1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

In Zentralafrika droht ein Flächenbrand

Zwischen dem Tschad und seinem Nachbarland Sudan droht ein Konflikt zu eskalieren. Auslöser der Krise ist unter anderem die Vernichtung und Vertreibung ganzer Volksgruppen in der sudanesischen Provinz Darfur.

default

Rebellen in Darfur

Jahresrückblick 2004 März Darfur

Sudanesische Flüchtlingskinder im Tschad

Die Spannungen zwischen den nordostafrikanischen Ländern Sudan und dem Tschad nehmen zu - nicht nur auf der politischen Ebene, sondern auch militärisch. Auch offiziell beschuldigt der Tschad die Armee des Nachbarstaats, in der nur wenige Kilometer von der Grenze entfernten Stadt al-Geneina Dutzende von Fahrzeugen vorbereitet zu haben, um einen Angriff tschadischer Rebellen vom Sudan aus zu unterstützen.

Schon in der vergangenen Woche kam es zu schweren Gefechten um die Grenzstadt Adre im Tschad, bei denen mehrere hundert Menschen getötet worden sein sollen. Der tschadische Präsident Idriss Deby erklärte daraufhin, sein Land befinde sich im Krieg mit Sudan. Die Regierung rief das Volk des Tschad zur Mobilisierung gegen die sudanesische Aggression auf.

"Feindselige" Beziehung

Inzwischen ist man von diesem harschen Ton zwar etwas abgerückt, doch immer noch bezeichnet die tschadische Führung die Beziehungen zum Nachbarland Sudan als "feindselig". "Die internationale Gemeinschaft soll wissen, dass die Rebellen vom Sudan aus angreifen", erklärt der Sprecher der tschadischen Regierung, Hourmadji Moussa Doumgor. "Die sudanesische Regierung weiß das und sie unterstützt die Rebellen. Für die augenblickliche Situation trägt sie deshalb die Verantwortung."

Die Regierung des Sudan hingegen weist diese Vorwürfe zurück. Die offizielle Erklärung: In Khartum werde niemand zulassen, dass vom Sudan aus Angriffe auf Nachbarländer erfolgten. Vielmehr sei der Tschad offensichtlich nicht in der Lage, die Rebellen im eigenen Land effektiv zu bekämpfen und so die Sicherheitsprobleme selbst in den Griff zu bekommen. "Der Staat Tschad ist mit enormen inneren und militärischen Problemen konfrontiert", sagt der sudanesische Außenminister Lam Kol. Unter anderem habe eine Militäreinheit rebelliert und Unruhe gestiftet, woraufhin die Nationalgarde entlassen worden sei.

Unterstützung von Rebellengruppen

Idriss Deby Präsident von Tschad

Idriss Deby, Präsdident des Tschad

"Die Haltung der sudanesischen Regierung hinsichtlich dieser Entwicklung ist eindeutig: Sie wird keine tschadische bewaffnete Opposition innerhalb der sudanesischen Grenzen dulden", sagt Kol. "Als diese Rebellen unsere Grenzen überschritten haben, forderten wir sie auf, ihre Waffen niederzulegen. Sie haben es aber abgelehnt und kehrten nach Tschad zurück. Das war vor etwa einem Monat." Dann aber habe ein Teil der bewaffneten Opposition im Tschad die Grenzstadt Adre angegriffen. Der Sudan habe mit den Ereignissen im Tschad also nichts zu tun.

Die Krise zwischen den beiden Staaten ist auf das engste mit dem Vertreibungs- und Vernichtungspolitik in der sudanesischen Krisenprovinz Darfur verknüpft. Dort werden unter anderem die Angehörigen der Volksgruppe der Zaghawa ermordet oder vertrieben. Dieser Volksgruppe aber gehören auch der tschadische Präsident und ein großer Teil der politischen Elite im Tschad an. Es ist wahrscheinlich, dass einige der neuen Milizengruppen, die von der Elite im Tschad in den vergangenen Monaten gegründet wurden - gemeinsam mit abtrünnigen Truppenteilen des tschadischen Militärs - im Sudan militärische Operationen durchführen. Fest steht zudem, dass auch die sudanesische Armee ihrerseits Rebellengruppen im Tschad unterstützt, die von Darfur aus operieren.

Streit zwischen den Clans

Immer noch sind geschätzte 200.000 Flüchtlinge aus der sudanesischen Region Darfur in den Flüchtlingslagern im Osten des Tschad in der Region um Abéché. In dieser Region gibt es Bodenschätze. Und es gibt eine Vielzahl von Clans, die sich darum streiten. Das Wasser in der Region ist knapp, der tschadischen Bevölkerung geht es nicht gut. Doch gleichzeitig werden die Flüchtlinge in den Flüchtlingslagern von den internationalen Hilfsorganisationen gut versorgt, das von Dürre geprägte Land gibt für die sesshafte Bevölkerung, die Nomaden und die Flüchtlinge aus dem Sudan nicht genug her.

Auch das schürt den Dauerkonflikt zwischen den beiden Staaten, auch wenn der sudanesische Außenminister das anders sieht. "Die Verantwortung für die Flüchtlinge in den Nachbarländern des Sudan tragen die Vereinten Nationen und das Flüchtlings-Kommissariat", meint Kol." Wie vereinbart, leisten wir für die inländischen Flüchtlinge humanitäre Hilfe." Die Eskalation zwischen den Ländern habe die Lage dieser Flüchtlinge nicht weiter verschlechtert. Dies sei "eine reine Medienkampagne."

Verhärtete Fronten

Eine Lösung soll beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union am 23./24. Januar gefunden werden. Doch die Fronten sind verhärtet, die Bereitschaft zum Kompromiss auf beiden Seiten nicht sehr ausgeprägt. Der tschadische Präsident Deby will verhindern, dass der Gipfel in der sudanesischen Hauptstadt stattfindet. Er fürchtet um sein Amt, denn die Krise hat ihn massiv geschwächt. In den Augen der tschadischen Elite und der führenden Militärs geht der tschadische Präsident nicht entschieden genug gegen Khartum vor. Unbestätigten Berichten zufolge hat es bereits mehrere Putschversuche gegen Deby gegeben. Deby kam 1990 selbst durch einen Putsch an die Macht. Sollte der tschadische Präsident gestürzt werden, droht letztendlich der Rückfall des Tschad in den Bürgerkrieg - und möglicherweise auch eine Verschärfung der Krise in Darfur.

Grund genug für die Afrikanische Union, im Konflikt zu vermitteln. Assan Bah, der Sprecher der Friedens- und Sicherheitskommission der Afrikanischen Union, sagt: "Der Gipfel der Staatspräsidenten der Afrikanischen Union wird wie geplant in Khartum, der Hauptstadt des Sudan, stattfinden. Und das Thema wird dort auf jeden Fall diskutiert werden, wenn wir zuvor keine Lösung finden." Anderenfalls droht das Übergreifen eines politischen und militärischen Schwelbrands auf die gesamte Region - und damit ein Flächenbrand in Zentralafrika.

Die Redaktion empfiehlt