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Politik

Indien Kompakt

Klima und mehr: Wer bestimmt die Jahreszeiten in Indien? Wo liegt Nagpur? Und: Warum spielt Indien eine Schlüsselrolle beim Schutz des Weltklimas? Hier die Antworten.

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Der Katsch im Himalaja - von dort sieht man auch den Mount Everest

Am tiefsten Punkt des Landes liegt Indien zwei Meter unter dem Meer - die so genannte Kuttanad-Senke ganz im Süden der indischen Halbinsel. An seinem höchsten Punkt ragt das Land 8.590 Meter in den Himmel: Der Kangchendzönga im Himalaja ist Indiens größter Berg, der drittgrößte der Welt. Im Bergsteigerjargon heißt er einfach: "Katsch". Zwischen "Katsch" und Kuttanad liegen 5.600 Kilometer Meeresküste, das Karakorum-Gebirge als Teil des Himalaja, fruchtbare Stromebenen um Ganges und Brahmaputra, Mangrovenwälder, die Salbäume der Monsunwälder, Zedern, Kiefern und Orchideen, zahlreiche Hügel- und Gebirgsketten wie die Ost- und West-Ghats, die Wüste Thar und die Salzsümpfe Rann von Kachchh. Nur eines fehlt dem Land: größere natürliche Süßwasserseen.

Nicht Frühling, Sommer, Herbst und Winter

Flutkatastrophe in Indien Millionen Menschen auf der Flucht

Überschwemmung nach dem Monsunregen - viele Menschen müssen fliehen

Grob teilt sich Indien in zwei Klimazonen auf: eine gemäßigte, subtropische im Norden und eine tropische im Süden. Den beiden gemeinsam ist nur der Monsun. Er bestimmt die Jahreszeiten. Der Sommermonsun weht von Juni bis Ende September vom Meer aufs Land. Er bringt deshalb feuchte ozeanische Luft mit - die Zeit des Monsunregens beginnt. Kommt er zu früh oder dauert zu lang, drohen Überschwemmungen - mit verheerenden Folgen für Bevölkerung und Ernte. Kommt er zu spät oder hält nur kurz an, drohen Dürre und Hungersnot. Nur im Mittelmaß bringt der Monsun Segen.

Der Wintermonsun ist mit dem Nordost-Passat identisch und weht von Dezember bis Februar vom Land aufs Meer. Er bringt kalte, trockene Luft. Jetzt beginnt die Trockenzeit, die sich zur Dürre ausweiten kann. Nur dort, wo große Talsperren oder kleine Stauseen liegen, gibt es eine zweite Ernte. Zwischen dem Sommer- und Wintermonsun liegen die Übergangszeiten.

Schmutzfinken - Indiens sorgloser Umgang mit der Umwelt

Umweltverschmutzung in Indien

Volk und Industrie waschen sich rein - Indiens Flüsse müssen viel aushalten

Ein starker Monsunregen ist aber nicht alleine verantwortlich für Überschwemmungen. Indien hat in den letzten Jahrzehnten in seinen Bergwäldern Kahlschlag betrieben. Seit 1980 ist der Schutz des Waldes zwar Angelegenheit der zentralen Regierung in Neu Delhi, aber die Kontrolle ist zu lax. Weil die Bäume als Wasserspeicher fehlen, fließt mehr Wasser direkt in die Flüsse - und die können die Wassermassen nicht mehr abführen. Seit den 70er-Jahren setzt sich die Chipko-Bewegung für den Schutz des Baumes ein - mit einer simplen Methode: chipko heißt auf Hindi umarmen.

Doch Indien hat noch ganz andere Umweltsorgen: 2006 und 2007 veröffentlichte das Blacksmith Institute einen Bericht über die am meisten verschmutzten Orte der Welt ( World's Worst Polluted Places Report). Indien nahm jedes Mal einen Spitzenplatz ein. Da ist zum Beispiel Sukinda im östlichen Bundesstaat Orissa. Dort gibt es zwölf Chromerz-Minen, in denen ohne Umweltschutzmaßnahmen gearbeitet wird. Das Abwasser landet im Fluss Brahmani, der einzigen Wasserquelle für die Bewohner der Region.

