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Wirtschaft

In Libyen winken lukrative Geschäfte

Die Wirtschaftskontakte scheinen vielversprechend zu sein: Deutsche Unternehmen rechnen mit einträglichen Aufträgen aus Libyen - doch sie müssen sich gegen internationale Mitbewerber behaupten.

Befreiungsfeier in Libyen (Foto: ap)

Befreiungsfeier in Libyen

Die Zawia Raffenerie bei Tripolis (Foto: Zara Rahman)

Die Zawia Raffenerie bei Tripolis

Mit seinen großen Erdöl- und Erdgasvorräten gilt Libyen für deutsche Unternehmen als ein Handelspartner mit beträchtlichem Potenzial. Vor allem nach dem Sturz des Gaddhafi-Regimes. Zum einen, sagt Dr. Hans-Peter Merz von der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet, gebe es einen historisch bedingten Investitions-Rückstau. Zum anderen seien durch die kriegerischen Auseinandersetzungen viele Einrichtungen zerstört worden. Daraus resultiere ein großer Aufbaubedarf. Für deutsche Unternehmen besteht somit eine aussichtsreiche Chance, mit Libyen umfangreicher als bisher ins Geschäft zu kommen.

Bei der Vermittlung von Auslandskontakten ist die Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet bundesweit federführend zuständig für die Region Nordafrika und damit auch für Libyen. Bis zum Sturz Gaddhafis führte Libyen jährlich Importwaren im Wert von etwa 25 Milliarden US-Dollar ein. Das Handelsvolumen mit Deutschland belief sich dabei nur auf rund eine Milliarde Euro.

Denn Geschäfte mit dem nordafrikanischen Staat betrieben gerade einmal 40 Firmen. Vor allem große Bau-, Energie und Technologieunternehmen wie Bilfinger/Berger, RWE, Eon, Thyssen-Krupp, Siemens und Wintershall. Aber nach dem Umbruch verspricht sich auch der deutsche Mittelstand profitable Aufträge.

Großer Nachholbedarf

Verteilerkreuz einer Ölleitung: Wintershall ist bereits seit 1958 in Libyen aktiv (Foto: Wintershall)

Verteilerkreuz einer Ölleitung: Wintershall, der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent, ist bereits seit 1958 in Libyen aktiv

Nach Einschätzung von Hans-Peter Merz bringen dabei Unternehmen aus dem Bereich Bauwirtschaft "ausgesprochen gute Voraussetzungen" mit. Das gelte auch für Hersteller von Konsumgütern, da in Libyen selbst bislang so gut wie keine Konsumgüter produziert würden. Darüber hinaus bestehe in Libyen ein großer Nachholbedarf im Kfz-Bereich.

Einsteigen können deutsche Unternehmen nach den Worten von Hans-Peter Merz außerdem bei der Lebensmittelverarbeitung. "Libyen hat durchaus eine ganz interessante Landwirtschaft: Hervorragende Zitrusfrüchte, wunderbare Orangen. Diese Produkte dann marktfähig zu machen für den europäischen Markt wäre durchaus interessant."

Maschinen und Beratung

Das Handelsunternehmen "Müller International" aus Rommerskirchen etwa liefert seit über 20 Jahren Landmaschinen nach Libyen. Von Mähdreschern über Pflanzenschutzgeräte bis hin zu Traktoren. Ein bislang florierendes Geschäft, denn das deutsche Unternehmen bringt außer den Maschinen auch Know-how nach Libyen.

Gerade nach dem Umsturz, betont Geschäftsführer Peter Müller, werde dieses Fachwissen sowohl für die kleinbäuerlichen als auch für die großen Farmen immer wichtiger. Im Rahmen eines Agrar-Consultings beraten Experten aus dem Haus Müller die Libyer vor Ort über effiziente Arbeitsverfahren und Möglichkeiten, die Erträge zu steigern. Was die Neuorganisation der Agrarbetriebe in Libyen betrifft, spricht Peter Müller schon von "fast demokratischen Konstellationen".

Noch mangelt es an Devisen

Obsthändler in Tripolis (Foto: ap)

Die ersten Händler in Tripolis öffnen wieder ihre Geschäfte

Doch bei der Intensivierung des Handels stoßen deutsche Unternehmen wie das von Peter Müller nach wie vor auf Probleme. Da viele Libyer ihr privates Geld aus den Banken im Land abgezogen haben, verfügen die Kreditinstitute nicht über eine ausreichende Kapitaldecke, um Importe zu finanzieren. "Es mangelt", stellt Müller nüchtern fest, "an notwendigen Devisen."

Mit deutschen Unternehmensvertretern, die wie er in Libyen weiterhin tätig sind, steht Müller in ständigem Kontakt. Per E-Mail oder SMS halten sie sich gegenseitig auf dem Laufenden über die aktuelle Entwicklung in dem nordafrikanischen Land. Auch über die Abwicklung von Aufträgen tauschen sich die Unternehmen aus. Meistens geht es um die gleichen Probleme, die auch Peter Müller kennt: "Wir haben kürzlich einen neuen Auftrag bekommen. Aber das Geschäft droht zu scheitern, wegen Schwierigkeiten beim Geldtransfer."

Internationale Mitbewerber

Doch für den Ausbau der geschäftlichen Beziehungen mit Libyen stehen mittelständische deutsche Unternehmen quasi Gewehr bei Fuß. Hans-Peter Merz verdeutlicht das große Interesse anhand eines Beispiels: "Der Wirtschaftsminister ist ja mit einer Transall-Maschine da gewesen - knallvoll mit Unternehmensvertretern. Der hätte auch mit fünf Maschinen fliegen können."

Schließlich ist die internationale Konkurrenz im Raum Nordafrika groß. Dazu gehören etwa China, Frankreich, Italien, Südkorea und die Türkei. Um das Handelsvolumen mit dem neuen Libyen verdoppeln zu können, müssten sich, betont Hans-Peter Merz, die deutschen Unternehmen im Vergleich zu ihren Mitbewerbern auf ihre international anerkannten Stärken konzentrieren.

Etwa auf Nischenprodukte oder Bereiche, bei denen es auf eine Spezialisierung ankomme. Etwa in der Landwirtschaft oder bei sicherheitsrelevanten Teilen in Kraftwerken. Auf Hans-Peter Merz, den für Libyen zuständigen Koordinator deutscher Unternehmen, kommen somit in nächster Zeit noch zahlreiche Sondierungsgespräche zu.

Autor: Klaus Deuse
Redaktion: Klaus Ulrich

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