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Asien

Indien investiert in Afrika

Indien will seine wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Aktivitäten in Afrika ausweiten und verstärkt seine Investitionen in dem ressourcenreichen Kontinent. Bedroht Indiens Strategie die Interessen Chinas?

President of the Burundi, Pierre Nkurunziza (L) shakes hands with Indian Prime Minister Manmohan Singh at a meeting in New Delhi on September 18, 2012. Nkurunziza is in India for a three-day state visit. AFP PHOTO/RAVEENDRAN (Photo credit should read RAVEENDRAN/AFP/GettyImages)

Symbolbild - Indien Afrika Wirtschaftsbeziehungen

Erst kürzlich hat der indische Industriemagnat Mukhesh Ambani sein Portfolio in Nairobis Immobiliensektor ausgeweitet. Der reichste Mann Indiens kaufte in Kenias Hauptstadt zehn Filet-Grundstücke im Wert von umgerechnet rund 35 Millionen US-Dollar. Sein Plan: Er will dort Wirtschaftsunternehmen ansiedeln und Wohnungen bauen. "Das kommt der wachsenden Nachfrage entgegen. Immer mehr multinationale Unternehmen wollen auf dem afrikanischen Kontinent Fuß fassen", erklärt Immobilienmakler Prateek Berry in Delhi zur Deutschen Welle. Bereits vor zwei Jahren hatte Ambani viel Geld in die Gastgewerbe- und die Lufttransport-Industrie Tansanias gesteckt.

Portrait Mukhesh Ambani (Foto: AP)

Industriemagnat Mukesh Ambani investiert massiv in Afrika

Diese Investitionsoffensive Ambanis überrascht nicht, sagen Beobachter. Aus dem letzten gemeinsamen Bericht des Indischen Industrieverbandes (CII) und der Welthandelsorganisation (WTO) geht hervor, dass die indischen Investitionen in Afrika im Jahr 2012 die Marke von mehr als 50 Milliarden US-Dollar erreichten - im Jahr 2001 hatten sie noch bei einer Milliarde Dollar gelegen.

Afrikas gewaltige Ressourcen wecken schon seit Langem das Interesse von Investoren. Neben Öl und Gas hat der zweitgrößte Kontinent der Welt riesige Vorkommen an Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Uran und Diamanten. Viele Großkonzerne Indiens betrachten Afrika daher als neues El Dorado und drängeln sich auf dem Weg in den Markt, in der Hoffnung, dort große Gewinne einzufahren.

"Wir wollen das Rennen anführen"

Nach Angaben des erwähnten CII-WTO - Berichts ist der Handel zwischen Indien und Afrika zwischen 2005 und 2011 um fast 32 Prozent gewachsen. Es sind vor allem Indiens private Großkonzerne, die zunehmend und mit immer größeren Unternehmungen in Afrika investieren - vor allem in den Bereichen Telekommunikation, Informationstechnologie, Energie sowie im Automobilsektor.

Die Tata Gruppe, ein indischer Mischkonzern, hat Anfang des Jahres bekannt gemacht, man wolle rund 1,7 Milliarden Dollar in neue Produktionsstätten auf dem afrikanischen Kontinent investieren, hauptsächlich im Bereich Automobilindustrie und Gastgewerbe. Indiens größtes Bergbau-Unternehmen Vedanta Resources berichtete kürzlich, dass es in den letzen neun Jahren vier Milliarden Dollar in Afrikas Bergbauindustrie gesteckt hat. Ein weiteres Beispiel ist Bharti Airtel, Indiens größter Mobilfunkanbieter. Er stieg 2010 in den afrikanischen Telekommunikationsmarkt ein und kaufte operative Geschäfte des afrikanischen Konzerns Zain Telecom in 15 afrikanischen Ländern. Um seine Aktivitäten in Afrika zu verstärken, plant das Unternehmen, auch Warid Telecom Uganda zu übernehmen.

