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Spurensuche

In einem Krimi verbindet das Kreuz Menschen

Ein Kreuz an einer Kette ist oft nur Schmuck. Aber manchmal hat es eine tiefe Bedeutung, von der Diederich Lüken erzählt.

„Neben der Spur“
Der christliche Glaube gehört für viele Menschen nicht mehr zu ihrem Alltag. Viele sind der eigenen Religion entfremdet und können mit den christlichen Symbolen nicht mehr viel anfangen. Dass sie aber immer noch wirkmächtig sind, wenn auch mehr in scheinbar banalen Alltagssituationen, dafür gibt es Beispiele. Ein solches Beispiel kommt ganz am Rande der eigentlichen Filmhandlung in zwei aufeinander bezogenen Filmszenen vor, die in der Krimireihe „Neben der Spur“ gezeigt werden, und zwar in der Folge „Todeswunsch“. Der wortkarge und häufig aushäusige Kriminalkommissar Vincent Ruiz hat Probleme mit seiner Tochter Nina. Sie verstehen sich einfach nicht mehr. Sie sind sich fremd geworden. Bei einem Treffen in einem Café kommt auch keine Annäherung zustande. Aber am Ende des offensichtlich gescheiterten Gesprächs schenkt der Vater seiner Tochter eine Kette. An der Kette hängt ein Kreuz. Die Tochter nimmt das Geschenk zögernd an. Der Zuschauer hat diese Szene wahrscheinlich längst vergessen, als gegen Ende des Films die Tochter an der Arbeitsstelle ihres Vaters plötzlich wiederauftaucht. Sie hat sich nun doch entschlossen, die Beziehung zu ihrem Vater ganz vorsichtig und leise wiederaufzunehmen. An ihrem Hals hängt die Kette mit dem Kreuz.

Ein Botschafter Gottes

Das kann man kitschig finden. Man kann überdies  beklagen, dass aus dem zentralen christlichen Symbol ein Schmuckstück geworden ist. Und das mit gutem Grund. Das Kreuz war in der Antike ein Instrument, mit dem die römische Justiz Verbrecher und andere missliebige Personen mit einem Foltertod bestrafte. Auch Jesus Christus wurde dazu verurteilt. Dieses Urteil war ein Justizmord. Denn Jesus verstand sich als Botschafter Gottes, handelte im Sinne eines liebenden Gottes und redete darüber mit den Menschen. Gerade das aber fanden viele seiner Zeitgenossen so unerträglich, dass sie ihn kreuzigten. Damit wurde das Kreuz ein gefürchtetes Symbol des schreienden Unrechts, das Menschen einander antun können. Es wurde ein Zeichen der Unversöhnlichkeit, zwischen den Menschen genauso wie zwischen Mensch und Gott. Wo Menschen einander Unrecht tun, ist immer auch das Recht Gottes verletzt. Das gilt gerade für den Menschen, der Gottes Liebe wie kein anderer repräsentierte, für Jesus. 

Das Kreuz ist nicht das Ende

Kein Wunder, dass die Verwandlung des Folterinstruments in einen silbernen Kettenanhänger manch einen aufregt, der an Jesus Christus glaubt. Aber in diesem speziellen Fall liegt die Sache doch ein wenig anders. Die Macher des Films verwenden das Kreuz als Zeichen der Versöhnung zwischen Vater und Tochter – das Wort Vertöchterung ist wohl noch nicht erfunden. Im Zeichen des Kreuzes nähern sich die zwei Menschen einander an, die einander fremd geworden sind. Im Zeichen des Kreuzes wächst langsam neues Vertrauen zwischen ihnen. Aus dem Zeichen der zwischenmenschlichen Grausamkeit ist so ein Zeichen der Versöhnung geworden. So ist schlussendlich auch das Kreuz gemeint, an dem Jesus starb. Es wandelte sich zum Zeichen der Versöhnung zwischen Gott und dem Menschen. Den Ausschlag hierfür gibt die Botschaft von Auferstehung des Gekreuzigten, die das Christentum begründete. Das Kreuz ist nicht das Ende Jesu Christi. Der Apostel Paulus definierte es als notwendige Durchgangsstation auf einem Weg, dessen Ziel es ist, dass sich Gott mit uns Menschen versöhnt. So zeigt das Kreuz Jesu: Obwohl der Mensch fähig ist zu Unmenschlichkeit, bleibt Gott ihm in Liebe verbunden und sucht die Versöhnung mit ihm. Wenn nun das Kreuz in diesem Film ein Mittel wird, Vater und Tochter miteinander zu versöhnen, ist dies näher am christlichen Glauben, als es auf den ersten Blick aussieht. Das christliche Symbol des Kreuzes entfaltet immer noch seine Wirkung.

Pastor Diederich Lüken Stuttgart

Diederich Lüken, Jahrgang 1952, ist Pastor in der Evangelisch-methodistischen Kirche in Stuttgart-Bad Cannstatt. Er wurde in Veenhusen/Ostfriesland geboren, studierte Theologie in Münster, Reutlingen, Tübingen und Marburg. Seine beruflichen Stationen führten ihn nach Essen, Bebra, Velbert, Stuttgart-Weilimdorf (Rundfunkarbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche) und Stuttgart-Bad Cannstatt. Er ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.