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Sprachbar

In Treu und Glauben

Ewige Treue schwören sich Liebende vor dem Traualtar, zur Treue verpflichtet ist der Beamte gegenüber dem deutschen Staat und Gesetz. Treue ist also eine hochgeschätzte Eigenschaft. Nur Tomaten sind nicht so.

Musik:

Heinrich Frantzen: "Es war einmal ein treuer Husar"

"Es war einmal ein treuer Husar

Der liebt’ sein Mädel ein ganzes Jahr,

Ein ganzes Jahr und noch viel mehr,

Die Liebe nahm kein Ende mehr…"

So heißt es in einem alten Volkslied, das in Deutschland besonders gerne zur Karnevalszeit gesungen wird. Und hier zeigt sich schon, Treue ist etwas Besonderes, sonst müsste man sie ja nicht so betonen, wenn sie mal da ist.

Trauen, sich zu trauen

Ein Brautpaar mit den Händen auf einem Zylinder

Wir haben uns getraut, uns trauen zu lassen

Von ewiger Liebe und Treue träumen vor allem junge Paare. Damit dieser Wunsch auch in Erfüllung geht, wird er in der Kirche noch einmal als Pflichtprogramm wiederholt – wenn sich die Liebenden entschließen zu heiraten, mit Trauschein und Trauzeuge. Der allseits bekannte und entscheidende Satz im Hochzeits-Treue-Versprechen heißt vor dem Altar "… – bis dass der Tod euch scheidet".

Sprachgeschichtlich gesehen haben Trauen und Treue übrigens dieselben Wurzeln. Trauen heißt ursprünglich fest werden – und treu so etwas wie stark und fest wie ein Baum sein. Heute hat allerdings allein schon trauen gleich zwei Bedeutungen: Zum einen, einmal den Mut zu besitzen, etwas zu tun und zum anderen heiraten. Man könnte also sagen, viele Menschen trauen sich, sich zu trauen. Jedoch trauen sich in den vergangen Jahren auch immer mehr Paare in Deutschland, sich wieder scheiden zu lassen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Treue Seelen und untreue Tomaten

Eine Frau hält einen Hund umarmt

Der Hund, dein treuer Begleiter

Eine treue Seele, eine treue Haut – es gibt viele Begriffe, die ausdrücken, dass ein Mensch dauerhaft Verlässlichkeit zeigt. Dass er da ist, wenn man ihn braucht, dass man auf ihn zählen kann in großen und kleinen Nöten und vor allem über viele Jahre hinweg.

Für außerordentlich treue Freunde hat die Umgangsprache ein ausdrucksvolles Bild parat: sie halten zusammen wie Pech und Schwefel. Eine treulose Tomate dagegen ist ein Mensch, auf den man sich nicht verlassen kann.

Linien- und Staatstreue

Die Aufnahme zeigt die deutsche Mannschaft, mit Hitlergruß zu den ihnen gegenüberstehenden englischen Spielern gewendet, während der englischen, britischen Königshymne vor dem Länderspiel England - Deutschland (3:0) am 04.12.1935 im Londoner Wembley Stadion

Der Hitlergruß: Linientreue selbst im Sport

Nun kann man es mit dem Zusammenhalten allerdings auch übertreiben. Die sogenannte Nibelungentreue drückt aus, dass Menschen bedingungslos an einem einmal geschlossenen Bund festhalten. Diese Haltung der Gefolgschaft um jeden Preis spielte in der Vergangenheit vor allem bei Soldaten eine Rolle, von denen Herrscher absolute Ergebenheit verlangten – eine oft verhängnisvolle Treue, die besonders von den Nationalsozialisten ausgenutzt wurde.

Die damals verlangte Linientreue wurde allerdings auch später von den Mitgliedern der SED-Partei in der DDR gefordert. Linientreue übten keine Kritik an den eigenen Leuten und Prinzipien. Eine weniger strenge Linientreue ist allerdings auch heute noch verbreitet. Sie gilt als selbstverständlich für Mitarbeiter großer Unternehmen. Dass deutsche Beamte zu einer gewissen Staatstreue verpflichtet sind, bedeutet übrigens nur, dass sie für Dienstleistungen bereit sein müssen. Außerdem sollten sie sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes bekennen.

