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Deutschland

In Sorge um die Väter und Söhne

Die Angehörigen von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stoßen sie mit ihren Sorgen häufig auf Unverständnis. Nicht so bei der Bundeswehr selbst. Sie betreut die Familien, zum Beispiel mit speziellen Veranstaltungen.

Deutscher ISAF-Soldat in Afghanistan (Foto: AP)

250 Angehörige von Bundeswehrsoldaten sind an einem Samstagnachmittag in die General-Olbricht-Kaserne im Leipziger Norden gekommen. Mütter und Väter sind darunter, Großeltern, Ehefrauen und Freundinnen von Soldaten in Afghanistan. Sie alle sind besorgt, weil die Auseinandersetzungen am Hindukusch in den letzten Wochen zugenommen haben. Deshalb hat sie das Familienbetreuungszentrum der Bundeswehr eingeladen, will über die Lage aufklären, beruhigen, informieren. Auch der Psychologe Peter Klytta gehört zum Team. Er beschreibt den gespannten Zuhörern mit ruhigen Worten, wie sie mit der schwierigen Situation und ihrer Ungewissheit über die Lage vor Ort am besten umgehen können.

Unkenntnis bestärkt die Angst

Sorgen, Ängste und Probleme resultieren oft aus Unkenntnis der Welt des Auslandseinsatzes, erklärt der Psychologe. "Deshalb versuchen wir hier, so viele Information wie möglich über die Einsätze zu vermitteln.“ Soldaten berichten wenig später von ihren persönlichen Erfahrungen im Auslandseinsatz, auch das hilft den Angehörigen. "Wir kommen regelmäßig zu den Veranstaltungen“, erzählt eine Besucherin, deren Sohn gerade in Masar é Sharif dient. Nur hier werde sie richtig informiert, die Nachrichten in den Medien griffen leider oft zu kurz. Und die geteilte Meinung in der Bevölkerung über die Auslandseinsätze helfe auch nicht. "Man trifft da auf so viele Barrieren, dass man sich am Ende oft gar nicht mehr traut, überhaupt darüber zu reden.“ Hier auf der Info-Veranstaltung trauen sie sich, weil sie unter Menschen sind, die ihre Ängste und Gedanken teilen.

Rückhalt für die Soldaten

Angehörige von Bundeswehrsoldaten in Leipzig während der Live-Schaltung nach Masar é Sharif, Afghanistan Bild: Thilo Lechner

Per Internet von Leipzig nach Masar é Sharif

Höhepunkt des Nachmittags ist eine Live-Schaltung ins Lager der deutschen Truppen nach Afghanistan. Die Internetverbindung steht, mit etwas blecherner Stimme begrüßt Oberstleutnant Denk die Soldatenfamilien in Leipzig, vor allem im Namen der 460 Soldatinnen und Soldaten, die unter seiner Obhut stehen. Der Kommandeur berichtet, die Lage um Masar é Sharif sei momentan ruhig und weitestgehend friedlich, aber nicht stabil. Etwa 20 Minuten erzählt er von der Stimmung im Lager und dem Alltag der Soldaten in Afghanistan, von der guten Versorgung und bestem Wetter – aber auch vom Druck, physisch wie psychisch, dem die Kameraden tagtäglich standhalten müssen. Die Familien zu Hause seien für die Soldaten im Einsatz der entscheidende Rückhalt, so der Oberstleutnant in seiner Videobotschaft. "Sie sind es letztendlich, die uns die Kraft geben, hier im Einsatz unseren Auftrag auszuführen.“ Gebannt hören die Familien im Saal dem Mann zu, der für das Leben ihrer Söhne und Töchter, Ehemänner und Freunde verantwortlich ist. Nach der Live-Schaltung haben einige Tränen in den Augen.

31 Zentren in Deutschland

Die Bundeswehr betreibt insgesamt 31 Familienbetreuungszentren in Deutschland. Ihre Mitarbeiter sind für die Tausend Sorgen und Nöte der Angehörigen da, egal ob sie Unterlagen für Behörden brauchen, Hilfe bei kaputten Waschmaschinen oder ihrem Auto. Und natürlich auch, wenn sie aus den Medien von Anschlägen erfahren haben, so Hauptfeldwebel Ronny Schmidt. "In letzter Zeit häufen sich die Anfragen besorgter Angehöriger. Doch wir können in den meisten Fällen beruhigen, da wir die Infos zuerst bekommen, wenn irgendwo etwas passiert.“ Etwa 700 Familienangehörige von 650 Soldaten betreut Schmidt mit seinen Kollegen im Moment. Der Kontakt zu ihnen ist freiwillig, über eine Hotline ist das Zentrum 24 Stunden erreichbar. Die Familien nehmen die Hilfe dankbar an, einige durften am Schluss sogar noch fünf Minuten per Video-Schaltung live mit ihrem Angehörigen in Masar é Sharif reden. Danach fahren die meisten zwar schweren Herzens, aber trotzdem etwas beruhigter wieder nach Hause.

Autor: Ronny Arnold

Redaktion: Manfred Böhm