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Aktuell Asien

In Japan fließt kein Atomstrom

Die Industrienation Japan hat lange auf Kernkraft gesetzt. Jetzt will das Inselreich 70 Tage ohne Atomstrom auskommen. Der letzte noch betriebene Reaktor wurde zu Wartungsarbeiten heruntergefahren.

epa03202357 An undated handout photo provided by Hokkaido Electric Power Co. on 01 May 2012 shows the Tomari nuclear reactor, in Tomari village, Hokkaido, Japan. The power plant will be deactivated on May 5th, according to 30 April, 2012 news reports. The plant located on Japan's Hokkaido Island was the last nuclear plant to remain activated following the March 11, 2011 Fukushima nuclear accident. EPA/HEPCO HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES +++(c) dpa - Bildfunk+++

Japan Atomkraftwerk Tomari

Es ist das erste Mal seit 1970, dass Japan vollständig auf Atomenergie verzichtet. Der Stopp von Atomstrom soll mehr als zwei Monate dauern. In dieser Zeit soll der Meiler im Kraftwerk Tomari auf der Nordinsel Hokkaido gewartet werden, der nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe im vergangenen Jahr noch als einziger in Betrieb war.

Japan als die drittgrößte Industrienation der Welt verfügt über 50 Reaktoren. Bis zur Katastrophe vom März 2011 bezog Japan etwa ein Drittel seines Stroms über die Atomkraft. Durch das Erdbeben und den Tsunami im März 2011 wurde jedoch eine Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima und damit die schwerste Atomkatastrophe seit dem Unfall von Tschernobyl 1986 ausgelöst. Aus Sicherheitsgründen wurden alle Reaktoren bis auf den im AKW Tomari heruntergefahren.

Das Vertrauen in die Kernkraft ist erschüttert

Die Katastrophe von Fukushima hat das jahrzehntelange Vertrauen der Bürger in die Beteuerungen von Staat, Atomindustrie und auch Medien von der Sicherheit der AKW erschüttert und ein grundlegendes Überdenken der Energiepolitik erzwungen. Während Umweltschützer angesichts der vorläufigen Abschaltung des letzten Reaktors schon einen dauerhaften Ausstieg Japans aus der Atomenergie für möglich halten, warnen Staat und Industrie des Landes allerdings vor den Risiken für die Wirtschaft und auch die Umwelt.

Hintergrund der Warnungen: Als Ausgleich für die Abschaltung der Akw muss Japan für die Stromgewinnung auf Energie aus Verbrennungskraftwerken zurückgreifen. Das läßt die Kosten für die Industrie ebenso steigen wie den Ausstoß von Treibhausgasen.

Hinzu kommt: Mit dem Aussetzen der Atomkraft werden Engpässe in der Stromversorgung befürchtet. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) forderte Japan deshalb auf, Reaktoren, die als sicher eingestuft werden, bald wieder in Betrieb zu nehmen. Anderenfalls, so die OECD, könne es durch Engpässe in der Stromversorgung auch zu Produktionsausfällen in der Industrie und damit zu wirtschaftlichen Rückschlägen kommen.

Energieverschwendung im großen Stil

Experten sind sich allerdings sicher: Engpässe in der Stromversorgung drohen nicht nur durch eine Abschaltung der Atomkraftwerke, sondern auch durch eine in Japan besonders ausgeprägte Energieverschwendung. So bringen die Bewohner des fernöstlichen Inselreiches in der schwülen Sommerzeit Millionen von Klimaanlagen zum Rotieren. Viel Strom fressen auch die an so gut wie jeder Straßenecke im Land stehenden Selbstbedienungsautomaten mit wahlweise kochendheißen oder auf Eiseskälte heruntergekühlten Getränkedosen.

haz/gmf (dpa,afp)