Kampfflugzeuge bei einer Parade im Januar 2015. (Foto: Reuters)

(Archiv) Indische Kampfflugzeuge bei einer Parade im Januar 2015

Steigende Waffenimporte

Indiens Waffenimporte sind zwischen 2010 und 2014 um 140 Prozent gegenüber dem Zeitraum 2005 bis 2009 gestiegen. Damit war Indien nach Angaben des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) in diesem Zeitraum der größte Waffenimporteur weltweit.

Fast 15 Prozent aller Importe entfielen demnach auf Indien, dreimal so viel wie auf China. Die chinesischen Waffenimporte sind laut SIPRI zwischen 2010 und 2014 im Vergleich zu den fünf Jahren zuvor sogar um insgesamt 42 Prozent zurückgegangen. Bei mehr als der Hälfte der indischen Importe handelt es sich um Flugzeuge, gefolgt von Schiffen (16,5 Prozent) und Raketen (8,9 Prozent).

Deutschland und Frankreich waren laut SIPRI lediglich für 0,7 bzw. 1,2 Prozent der Waffenlieferungen an Indien verantwortlich. Seit fünf Jahren ist Russland mit fast 70 Prozent größter Lieferant (darunter eines Atom-U-Boots und eines Flugzeugträgers), auf Platz zwei und drei folgen die USA (zwölf Prozent) und Israel (7,3 Prozent).

Noch lange auf Rüstungsimporte angewiesen

Wie Siemon Wezeman, Experte für Rüstungsausgaben beim Friedensforschungsinstitut SIPRI, gegenüber der DW erläutert, sind Indiens Versuche seit den 1950er Jahren, ein eigenes umfassendes Waffenprogramm zu entwickeln, weitgehend gescheitert. Premierminister Modis jüngsten Wirtschafts- und Industrialisierungsvorstößen zum Trotz sind sich Experten einig, dass Indien noch gewaltige technische Defizite zu überwinden hat, bevor das Land vom Importeur in den Kreis der globalen Exporteure von Rüstungsgütern aufsteigen kann.

Seit Jahren versucht die indische Regierung, im Zuge von größeren Waffendeals auch einen Technologie-Transfer auszuhandeln. Allerdings hat die indische Industrie bis heute Probleme damit, derartige Technologien zu integrieren, vor allem zu akzeptablen Kosten. Immerhin hat Modi als Teil seines wirtschaftlichen Reformprogramms die Obergrenze für Direktinvestitionen aus dem Ausland im Verteidigungssektor von 26 auf 49 Prozent erhöht, was der einheimischen Rüstungsindustrie einen Schub verleihen könnte.

Das indische Kriegsschiff Kolkata. (Foto: dpa)

Das indische Kriegsschiff Kolkata

Herausforderer China

Die Motive für den massiven Zuwachs bei den indischen Rüstungsimporten liegen für Amit Cowshish, früherer Finanzberater im indischen Verteidigungsministerium, auf der Hand: "Wegen der Situation in seiner unmittelbaren Nachbarschaft muss Indien militärisch in der Lage sein, seine maritimen Handelsrouten zu schützen und – im schlimmsten anzunehmenden Fall – einen Zangenangriff (durch Pakistan und China) zu vereiteln." Indiens Rüstungsindustrie, weder die private noch die staatliche, sei bisher in der Lage, dieser Herausforderung gerecht zu werden, so der indische Verteidigungsexperte gegenüber der DW.

Ganz anders als der wirtschaftlich und militärisch übermächtige Nachbar China: Dessen Militärausgaben - im Gegensatz zu seinen Rüstungsimporten - sind entsprechend seiner Wirtschaftsleistung gewachsen, was das regionale militärische Gleichgewicht grundlegend geändert hat. Gleichzeitig ist China zum drittgrößten Rüstungsexporteur der Welt geworden - mit den Hauptabnehmerländern Pakistan, Myanmar und Bangladesch. Wenn Indien seine Rolle als regionale Vormacht militärisch untermauern will, kann es dies absehbar nur auf dem Weg einer vom Ausland unterstützten Modernisierung seines größtenteils veralteten konventionellen Waffenarsenals tun.

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