Zu treuen Händen

Ein Tresor

Den Code sollte nur eine vertraute Person kennen

Mit Treuhändern muss man nicht unbedingt gut befreundet sein. Man sollte ihnen aber schon vertrauen können. Treuhänder sind Menschen oder auch Einrichtungen, denen etwas zu treuen Händen übergeben wird. Das soll heißen, sie verwalten etwas im Namen anderer, zum Beispiel Häuser, Maschinen oder ganze Firmen. Berühmt wurde der Name durch die sogenannte Treuhandanstalt, eine Einrichtung, die die früheren staatlichen Betriebe der DDR nach den Grundsätzen der Marktwirtschaft privatisieren sollte.

Von veruntreuen spricht man übrigens dann, wenn Menschen die Gelegenheit missbrauchen, dass ihren treuen Händen etwas überlassen wurde, wenn sie Geld stehlen oder zum Beispiel wichtige Akten unterschlagen. Getreu dem Motto Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, sollte man sich nicht nur Treuhänder sehr genau anschauen, bevor man ihnen etwas überlässt. Die Umgangssprache hält da eine grundsätzlich vernünftige Lebensregel bereit: Trau, schau, wem.

Farben, Buchstaben und die eigene Treue

Gemälde des Reformators Martin Luthers von Lucas Cranach dem Älteren

Er ist sich und seinen Zielen treu geblieben: Martin Luther

Treu bleiben kann man nicht nur anderen Menschen, sondern auch sich selbst. Wer an seinen Überzeugungen und Zielen festhält, auch dann, wenn er sie gegenüber anderen hart verteidigen muss, der ist sich treu geblieben.

Vollkommen ungefährlich ist es, wenn Farben nicht das halten, was sie versprechen – meistens zumindest. Trotzdem ist es natürlich schön, wenn ein Kunstdruck ein berühmtes Gemälde farbgetreu wiedergibt, also weitgehend dem Original entspricht. In anderen Fällen kann Treue aber auch zur übertriebenen Genauigkeit führen. Wenn ein Hausmeister zum Beispiel den Mietern buchstabengetreu die Hausordnung zitiert und jedes auch noch so unwichtige Detail betont, wird er wohl bald als Pedant gelten und von allen gemieden werden.

Mut zur Treulosigkeit

Dass Treue von vielen Menschen als ein hoher Wert betrachtet wird, macht sich übrigens auch die Werbewirtschaft zunutze. Bekam man früher in "seinem" Supermarkt Rabattmarken für die Einkäufe, die in kleine Heftchen geklebt werden konnten, so werden den Kunden heute Treuepunkte versprochen. In diesem Fall empfehlen wir eindeutig und ohne schlechtes Gewissen: Trauen Sie sich untreu zu sein!

Fragen zum Text

Ist jemand beständig zuverlässig, dann ist jemand …

1. treulos.

2. eine treue Seele.

3. getreu.

Keine positive Eigenschaft ist …

1. wie Pech und Schwefel zusammenzuhalten.

2. die Untreue.

3. die Nibelungentreue.

Sich nicht treu geblieben ist …

1. Martin Luther.

2. Nelson Mandela.

3. Judas

Arbeitsauftrag

Treue bedeutet unter anderem Beständigkeit. Menschen, die sich treu bleiben, halten an ihren Zielen und Überzeugungen fest – selbst wenn sie sich hart verteidigen müssen oder sogar bestraft werden. Suchen Sie sich eine Person der Zeitgeschichte, die sich Ihrer Meinung nach treu geblieben ist. Stellen Sie diese Person in einem kurzen schriftlichen Porträt vor und begründen Sie Ihre Meinung.

Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Beatrice Warken

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