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Wirtschaft

In Spanien tickt eine Zeitbombe

Selbst wenn Madrid den Gürtel enger schnallt, wird die Zentralregierung ein Problem nicht los: Die 17 autonomen Regionen haben einen gigantischen Schuldenberg angehäuft.

Der Börsensaal in Madrid (Foto: dpa)

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Spaniens klamme Regionen drohen zu einer Zeitbombe für den Zentralstaat und den maroden Bankensektor des Landes zu werden. Der Schuldenberg aller Regionen von Andalusien bis Katalonien ist Anfang des Jahres auf schwindelerregende 145,1 Milliarden Euro angestiegen - das sind 13,5 Prozent der Wirtschaftsleistung des EU-Landes.

Die Schuldenlawine ist alles andere als ein lokales Problem. Sie droht Banken wie auch den Zentralstaat zu überrollen. Denn viele Institute haben Anleihen der Regionen in ihren Büchern, die ausfallen und damit Milliardenlöcher in die Bilanzen reißen könnten. "Im schlimmsten Fall werden die Bonds nicht mehr bedient - dann müssen die Banken bluten", warnt Spanien-Experte Alessandro Giansanti von der Großbank ING.

Zu lange gezögert

Zugleich hat Regierungschef Mariano Rajoy mit dem lange hinausgezögerten Hilferuf in Brüssel zur Rettung der Banken dem Zentralstaat in gewisser Weise einen Bärendienst erwiesen. Denn die zugesagten Hilfen für die maroden Institute in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro schlagen voll auf die Schuldenstandsquote durch. Sie dürfte bis Ende des Jahres auf 90 Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigen. Diese Aussicht schreckt Investoren ab und lässt Spanien wegen der hohen Risikoaufschläge am Anleihenmarkt bereits als Kandidaten für den großen Euro-Rettungsschirm erscheinen.

Fast ein Drittel des horrenden Schuldenbergs der 17 autonomen Regionen hat mit Katalonien das wirtschaftliche Kraftzentrum des Landes angehäuft. Am Markt muss die katalanische Regionalregierung für zweijährige Anleihen mittlerweile höhere Kapitalkosten schultern, als Investoren von dem von EU und IWF vor der Pleite geretteten spanischen Nachbarn Portugal verlangen.

Da sich auch die Bonität des spanischen Zentralstaats nach der jüngsten Herabstufung durch Moody's nur noch knapp über Ramsch-Status hält, können auch Staatsgarantien die Kreditkosten der Regionen kaum noch schmälern. Ein von Madrid ausgetüftelter Plan, die Regionen mit sogenannten "Hispanobonds" von der Kreditwürdigkeit des Zentralstaats profitieren zu lassen, ist seit Spaniens Herabstufung durch Moody's weitgehend obsolet.

Letzter Ausweg Schuldenschnitt

Die Bonitätswächter von Fitch gehen zugleich davon aus, dass die Schulden der Regionen noch auf 17 Prozent der spanischen Wirtschaftsleistung anwachsen werden. In ihrer Not könnten die Regionen die Reißleine ziehen und ihre Schulden umstrukturieren.

Die Banken müssten als Halter umlaufender Anleihen dabei die stärksten Einbußen verkraften. Zum Bezahlen ihrer Rechnungen sind die Regionen teilweise bereits auf Milliarden-Kredite der staatlichen Agentur ICO angewiesen. Trotzdem bleiben viele Rechnungen zwischen Sevilla und San Sebastian vorerst liegen - von der Straßenreinigung bis hin zu Arzneimittel-Lieferungen.

Doch dieses Durchwursteln können sich die Regionen nicht mehr lange erlauben, wollen sie ihre Glaubwürdigkeit nicht verspielen. Falls der Zentralstaat ihnen nicht helfen sollte und die Regionen teure Bankkredite verschmähen, bleibt ihnen als letzter Ausweg wohl nur noch ein Schuldenschnitt.