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Kunst

In Potsdam eröffnet das private Barberini-Museum von Hasso Plattner

Die Kunstwelt schaut nach Potsdam. Und sie hat allen Grund dazu: Im historischen Zentrum öffnete jetzt das private Museum Barberini seine Pforten. Ein Kunstmäzen hat sich und der Stadt einen Traum erfüllt.

Hasso Plattner gibt sich überrascht, als er die Journalisten empfängt. "So viele kommen nicht mal zur SAP-Hauptversammlung", sagt er und setzt hinzu: "Ist auch wichtiger hier." Wie viel Geld der milliardenschwere Mitbegründer des Software-Unternehmens SAP in die Rekonstruktion des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Palais Barberini investiert hat, will er nicht verraten. Potsdams historische Mitte aber, zwischen Nikolaikirche, altem Rathaus, Landtag und wiedererrichtetem Stadtschloss, gewinnt mit ihm ein Stück alter Pracht zurück. Friedrich der Große, der Liebhaber römischer Paläste, hätte seine helle Freude.

Außen alt, innen neu - nach gerade mal drei Jahren Bauzeit steht das Barberini nun als moderner Museumsneubau da. Es füllt städtebauliche Lücken. Und es bereichert - selbstredend - die Museumslandschaft im Großraum Berlin: 17 Ausstellungssäle auf 2200 Quadratmetern auf drei Etagen. Diese Räume will das Team um Museumsdirektorin Ortrud Westheider gewinnbringend füllen - mit Werken aus der Sammlung Hasso Plattner und mit Leihgaben internationaler Häuser.

Einladende Geste an die Kunstwelt: Kunstmäzen Hasso Plattner eröffnet in Potsdam ein Privatmuseum für seine Sammlung.

Kunstmäzen Hasso Plattner

Impressionisten zur Eröffnung

Was da auf die Kunstwelt zukommt, lässt schon zum Auftakt staunen. Westheiders Eröffnungsausstellung trägt den Titel "Impressionismus. Die Kunst der Landschaft". Nach acht Themen aufgefächert, versammelt sie die wichtigsten Künstler aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Maler des Lichts, Beschwörer des Augenblicks, deren Kunst die Zeitgenossen verstörte und die Kunst revolutionierte. Die Maler stellten sich gegen die Akademie, gegen die naturalistisch abbildende Salonmalerei.

Von den 92 ausgestellten Werken, darunter von Pierre-Auguste Renoir, Alfred Sisley oder Camille Pissarro, stammen allein 42 von Claude Monet. Er ist der Superstar der Schau, die mal mit Gartenbildern, mal mit Winterlandschaften oder mit Spiegelungen auf Wasserflächen aufwartet. Sie markiert den Weg zur immer freieren Malerei. Denn die Künstler zog es aus der Stadt. Auf freiem Feld, im Wald, am Wasser fanden sie ihre Motive. Sie begeisterten sich für das Spiel des Lichts und die Veränderlichkeit der Farbe. Die Schau gipfelt denn auch in Monets Seerosen-Gemälde, in dem sich Farben und Formen gleichsam auflösen.

So abstrakt Monets Werk, so nah wirken da schon die "Klassiker der Moderne", die das Barberini ebenfalls in einer ergänzenden Ausstellung zeigt. Sie spannt den Bogen von Max Liebermann über Edvard Munch, Emil Nolde und Wassily Kandinsky bis zu Andy Warhol und Gerhard Richter. Die Werke lassen durchblicken, wie breit das Sammlungsinteresse des Mäzens Plattner ist. Seine sammlerische Handschrift aber bleibt unklar. Die Bildlegenden verraten nicht, welche Arbeiten Hasso Plattner gehören.

Internationale Leihgeber

Die Plastik Der Jahrhundertschritt von Wolfgang Mattheuer steht im Hof des Museums Barberini. Foto: picture alliance/dpa/B. Settnik

Die Plastik "Der Jahrhundertschritt" von Wolfgang Mattheuer steht im Hof des Museums Barberini

Ganz anders bei den "Bürgern von Calais", die im lichtdurchfluteten Mittelsaal des Haupttraktes stehen. Gemeinsam mit dem berühmten "Denker", der sich am Boden krümmenden Danaide aus Gips und der Welle aus Marmor kommen diese späten Bronze-Nachgüsse aus dem Musée Rodin in Paris. An namhaften Leihgebern mangelt es dem Museum Barberini schon jetzt nicht: Die Eremitage in Sankt Petersburg zählt ebenso dazu wie die National Gallery of Art in Washington, das Frankfurter Städel oder auch die Kunsthallen in Bremen und Hamburg.

Den Bau des Museums Berberini hat Plattners Stiftung bezahlt. Auch den Betrieb übernimmt sie. Seit Mitte der 1980er Jahre sammelt der SAP-Mitbegründer nach Aktienverkäufen Kunst. Er kauft Werke von Impressionisten, aber auch von DDR-Malern. Sein Kriterium: Die Bilder müssten ihm gefallen, sagt er. Er vertraue ganz auf seinen eigenen Geschmack, beschreibt er seine Leidenschaft. Für das Museum Barberini sollen noch weitere Kunstwerke dazu kommen.

Der Mäzen, der zu den zehn reichsten Männern Deutschlands zählt, erfüllte sich am Tag vor seinem 73. Geburtstag auch einen Traum: Werke aus seiner privaten Kunstsammlung können nunmehr der Öffentlichkeit gezeigt werden. Zur Eröffnungsparty lud er Bundeskanzlerin Angela Merkel ein und seinen Freund, den Microsoft-Gründer Bill Gates.

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