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Wirtschaft

Indien erntet die Früchte der Reform

81 Millionen Flugreisen, 300 Gigawatt Stromkapazität, 140 Millionen verkaufte Smartphones. Indien ist zurzeit der Klassenprimus beim Wachstum der großen Volkswirtschaften. Das ist auch vor Ort spürbar.

Seit der Öffnung der indischen Wirtschaft im Juli 1991 hat sich die Wirtschaftsleistung des Landes mehr als vervierfacht. Damals, vor 25 Jahren, beendete Finanzminister Manmohan Singh die wirtschaftliche Isolation des Landes. Seine Reformen brachen mit dem indischen Lizenzsystem und vielen Handelsbarrieren - und waren ein Hauptantrieb für den wirtschaftlichen Aufschwung seither. Fünf Beispiele, wie dies heute im Alltag spürbar ist.

AUTOS: Für mehr als ein halbes Jahrhundert prägte der "Hindustan Ambassador" das Straßenbild Indiens. Die etwas knubbelige Limousine war eigentlich ein Import aus England aus den 1950er Jahren, wurde aber von der indischen Firma Hindustan Motors noch bis 2014 gebaut. Konkurrenten hatten angesichts komplizierter Lizenzsysteme und hoher Importzölle keine Chance. Heute werden im Land rund 2,8 Millionen Autos pro Jahr verkauft. Die erfolgreichsten Luxushersteller heißen BMW, Audi und Mercedes.

TELEKOMMUNIKATION UND FERNSEHEN: Vor den Reformen konnten die meisten Inder nur den staatlich betriebenen Fernsehsender Doordarshan empfangen. Als 1991 Satellitenempfänger erlaubt wurden, weitete sich das TV-Universum der Inder in einem Schlag auf hunderte Sender aus. Auch bei der Kommunikation übersprangen die Inder mehrere Entwicklungsstufen. Vor 1991 dauerte es teils Jahre, bis ein indischer Haushalt eine unzuverlässige Festnetznummer zugeteilt bekam. Heute gibt es mehrere internationale Mobilfunkanbieter im Land. In diesem Jahr sollen laut der IT-Beratungsfirma Gartner knapp 140 Millionen Smartphones in Indien verkauft werden.

EINZELHANDEL: Früher hatten nur diejenigen Inder Zugriff auf westliche Produkte, die reiche Verwandte hatten, die im Ausland lebten. Die kamen dann mit großen Koffern voller Waren für die Verwandtschaft ins Land geflogen. Inzwischen gibt es in den indischen Großstädten riesengroßen Einkaufszentren inklusive Kinos, Verkaufsshows und großem gastronomischem Angebot. Der Umsatz im indischen Einzelhandel hat sich vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2015 ungefähr vervierfacht auf rund 540 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2020 soll er sich verschiedenen Schätzungen zufolge nochmals verdoppeln.

REISEN UND FLIEGEN: Bis 1990 waren die staatlichen Fluglinien Air India und Indian Airlines die einzige Chance für Inder, innerhalb ihres Landes zu fliegen. Die Preise waren entsprechend hoch. Private Konkurrenz wie Jet Airways, Indigo oder Spicejet machen das eigene Land auch für durchschnittlich verdienende Inder zugänglicher. Im Moment wächst die Zahl der Passagiere auf Inlandsflügen im Schnitt um 20 Prozent pro Jahr. Im gesamten Jahr 2015 transportierten die indischen Fluglinien mehr als 81 Millionen Passagiere auf Inlandsflügen.

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Indien: Euphorie um grünen Strom

ENERGIE: Selbst in den Großstädten Indiens waren vor 1991 stundenlange Stromausfälle an der Tagesordnung. Heute leidet das Land zwar immer noch unter Energieknappheit, doch insbesondere in den großen Städten ist die Versorgung deutlich stabiler geworden. Hinzu kommt eines der weltweit ehrgeizigsten Programme für den Aufbau Erneuerbarer Energien (EE). Bis 2022 sollen insgesamt 175 Gigawatt EE-Kapazität aufgebaut werden - fast so viel, wie es in Deutschland insgesamt gibt. Die deutsche Entwicklungsbank KfW ist mit mehr als einer Milliarde Euro Kredite am Aufbau von Stromtrassen für Strom aus EE beteiligt.

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