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Kultur

In Rom ist der Theater-Vorhang halb offen

Die katholische Bischofsssynode zu Ehe und Familie nähert sich ihrem Abschluß. An diesem Samstag soll das Treffen zu Ende gehen. Mit welchem Ergebnis, bleibt offen.

"Vielleicht ist es ganz großes Theater, bei dem der Vorhang allerdings halb geschlossen bleibt", fragt sich ein Vatikan-Journalist. Aus dem Mann sprechen Bewunderung und Frust. Was geschieht hinter den Kulissen der Weltbischofssynode? Formieren sich Lager? Streiten Reformer gegen Bewahrer? Konservative gegen Modernisierer? Wer führt Regie, mit welchem Ziel? Dünn ist das Rinnsal der offiziellen Nachrichten. Beim täglichen Briefing ist die Spannung im Pressesaal des Vatikan mit Händen zu greifen.

Vatikansprecher Pater Lombardi ist ein Meister seines Fachs. Mit Grabesruhe dirigiert er das Konzert an Stimmen, Meinungen und Informationen. Lädt heute diesen Kardinal ein, morgen jenen Experten. Mal sind es Befürworter, mal Gegner einer Idee – sie alle kommen gern auf ein Statement in den "Sala Stampa", wo Pater Lombardi Regie führt. Selbst die Auswahl der Fragesteller obliegt ihm. Ein dürrer Wink mit dem Kugelschreiber, ein knappes Kopfnicken, ein Hochziehen der Augenbraue signalisieren dem Saalhelfer, wem das Mikrofon zu reichen ist.

Dirigent des Informationsflusses

Gläubiger mit Bibel in Rom, Foto: Christoph Strack

Warten auf den Ausgang der Bischofssynode und dabei in der Bibel lesen

Die Welt schaut nach Rom und reibt sich die Augen. Das Publikum lechzt nach Informationen. Wendepunkt, Scheideweg – große Vokabeln kursieren. Wird die Bischofssynode die katholische Kirche dauerhaft verändern? Überbrücken die Kirchenoberen die Kluft zwischen kirchlicher Lehrmeinung und dem Leben der Gläubigen? Keiner weiß das – noch nicht. Viele vermuten etwas. Fast alle sprechen aus, was sie denken. Und das ist neu: Die Gesprächskultur rund um das Bischofstreffen wirkt offener, angstfreier als früher. Als Spiritus Rector des Wandels fällt immer wieder ein Name: Papst Franziskus.

Erwartungsvolle Journalisten

So wird derzeit ganz Rom zu einem "Sala Stampa". Bischöfe, Kardinäle, Experten äußern sich auch außerhalb der Synodenaula, wo schon Mikrofone und Notizblocks warten. Meinungen, Bewertungen, Spekulationen, Hoffnungen, Ärger saugen sie auf und verdichten alles zu einer Nachrichtenflut. Die macht kaum klüger. Und so stürzt sich die Journalistenschar, die wegen der Bischofssynode vorübergehend auf mehrere hundert angewachsen ist, auf die Schützlinge Lombardis. Nervosität macht sich breit, wenn einer wie Kardinal Reinhard Marx schon am Freitag zu einer ersten Schlussbilanz der Synode ansetzt. Das Bischofstreffen soll doch erst an diesem Samstag enden. Hinter den Kulissen wird noch erbittert um ein Schlussdokument gerungen. "Wenn wir uns in zehn Jahren wiedertreffen", scherzt der Deutsche, der auch Papstberater ist, "dann können wir uns vielleicht auf die Schulter klopfen und sagen: 'Wir sind dabei gewesen!'" Vorerst bleibt Vatikansprecher Lombardi aber fester Ansprechpartner der Berichterstatter. Ein halboffener Vorhang ist immer noch besser als ein geschlossener.

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