"Wir wollen die indischen Unternehmen dahin führen, den bilateralen Handel mit Afrika bis 2015 auf einen Wert von rund 100 Milliarden Dollar zu verdoppeln", sagt R.V. Kanoria, ehemaliger Präsident der indischen Industrie- und Handelskammer. "Auch China setzt sich für seine Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent ein. Aber wir Inder wollen das Rennen anführen."

Indisch-chinesische Rivalität?

Afrika werde immer stärker zum Schauplatz eines Machtkampfes zwischen Indien und China um die Handelsvorherrschaft, sagen Beobachter. Um der aggressiven chinesischen Expansion auf dem Kontinent zu begegnen, hatte Indien im März versprochen, 5,7 Milliarden Dollar als Kredite und Subventionsmaßnahmen für Entwicklungsprojekte bereitzustellen und mehr als 100 Bildungsinstitute in Afrika aufzubauen. "Es gibt dort riesige Möglichkeiten. Indien hat immer mehr zu bieten, und das in einer Zeit, in der es erhöhte Spannungen gibt zwischen Indien und China. Aber der Gewinner dieser Situation ist der afrikanische Kontinent", so Kiran Lal, Forschungsbeauftragter in der "Gesellschaft für Afrikastudien" in Delhi im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Chinas Präsident Xi Jinping (li.) mit seinem Amtskollegen aus Tansania Jakaya Kikwete (re.) (Foto: REUTERS)

Afrika als Schauplatz eines Machtkampfes zwischen Indien und China um die Handelsvorherrschaft?

Sowohl China als auch Indien sind der wachsenden internationalen Kritik ausgesetzt, dass sie rücksichtslose Einkaufstouren in Afrika unternehmen, um ihre wachsenden Volkswirtschaften zu ernähren. Beide Staaten werden beschuldigt, nicht zimperlich zu sein im Umgang mit autoritären Regimes, zum Beispiel in Sudan und Simbabwe.

Kann Indiens wirtschaftliche Expansion in Afrika die Interessen Chinas in der Region beeinträchtigen? Indien ist zurzeit der viertgrößte Handelspartner Afrikas nach der Europäischen Union, China und den USA. Vaidhyanatha Gundlupet-Venkataramu, Professor für Internationale Beziehungen an der Universtät von Texas in San Antonio ist der Ansicht, dass Indien in Afrika populärer ist als China. "Wenn man jedoch nur auf die Investitionen in Afrika schaut, sind die Chinesen den Indern einen Schritt voraus", erklärt der Experte.

Nach Angaben der Welthandelsorganisation WTO betrug der Gesamtwert des chinesisch-afrikanischen Handels zwischen 2005 und 2011 rund 166 Milliarden Dollar, der indisch-afrikanische dagegen nur 63 Milliarden Dollar. Doch die Geschwindigkeit, mit der der indisch-afrikanische Warenaustausch wächst, sei größer als beim Rivalen China, so Gundlupet-Venkataramu. Der indisch-afrikanische Handel nahm in dem genannten Zeitraum um gut 32 Prozent zu, während der chinesisch-afrikanische nur um 27 Prozent wuchs.

"Historische Verbundenheit"

Unterschiedlich ist auch die Selbstdarstellung der beiden Rivalen in Afrika. Anders als China wird Indien nicht müde, seine historische Verbindung zu diesem Kontinent zu betonen. Indiens Nationalheld und Anführer der Unabhängigkeitsbewegung, Mahatma Gandhi, hatte Ende des 19. Jahrhunderts einige Jahre in Südafrika gelebt. Wie viele afrikanische Staaten, vor allem im Osten des Kontinents, litt auch Indien unter der Britischen Kolonialherrschaft. Indien stellt eines der größten Kontingente bei den UN-Friedenstruppen in Afrika - und nicht zuletzt hofft das südasiatische Land auf Unterstützung aus Afrika bei den Bemühungen um einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat

Die schnell wachsende Industrie in Afrika zieht massive Entwicklungen in allen Wirtschaftssektoren nach sich - eine Aussicht, die den Zulauf von zahlreichen Großinvestoren erklärt. Doch China und Indien werden nicht alleine an diesem Rennen teilnehmen. Auch Japan, Brasilien und die Türkei stehen bereits in den Startlöchern.