1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

"Indien für deutsche Unis interessant"

Deutschland fehlen Ingenieure, ausländische Fachleute sind gefragt. Das Goethe-Institut und deutsche Unis wollen mit einem gemeinsamen Pilotprojekt mehr Studenten aus Indien gewinnen. Ein Gespräch über neue Chancen.

** ADVANCE FOR USE ON SUNDAY, OCT. 24, 2010 AND THEREAFTER ** In this Thursday, Aug. 5, 2010 photograph, students attend a class at a cram school in Kota, India. Every year, more than 450,000 students take the Indian Institutes of Technology (IIT) exam, hoping for entry to the hallowed public engineering institutes located across India. Slightly more than 13,000 passed in 2010, a 3 percent success rate. (ddp images/AP Photo/Saurabh Das)

Indian Institutes of Technology in Kota

TU9 lautet die Kurzformel für die führenden Technischen Universitäten in Deutschland. Weil schon in einigen Jahren ein erheblicher Studentenmangel droht, suchen sie internationalen Nachwuchs für Fächer wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik-Fächer. Partner bei der Gewinnung junger Fachkräfte ist das Goethe-Institut: Eine Kooperation soll dafür sorgen, dass ausländische Studenten leichter den Weg an deutsche TU's finden. Den Anfang macht Indien. Die Deutsche Welle sprach mit der Projektleiterin Anne Renate Schönhagen vom Goethe-Institut Bangalore.

Deutsche Welle: Frau Schönhagen, warum steht Indien im Mittelpunkt dieser Kooperation?

Anne Schönhagen: In Indien gibt es ein großes Netzwerk von Partnerschulen Deutschlands. Dadurch ist ein zunehmendes Interesse am Deutschunterricht entstanden. Und darum ist Indien interessant für deutsche Universitäten, weil da gut ausgebildete junge Menschen in einer großen Masse sind - mit der Mutmaßung, dass man besonders viele brillante Köpfe an den PASCH-Schulen findet.

… das sind Partnerschulen der Bundesrepublik Deutschland im Ausland, an denen verstärkt Deutschunterricht angeboten wird …

… genau. Das hatte eine große Sogwirkung. Es gab erst die PASCH-Schulen, aber viele andere Schulen und Schul-Ketten haben sich dem angeschlossen und haben sich entschieden, Deutsch zu unterrichten. Das Goethe-Institut begleitet diese Schulen mit vielfachen Maßnahmen und Kulturprogrammen. Natürlich fragen sich indische Eltern, die ihre Kinder an diese Schulen bringen, was die Kinder davon haben. Bisher ist diese Frage unbeantwortet geblieben, denn der Studienstandort Deutschland ist für indische Schulabgänger verschlossen.

Das ist in der Öffentlichkeit gar nicht so bekannt. Woran liegt das?

Das indische Abitur ist in Deutschland nicht anerkannt als Äquivalent zum deutschen Abitur. Das ist ganz traurig. Wenn ich mir die Schulen anschaue, mit denen wir kooperieren, dann ist dort das Bildungsniveau sehr hoch. Aber ein indischer Schüler, der in Deutschland studieren will, müsste den ganzen Bachelor fertig absolviert haben, um dann ins erste Semester eines Bachelor-Studiengangs nach Deutschland zu gehen. Das ist die Regel. Es gibt auch Ausnahmen. Nur wer an den Indian Institutes of Technology zugelassen wird, darf sofort in Deutschland studieren. Aber die haben ein so hohes Niveau, dass keiner auf einen Studienplatz dort verzichten und nach Deutschland gehen würde.

Was musste denn die große Mehrheit der indischen Abiturienten bisher tun, um in Deutschland studieren zu können?

Bundesaußenminister Guido Westerwelle mit indischen Schülern (Archivfoto: picture-alliance/dpa)

Deutsch im Aufwind: PASCH-Schüler mit Außenminister Westerwelle am Goethe-Institut Neu Delhi (2011)

Bisher gibt es für indische Schulabgänger die Möglichkeit, ein einjähriges Studienkolleg in Deutschland zu besuchen und eine Feststellungsprüfung zu machen, die wie ein deutsches Abitur anerkannt wird, und dann einen Studienplatz zu ergattern. Aber das ist sehr langwierig. Man kennt den Ausgang nicht, und indische Eltern nehmen nicht unbedingt Geld dafür in die Hand, wenn ein Studienplatz nicht gesichert ist.

Was wird denn die Kooperation zwischen "Goethe" und den TU9 verändern?

Wir arbeiten gerade mit dem Studienkolleg Niedersachsen daran, einen "Fast Track", einen Schnellkurs zu entwickeln. Indische Schüler aus PASCH-Schulen können bei uns am Goethe-Institut einen zwölf Wochen langen Super-Intensivkurs bekommen, in Deutsch und in den Fachsprachen der Mathematik, Chemie, Informatik. Dann werden sie vom Studienkolleg Niedersachsen aufgenommen und auf die Feststellungsprüfung vorbereitet. Danach können sie ganz regulär zum Wintersemester an der Leibniz-Universität Hannover anfangen.

Die Vorbereitungszeit verkürzt sich also deutlich ...

… sogar ganz drastisch - um ein ganzes Jahr! Denn die indischen Schüler machen im März ihr Abschluss-Examen. Aber erst im Oktober fängt in Deutschland das Wintersemester an. Das ist schon ein halbes Jahr. Und dann müssten sie noch ein Jahr lang Studienkolleg machen. Wir wollten damit ein Muster entwickeln, das für ganz Indien anwendbar ist. Wenn der Pilot überzeugend ist, wollen wir ihn vielleicht auch transferfähig machen für andere Regionen.

Die Kooperation wurde nicht zufällig mit Technischen Universitäten abgeschlossen. Warum gerade dieser Fachbereich?

Der erste Grund ist, dass die Technischen Universitäten tatsächlich großes Interesse an der Gewinnung von guten indischen Studierenden haben. Der andere Grund ist aber, dass Deutschland für hervorragende Ausbildung in Ingenieurwissenschaften und Technik steht. Das ist wie ein Synonym. Es ist ja nicht so, dass die deutschen Universitäten bislang an den Schulen stehen und um Studenten werben - anders als amerikanische und australische Universitäten, die durch unsere Schulen in Bangalore tingeln und Bildungsmessen machen.

Wie ist es eigentlich mit jungen Frauen in Indien? Haben sie auch Interesse an technischen Studiengängen?

Auf jeden Fall! Aus meiner Beobachtung an PASCH-Schulen kann ich feststellen, dass es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen gibt.

Dr. Anne Renate Schönhagen ist Leiterin der Sprachabteilung am Goethe-Institut / Max Müller Bhavan Bangalore und Projektleiterin der Kooperation mit den TU9 für Indien. Die indischen Goethe-Institute tragen den Namen des Mitbegründers der modernen Indologie Max Müller (1823-1900).

Das Gespräch führte Aya Bach.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema