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Welt

In Zukunft mehr Quoten-Fische

Weite Teile der weltweiten Gewässer gelten als überfischt. Das soll sich jetzt dank neuer Quoten für einzelne Fischarten ändern. Das EU-Parlament hat einem entsprechenden Vorschlag zugestimmt.

Alaska-Seelachs-Filet essen die Deutschen besonders gern. Aber auch Hering und Thunfisch landen immer öfter auf dem Teller. Insgesamt werden rund 15 Kilogramm Fisch pro Jahr und Kopf verzehrt, weiß eine Studie der Umweltschutzorganisation WWF. Doch was vielen so gut schmeckt und von Ernährungsexperten als gesund empfohlen wird, ist bedroht. So gelten 47 Prozent der atlantischen Bestände und rund 90 Prozent der Mittelmeerbestände als überfischt.
Die Folgen seien dramatisch, meint Fischerei-Experte Thilo Maack von der Umweltschutzorganisation Greenpeace im Gespräch mit der Deutschen Welle. So würden Fische aus immer weiter entfernten Meeresteilen nach Europa importiert, etwa aus dem Beringmeer zwischen Alaska und Russland. Das störe das gesamte Ökosystem. Wenn EU-Schiffe nun auch vor nicht-europäischen, etwa afrikanischen, Gewässern fischten und in die dort gelegenen Länder exportierten, könnte das die afrikanischen Märkte zerstören.

40 Prozent der Fische ins Meer geworfen

Unterwasseraufnahme: Ein mexikanischer Fischer wirft den Beifang zurück ins Meer Foto: Brian Skerry (WWF)

Abfallprodukt: Ein mexikanischer Fischer wirft den Beifang zurück ins Meer

Nach dem Willen der EU soll jetzt mit der Überfischung Schluss sein. Das EU-Parlament beschloss am Mittwoch (06.02.2013) in Straßburg, die Fangquoten zu reduzieren. Welcher Fisch welche Quote erhält, soll nach wissenschaftlichen Erkenntnissen über deren Bestand festgelegt werden. Auch der Rückwurf vom Beifang soll schrittweise reduziert und ab 2017 komplett verboten werden. Bislang werden etwa 40 Prozent der Fische wieder ins Meer geworfen, um die Fangquoten einzuhalten. Auch "unerwünschte" Fische und Meerestiere, die als wertlos gelten, landen wieder im Wasser. Dabei sind sie meist schon tot.

"Das ist ein großer Erfolg im Kampf gegen die Überfischung der Meere und ein außerordentlich wichtiger Schritt zu einer nachhaltigen EU-Fischerei", meint Thilo Maack. Mit einer angemessenen Fangquote und dem Verbot, unerwünschten Fang im Meer zu entsorgen, würden sich bedrohte Fischbestände, wie zum Beispiel der Nordseekabeljau, erholen können.

Mehr Forschung für verbesserte Netze notwendig

Dabei setzt der Umweltschutz-Experte besonders auf die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Fischerei, die ein Stopp des Beifangs bedeuten könnte: "Eine Alternative, um den Beifang zu verringern und irgendwann ganz zu stoppen, sind veränderte Netze, die die Fische nicht erdrücken." Die ungewollten Fische könnten nach dem Aussortieren wieder über Bord geworfen werden.

Thilo Maack, Meeresbiologe und Fischerei-Experte bei Greenpeace Foto: Axel Kirchhof (Greenpeace)

Thilo Maack von Greenpeace sorgt sich um das Ökosystem

Maack weiß von Fällen, bei denen auf ein Kilo Seezunge aus der Nordsee rund zwölf Kilo Beifang kommen. "Und da ist es auch richtig, dass der Fischer über dieses Rückwurfsverbot gezwungen ist, eine andere Fangmethode zu entwickeln", sagt er.

Von den neuen Regelungen ist eine ganze Industrie betroffen: Rund 84.000 EU-Schiffe sind auf den Meeren unterwegs. Etwa 1600 von ihnen kommen laut Landwirtschaftsministerium aus Deutschland. Insgesamt gibt der Wirtschaftssektor circa 40.000 Menschen in der Bundesrepublik Arbeit. Der Deutsche Fischerei-Verband sieht die anstehenden Veränderungen jedoch positiv.

Fischerei-Verband begrüßt die Regelung

So sagte Medienreferent Claus Ubl der DW: "Erstes Ziel soll sein, Beifang generell zu vermeiden. Und zwar auf der See und nicht, wenn er schon ins Netz geht." Auch er setzt auf die Weiterentwicklung der Netze. Es gebe schon jetzt viele Fischereien mit geringem Beifang, etwa bei den Schwarmfischereien, die Hering und Makrelen abfingen und einen Beifang unter einem Prozent hätten. "Es gibt noch Probleme bei gemischten Fischereien, da sie knapp über dem Boden fangen."

Generell sieht Claus Ubl Europa auf dem richtigen Weg: "2007 sprach die EU davon, dass 94 Prozent der Bestände überfischt sind. Im vergangenen Jahr ist diese Zahl auf 47 Prozent zurückgegangen." Von den erholten Beständen profitiere auch der Fischerei-Sektor, da er auf höhere Quoten hoffen darf.

Niederländisches Fischereischiff Foto: Eric Gevaert (Fotolia)

Besonders in der Kritik: Fangschiffe mit Schleppnetzen, die nah am Grund fischen

Greenpeace-Experte Maack wünscht sich von der Reform vor allem ein umfassendes Umdenken. "Was wir letztendlich wollen, ist ein Paradigmenwechsel in der Fischerei. Wir wollen eine Fischerei, die kleinskalig, handwerklich und regional ist, wo der Fisch, der an der Küste Schleswig-Holsteins gefangen wird, auch in Schleswig-Holstein vermarktet wird." Und wo derjenige, der am nachhaltigsten wirtschaftet, den größten Profit habe.

Doch bevor grundlegende Änderungen eintreten können, muss der EU-Ministerrat die neue Fischereiverordnung billigen. Ein heftiges Ringen wird erwartet, weil es EU-Staaten gibt, denen die Vorschläge von EU-Kommission und Parlament viel zu weit gehen.

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