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Asien

Indien kämpft um Einfluss in Afghanistan

Kürzlich versprach der indische Premier Singh Afghanistan weitere 500 Millionen Dollar für den Wiederaufbau. Zwei Milliarden Dollar gab Delhi seit 2001. Indien ist damit Kabuls größter Geldgeber in der Region.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai neigt sich zu Indiens Regierungschef Manmohan Singh(Foto: AP)

Hamid Karsai (li) und Manmohan Singh (re) sind an guten Beziehungen interessiert

"Indien möchte ein friedliches, stabiles, demokratisches und pluralistisches Afghanistan sehen", sagte Indiens Premier Manmohan Singh unaufhörlich bei jeder Pressekonferenz, die während seines jüngsten Besuchs im Mai 2011 in Afghanistan stattfand. Auch der afghanische Präsident Hamid Karsai wurde nicht müde, die lange bestehende strategische Freundschaft beider Länder zu preisen. Krankenhäuser, Straßen, Brücken, Maschinen, technisches Know-How: die Liste indischer Beiträge zum Wiederaufbau im Land am Hindukusch ist lang. Doch ist diese Hilfe nicht ganz uneigennützig.

Langjährige Partnerschaft

Indiens Premier Manmohan Singh erhält Blumen bei seiner Ankunft am Kabuler Flughafen im Mai 2011

Traditionell gute Beziehungen: Indiens Premier Singh bei seinem Besuch in Kabul im Mai 2011

Schon kurz nach seiner Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 schloss Indien mit Afghanistan einen "Freundschaftsvertrag" ab. In diesem Vertrag wurde vereinbart, dass sich die beiden Länder in strategischen Fragen in regelmäßigen Abständen abstimmen sollten und es gemeinsame Projekte geben werde. Zu Zeiten des Kalten Krieges sah Indien es als enger Verbündeter der damaligen Sowjetunion mit Wohlwollen, dass sich auch Afghanistan der Großmacht UdSSR angenähert hatte. Nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan und während des daraus resultierenden Kampfes gegen die Besatzung zwischen 1979 und 1989 litten daher auch die indisch-afghanischen Beziehungen. Trotzdem investierte Indien weiterhin in Industrie- und Energieprojekte in Afghanistan.

Nachdem die Taliban in den 1990er Jahren die Herrschaft an sich gerissen hatten, war Indien zunächst in Afghanistan abgemeldet. Mit Sorge sah die Großmacht Indien, wie das Land plötzlich dem Erzrivalen Pakistan in die Hände zu fallen drohte. Denn Pakistan wiederum hatte mit Hilfe der USA die islamistischen Taliban in ihrem Kampf gegen die Sowjetunion großzügig unterstützt. Bis heute halten sich hartnäckig Gerüchte, dass der pakistanische Geheimdienst ISI diese Unterstützung fortführt.

"Schlachtfeld" der Erzrivalen

Vor dem Eingang der indischen Botschaft in Kabul. Der Anschlag im Juli 2008 kostete 40 Menschen das Leben

Vor der zerstörten indischen Botschaft in Kabul. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich dort in die Luft

Doch nach dem Ende der Talibanherrschaft vor zehn Jahren schlug die Stunde Indiens. Das Land baute in den vergangenen Jahren neben seiner Botschaft in der Hauptstadt Kabul in vier strategisch wichtigen Städten - Herat, Kandahar, Jalalabad und Mazar-i-Sharif Konsulate auf. Pakistan protestierte mehrfach dagegen und warf Indien vor, Pakistan ausspionieren zu wollen. Im Gegenzug beschuldigte Indien Pakistan, hinter dem Anschlag auf die indische Botschaft in Kabul zu stecken. 40 Menschen waren dabei Mitte 2008 getötet worden.

Drei Kriege haben Indien und Pakistan seit ihrer gemeinsamen Unabhängigkeit und Teilung von Großbritannien 1947 bereits gegeneinander geführt. Vielen gilt Afghanistan daher als Schlachtfeld der beiden nuklear bewaffneten Nachbarn, die sich dort zwar nicht in einem konventionellen Krieg gegenüberstehen. Doch keine der beiden Seiten möchte ihren Einfluss aufgeben und damit das Land dem Erzfeind überlassen. Savita Pande, Politologin der renommierten Jawaharlal-Nehru-Universität in Indien, kann Pakistans Ängste verstehen, die schon durch die geographischen Gegebenheiten offensichtlich sind: "Indien hat keine eigene Grenze mit Afghanistan. Kein Land kann es sich leisten, an zwei Fronten Krieg zu führen. Doch Pakistan ist in dieser einzigartigen Situation gefangen, dass die Beziehungen zu beiden Nachbarn, Indien und Afghanistan, extrem angespannt sind."

Terroristische Bedrohung

Die Anschläge auf das Taj Mahal Hotel in Mumbai: Noch immer ist das Land traumatisiert vom Terror

Ein Volk ist traumatisiert: Die Anschläge auf das Taj Mahal Hotel in Mumbai

Die strategische Bedeutung Afghanistans hat für Indien noch eine weitere Dimension. Bis heute hat sich Indien noch nicht von den Anschlägen auf die indische Finanzmetropole Mumbai im November 2008 erholt. Damals hatten Terroristen mehrere Ziele in der Stadt angegriffen und hunderte von Geiseln genommen. Mehr als 160 Menschen starben. Die Angriffe gelten als "Indiens 11. September". Die Terroristen stammten aus Pakistan und waren teilweise in Afghanistan ausgebildet worden. Indiens Außenminister Somanahalli Mallaiah Krishna betonte daher erst im Juni 2011 beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, "dass sichere Unterschlüpfe für Terroristen die gesamte Region vergiften".

Die kommende Supermacht

Indiens Wirtschaftswachstum von durchschnittlich etwa acht Prozent in den vergangenen Jahren spricht eine deutliche Sprache. Für die boomende Wirtschaft sind aber nicht nur sichere Absatzmärkte von großer Bedeutung. Es müssen auch neue Absatzmärkte erschlossen werden. Indien fordert inzwischen selbstbewusst einen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und gilt neben China als die kommende Supermacht des 21. Jahrhunderts. Auch aus diesem Großmachtsanspruch heraus möchte Indien als gleichberechtigter Partner neben den USA und anderen Mächten im Konzert der Großen bei der Neuordnung Afghanistans und der Beilegung von Konflikten in Asien mitspielen.

Autorin: Priya Esselborn

Redaktion: Ana Lehmann

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