1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Bildung

In zehn Minuten zum Traumjob?

Unternehmen ohne Lehrlinge. Schulabgänger ohne Lehrstelle. Das muss anders werden, sagt die Industrie- und Handelskammer Köln. Und lädt alle Beteiligten ein – zum Speeddating.

Azubi-Speeddating der IHK in Köln: Bewerber am Stand der Brauerei Früh (Foto: Aclewe Werbeagentur)

Gegenseitiges Beschnuppern im Zehn-Minuten-Takt ...

Seriös gekleidet – in schwarzer Hose und weißer Bluse – steht Josefa Heide in der Lounge des Kölner Rheinenergie-Fußballstadions. Unsicher lässt die junge Frau ihren Blick durch den vollen Raum schweifen. Keine Fußballfans in Sicht. Dafür drängen sich angehende Auszubildende mit ihr durch den langen Gang. "Ich suche eine Lehrstelle in den Bereichen Kreativität, Büro oder im kaufmännischen Bereich", sagt die Hauptschulabsolventin. Wie sie sind alle hier auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle.

Vorstellungsgespräch mit Stadionatmosphäre

Wo sonst über Tore gejubelt wird, laden knapp 50 Unternehmen junge Bewerber zum Azubi-Speeddating ein. Im Zehn-Minuten-Takt können sich Unternehmensvertreter und Ex-Schüler beschnuppern. So, wie sonst bei einer Speeddating-Partnersuche. Die Idee zu diesem unkonventionellen Event hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln. Viele Ausbildungsplätze seien deutschlandweit noch frei – deshalb wolle die IHK mit modernen Mitteln das Interesse der Jugendlichen wecken, erklärt Alexander Uhr von der IHK Köln. "Hier kann man einfach herkommen, man muss sich nicht anmelden."

Zum zweiten Mal findet das schnelle Kennenlernen der IHK in diesem Jahr statt. Banken, Versicherungen, Werbeagenturen und Gastronomiebetriebe bieten ihre Ausbildungsplätze feil. Rund 197.000 Lehrstellen sind laut Bundesagentur für Arbeit deutschlandweit noch frei – und selbst in besonders beliebten Bereichen fehlen Auszubildende, zum Beispiel in Banken, Versicherungen, Hotels und Gaststätten. Besonders schlecht sieht es in unbeliebteren Sparten wie dem Handwerk aus.

Azubi-Speeddating der IHK in Köln: Blick in die Lounge des Rheinenergie-Stadions(Foto: Aclewe Werbeagentur)

Mit einem unkonventionellen Event will die IHK das Interesse der Jugendlichen wecken

Gute Aussichten für Bewerber – Kompromisse für Unternehmen

Die Chancen für die jungen Bewerber sind sehr gut, und trotzdem suchten im Mai noch 210.000 Bewerber eine Lehrstelle. Bis zum Ausbildungsbeginn im Spätsommer werden die meisten Bewerber, nach Aussagen der Bundesagentur für Arbeit zwar voraussichtlich eine Stelle gefunden haben. Doch einen Nachteil haben die Unternehmen, die aufgrund des demographischen Wandels Probleme haben, gut qualifizierte Absolventen finden. Denn sie werden gezwungen sein, auch schlechtere Bewerber einzustellen.

Schulabbrecher Fabian sieht darin seine Chance. Mit Charme möchte er seinen fehlenden Schulabschluss wettmachen und eine Stelle als Speditionskaufmann finden. "Das ist hier wirklich sehr gut, dass die Unternehmen sich Zeit nehmen, um Auszubildende zu suchen und denen die Chance geben, hier persönlich vorzusprechen." Ein Blatt Papier sage schließlich nicht viel über einen Menschen aus, findet Fabian.

Der erste Eindruck zählt

Die Ausbildungsstellenvermittlerinnen Marie Hoffmann (links) und Carina Zetzmann von der IHK Köln (Foto: Aclewe Werbeagentur)

Marie Hoffmann (links) und Carina Zetzmann vermitteln Lehrstellen bei der IHK Köln

Der direkte Kontakt, das ist der große Vorteil des Speeddatings. Hier muss sich keiner durch Assessment-Center und schriftliche Bewerbungsverfahren quälen. Die Kandidaten können direkt mit ihrer Persönlichkeit punkten. Dennoch erscheinen viele Jugendliche im Schlabberlook mit Jeans und T-Shirt, statt im seriösen Outfit einen guten Eindruck zu machen.

Gut vorbereitete Kandidaten mit vollständigen Bewerbungsunterlagen kommen bei den Unternehmen natürlich besonders gut an. Sie lernen hier Bewerber kennen, die sie im normalen Bewerbungsverfahren zum Beispiel wegen schlechter Noten nicht eingeladen hätten. Und auch die Bewerber sind in der vertrauten Atmosphäre entspannter, als beim Einzelgespräch in einer unbekannten Firma.

Bianca Attermeyer arbeitet für eine große Brauerei in Köln. Sie zieht nach vielen Bewerbungsgesprächen eine positive Speeddating-Bilanz. "Wir haben schon einige sehr gute Gespräche geführt und sind uns sicher, dass wir den Kandidaten auch einen Ausbildungsvertrag anbieten werden." Gerade im Bereich Gastronomie sei es so, dass mehr Wert auf die Grundeinstellung und das Engagement gelegt werde als auf Schulnoten. Beim Speeddating haben die Kandidaten es deshalb wesentlich leichter als im normalen Bewerbungsverfahren.

Autorin: Nina Treude
Redaktion: Svenja Üing

WWW-Links