Saubermänner - Indiens Einsatz für eine bessere Umwelt

Straßenverkehr Chaos in Indien

Das Chaos auf Delhis Straßen gibts noch immer - aber die Luftqualität leidet weniger darunter

Doch Indien hat nicht nur verschmutzt, sondern auch aufgeräumt - nicht umsonst hat es das Land in die Positivliste des Blacksmith Institutes 2009 geschafft. Da ist zum Beispiel Delhi. Der Kohlenmonoxid-Anteil in der Luft hat sich halbiert, seit das indische Umweltministerium Busflotten eingeführt hat, die mit Erdgas fahren, strengere Abgasnormen erlassen hat und eine Umweltsteuer einzieht. Und da ist zum Beispiel der Bundesstaat Westbengalen, ganz im Nordosten Indiens. Dort war der natürliche Arsenanteil im Grundwasser 28mal höher als die US-Umweltbehörde EPA zulassen würde. Indische und europäische Wissenschaftler haben eine billige, chemiefreie Methode gefunden, mit der sie das Grundwasser hochpumpen und säubern. Heute ist der Arsenanteil im Grundwasser kaum mehr nachzuweisen.

Drei Dutzend Millionenmetropolen

Mit verantwortlich für Indiens Umweltsorgen ist die Verstädterung des Landes. Die meisten Menschen leben zwar nach wie vor auf dem Land. Allerdings fliehen immer mehr Menschen in die riesigen Millionen-Metropolen. Etwa drei Dutzend Millionenstädte hat das Land, wobei "Millionen" hier oft für "zig Millionen" steht. Mumbai (bis 1996 Bombay) ist die Hauptstadt des westlich gelegenen Bundesstaates Maharashtra, die größte Stadt Indiens und die wichtigste Hafenstadt des indischen Subkontinents. Dort leben knapp 14 Millionen Menschen - den Vorortgürtel nicht mitgerechnet. Im gleichen Bundesstaat liegt übrigens Nagpur, in dem unser aktuelles „Auswärtsspiel“ stattfindet, mit über zwei Millionen Einwohnern. Da sich Maharashtra von der Westküste bis in die Landesmitte erstreckt, liegt die Industriestadt im Herzen Indiens. Nagpur hat ihren Namen vom Fluss Nag, der durch die Stadt fließt. Allerdings hat Nagpur auch einen Zweitnamen: Orange City, wegen der dort wachsenden Orangen, die besonders gut schmecken.

Hochhäuser in Bombay

Mumbai - nicht nur Schlafstätte, sondern auch Kulturzentrum

Die Hauptstadt New Delhi ist mit 230.000 Bewohnern ziemlich klein - aber nur solange man die nördlich gelegene ältere Stadt Delhi nicht dazurechnet. In beiden Städten zusammen leben ungefähre 12 Millionen Menschen. Alt-Delhi ist Indiens zweitgrößte Stadt.

Unser Planet in Indiens Hand?

Ein schlechter Monsun trifft zwar vor allem die Landbevölkerung, aber auch Stadtbewohner leiden unter ihm, weil Wasser knapp wird und die Nahrungsmittelpreise steigen. Umso schlimmer, dass der indische Monsun anfällig auf Wandel reagiert. Zunächst konnten Wissenschaftler bei ihren Messungen keine Veränderung feststellen: Die durchschnittlichen Regenmengen blieben gleich, trotz Erderwärmung. Sie hatten allerdings übersehen, dass sich die Verteilung der Regenfälle sehr wohl verändert. Die extrem heftigen und extrem leichten Regen nehmen zu, die segensreichen milden Monsunregen ab. Für Indien ergeben sich dadurch ganz konkrete Gefahren: noch mehr Hochwasser, Erdrutsche, Dürre und Ernteausfall mit oftmals Tausenden von Toten.

Fortschreitende Wüstenbildung Dürre in Indien

Der lange Weg zur nächsten Wasserstelle - "Dank" Klimawandel keine Seltenheit

Indien wird aufgrund seiner Lage und wegen seiner vielen Menschen das Land sein, das unter dem Klimawandel besonders leidet. Indien wird neben China aber auch das Land sein, das in Zukunft am meisten dazu beiträgt, dass die Erderwärmung zunimmt: Laut der Internationalen Energie Agentur (IEA) könnte das Land bis 2015 der drittgrößte Treibhausgasproduzent sein - nach China und den USA.

Trotzdem möchte sich Indien nicht auf verbindliche Klimaziele festlegen - wie von der EU gefordert - sondern den Kohlendioxid-Ausstoß nach eigenem Ermessen verringern. Die Regierung verweist darauf, dass die westlichen Industriestaaten den bisherigen Klimawandel zu verantworten haben. Die USA pulvere fünfmal so viel Kohlendioxid in die Luft wie man selbst. Indien fordert deshalb, dass zunächst die reichen Länder ihre Emissionen senken. Ein Kompromiss liegt noch in weiter Ferne.

Autorin: Jutta Wasserrab
Redaktion: Birgit Görtz