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Asien

Indien-Pakistan: Zurück zum Dialog

Schon seit 2008 liegt der Friedensprozess zwischen Indien und Pakistan auf Eis. An diesem Donnerstag treffen sich nun die Außenminister beider Staaten in Islamabad. Ihr Ziel: die Wiederaufnahme der Friedensgespräche.

Indische Soldaten (Foto: AP)

Der Streit um die Grenzprovinz Kaschmir überschattet das Verhältnis zwischen den Nachbarländern

Indien und Pakistan haben unterschiedliche Vorstellungen davon, welche Themen beim Dialog oben auf der Tagesordnung stehen sollten: Während für Pakistan der Kaschmir-Konflikt das Schlüsselproblem zwischen den verfeindeten Nachbarn darstellt, will Indien vor allem Pakistans Verwicklung in Terroranschläge und die Aktivitäten militanter Gruppen in Indien thematisieren.

Nach den Terror-Anschlägen auf die indische Metropole Mumbai im November 2008 beschuldigte Indien Terroristen mit Sitz in Pakistan, das Blutbad geplant und ausgeführt zu haben. Der Pakistaner Ajmal Kasab, der einzige überlebende Attentäter, wurde im Mai in Mumbai zum Tode verurteilt.

Suche nach den Hintermännern

Brennendes Hotel in Mumbai (Foto: AP)

Die Anschläge von Mumbai gehen auf das Konto pakistanischer Terroristen und sorgen bis heute für Misstrauen

Aber Indien glaubt, dass Kasab nur ein kleines Glied in einer längeren Kette war. Die Regierung verdächtigt die offiziell in Pakistan verbotene islamistische militante Gruppe Lashkar-e-Taiba und ihren Anführer Hafiz Saeed, die Attacken koordiniert zu haben. Weil Lashkar-e-Taiba lange Zeit enge Verbindungen mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI pflegte, mutmaßt Neu-Delhi seit langem, dass auch der pakistanische Staat mehr über die Anschlagsplanungen wusste, als er zugibt.

Neu-Delhi erwartet von Islamabad also Antworten. Indiens Außenminister S.M. Krishna hat bereits klar gemacht, dass er dem Thema Terrorismus bei seinem Treffen mit dem pakistanischen Amtskollegen Shah Mehmood Qureshi eine zentrale Rolle beimisst.

Indisch-pakistanische Grenze (Foto: AP)

Die Grenze zwischen Indien und Pakistan ist streng bewacht

Andererseits hat sich in Indien aber auch die Überzeugung durchgesetzt, dass der totale Abbruch des Dialogs nicht weiterhilft. D. S. Chandran, ein Experte für die bilateralen Beziehungen in Neu-Delhi, erklärt: "Pakistan wird diese Leute niemals ausliefern. Indien hat seinen Standpunkt dargelegt und dafür auch viel internationale Unterstützung bekommen. Inzwischen ist es eher eine Belastung geworden, dass wir uns immer darauf fixieren. Indien muss schließlich mit seinem Nachbarn reden!"

Weg zu mehr Entspannung

Demonstration in Kaschmir (Foto: AP)

Pakistan und Indien erheben beide Anspruch auf Kaschmir - die Kaschmiris wollen am liebsten unabhängig sein

Es hat immer wieder Phasen gegeben, in denen das auch funktioniert hat: Nach den Nukleartests 1998 begannen beide Seiten mit vertrauensbildenden Maßnahmen, und nach erneuten Rückschlägen wurde 2004 der so genannte Verbunddialog aus der Taufe gehoben, bei dem man über acht Themenkomplexe parallel verhandelte, einschließlich Kaschmir, Terrorismus, Handel und Reise-Erleichterungen. Für Chandran ist dieser Ansatz noch immer der beste. "Dieser alte Dialog ist umfassend," sagt Chandran. "Was 1998 beschlossen wurde, bietet eine sehr gute Grundlage für zukünftige Verhandlungen. Ich wäre froh, wenn beide zu den alten Strukturen zurückkehren würden, weil man damit über alle Themen von Nuklear-Fragen bis Handel sprechen kann."

Kein Friede ohne Kaschmir

Pakistan wird das Thema Kaschmir sicher ansprechen, zumal im indisch verwalteten Teil der umstrittenen Region bei Straßenschlachten zwischen Demonstranten und indischen Sicherheitskräften in den vergangenen Wochen mindestens ein Dutzend Zivilisten getötet wurden. Der pakistanische Journalist und Generalsekretär der South Asian Free Media Association, Imtiaz Alam, glaubt aber nicht, dass sich in Sachen Kaschmir etwas bewegen wird. "Das steht seit 60 Jahren auf der Tagesordnung. Es wäre voreilig, von diesem Treffen zu erwarten, dass es sich auf Kaschmir konzentriert. Dass ist ein Problem, das sich nur langfristig lösen lässt."

Autor: Thomas Bärthlein
Redaktion: Nicola Reyk