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Ostmitteleuropa

In vielen Branchen gern gesehen

- Gastarbeitnehmer aus Südost- und Osteuropa sind gefragte Helfer in Deutschland

Bonn, 15.6.2004, DW-RADIO / Bulgarisch, Roumiana Taslakowa

Man trifft sie in Deutschland meistens in Hotels oder Gaststätten - Gastarbeitnehmer aus Bulgarien, Rumänien, Kroatien und anderen Ländern Südost- und Osteuropas. Seitdem vor mehr als 10 Jahren entsprechende so genannte Gastarbeitnehmer-Abkommen geschlossen wurden, sind in vielen Branchen in Deutschland ausländische Mitarbeiter gern gesehene Fachkräfte auf Zeit. Roumiana Taslakowa hat sich in der zuständigen deutschen Arbeitsvermittlungsbehörde umgehört.

Vorige Woche wurden sie in Sofia interviewt - 300 Bulgarinnen und Bulgaren, die in Deutschland im Hotel- und Gaststättengewerbe arbeiten wollen. In Zusammenarbeit mit dem bulgarischen Arbeitsministerium hat eine Vertreterin der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn ihre Qualifikation geprüft. Jedes Jahr bewerben sich an die 1000 Bulgarinnen und Bulgaren - auch aus den Berufen wie Krankenschwester, Bauern, Automechaniker - um aufgrund eines 1990 geschlossen Abkommens nach Deutschland kommen zu können. Martin Eberth von der ZAV:

"Das Gastarbeitnehmer-Abkommen heißt, sprachliche und fachliche Fort- und Weiterbildung im erlernten Beruf. Z.B. ein Koch oder eine Köchin kann, wenn sie diesen Beruf erlernt haben, zur sprachlichen und fachlichen Weiterbildung hier in Deutschland von uns eine sogenannte Zulassungsbescheinigung bekommen; es ist gleichzusetzen mit einem Arbeitserlaubnisersatz, der sie dann dazu berechtigt, für maximal 19 Monate in der Bundesrepublik tätig zu sein."

Die Bewerber werden - je nach Ihrer Qualifikation - in einem 5-Sterne-Hotel oder auch in einem einfachen Landgasthof eingesetzt. Die deutschen Behörden sorgen dafür, dass sie nicht unter Tarif bezahlt werden:

"Wir können und werden nur eine Arbeitserlaubnis erteilen, wenn zumindest der tarifliche Lohn eines Arbeiters, eines Gesellen im ersten Gesellenjahr erfüllt wird. Das ist von Bundesland zu Bundesland verschieden, aber auch diese Tarifverträge werden von uns auf ihre Einhaltung überprüft."

Die Arbeitgeber werden kontrolliert - betont Martin Eberth, denn die Ausländer, die aufgrund des Gastarbeitnehmer-Abkommen kommen, dürfen nicht als billige Arbeitskraft eingesetzt werden. Und das Abkommen dient auch nicht dazu, Bedarfslücken des deutschen Arbeitsmarktes zu schließen. Fachkräfte aus 13 Ländern Südost- und Osteuropas im Alter zwischen 18 und 40 Jahren können am Gastarbeitnehmerverfahren teilnehmen. Vertreter der ZAV reisen in die Länder und prüfen zusammen mit Kollegen aus den betreffenden Arbeitsministerien, ob die Bewerber den Anforderungen entsprechen. Im Durchschnitt können ein Drittel der Interessenten mit einer Anstellung in Deutschland rechnen. Martin Eberth von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung zieht eine insgesamt positive Bilanz:

"Unsere Erfahrungen mit dem Gastarbeitnehmer-Programm sind eigentlich sehr positiv zu bewerten. Natürlich gibt es immer auch das eine oder andere kleine Problemchen, um das wir uns zu kümmern haben, wobei ich sagen muss, dass dies meistens auf eine mangelnde Qualifikation entweder in sprachlicher oder fachlicher Hinsicht zurückzuführen ist."

Eine mindestens zweijährige betriebliche oder schulische Ausbildung und allgemein befriedigende Kenntnisse der deutschen Sprache sind die wichtigsten Voraussetzung für Arbeitnehmer aus den Ländern Südost- und Osteuropas, wenn sie in Deutschland tätig sein wollen - erklärt Martin Eberth. Die Bewerber, die von der ZAV als geeignet eingestuft werden, können - je nach Qualifikation- innerhalb einer Halbjahresfrist vermittelt werden. Hoch zu bewerten ist - so unterstreicht der ZAV-Vertreter, dass das Gastarbeitnehmer-Abkommen auch für einen gewissen Know-how-Transfer in die betreffenden Länder beiträgt.

Anmerkungen: Gastarbeitnehmer-Abkommen gibt es mit folgenden Ländern: Albanien, Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn.

"Ich selber war in diesem Frühjahr in Rumänien und habe wirklich ganz, ganz positive Erfahrungen gemacht, was die Auswahl unserer Partnerorganisation anging, d.h. es gab eine Vor-Auswahl im Arbeitsministerium in Bukarest, und die Bewerber, die ich dort gesehen und gesprochen habe, verfügten alle über relativ gute Deutsch-Kenntnisse, selbstverständlich im Service über bessere Deutsch-Kenntnisse als jemand, der in der Küche eingesetzt werden möchte. Und auch die fachliche Qualifikation war durchaus so vorhanden, dass wir sie in vernünftige Betrieben vermitteln konnten. In Rumänien hatten wir Interviews mit 150 Personen, d.h. 150 Interessenten, die sich für dieses Auswahlgespräch angemeldet haben, wir haben ca. 100 Personen in die Vermittlung aufgenommen", so Eberth.

Zu Russland muss ich sagen, dass wir jetzt schon längere Zeit keine Auswahlgespräche in Russland durchgeführt haben, da laut unserer Partnerorganisation in Moskau, die uns auch vor kurzem besucht hat, einfach das Interesse der russischen Bewerber nicht so da ist. Und angeblich die Deutsch-Kenntnisse nicht in dem Maße vorhanden seien sollen, dass diese Bewerber von uns akzeptiert werden würden. Das ist eine Aussage unserer Partnerverwaltung, die ich nicht werten möchte. Auf der anderen Seite: die russischen Bewerber, die wir vereinzelt vermitteln, haben auch mich bis dato immer einen sehr guten Eindruck gemacht und das Feedback der Betriebe war dementsprechend gut ausgefallen:

"Zu Kroatien kann ich Ihnen sagen, wir waren gerade erst jetzt in Kroatien. Mein Kollege hat Interviews in Kroatien durchgeführt mit sehr, sehr positivem Ergebnis. Da aber auch jetzt in Kroatien die Saison an der Adriaküste begonnen hat, ist natürlich der Bewerberstrom auch nicht so wie in der Herbstzeiten. Aber ich denke, wir werden auf jeden Fall die Bewerber gut in die Vermittlung platzieren können." (fp)

  • Datum 15.06.2004
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