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Welt

In eigener Sache: DW-Korrespondent im Tschad braucht Hilfe

Sieben Wochen Haft zehren an ihm, DW-Mitarbeiter Eric Topona ist im Untersuchungsgefängnis an Malaria erkrankt. Die tschadischen Behörden lassen ihn auf dubioser Rechtsgrundlage hinter Gittern schmoren.

Claus Stäcker verantwortet die Afrika-Programme innerhalb der Multimediadirektion Regionen

Claus Stäcker verantwortet die Afrika-Programme der DW

Während auf dem Globalen Medienforum die BOB Awards verliehen werden und über die Freiheit der Medien diskutiert wird, hat das Schicksal unseres eigenen Mitarbeiters, Tschad-Korrespondent Eric Topona, eine dramatische Wendung genommen: Seit sieben Wochen sitzt der 29-Jährige im berüchtigten Untersuchungsgefängnis Amsinene am Rande der Hauptstadt N'Djamena und klagte zuletzt über grippeähnliche Symptome. Behandelt wurde er mit Paracetamol. Sein Vater hatte den Verdacht, es könne sich um Malaria handeln. Das hat sich nun bestätigt: Eric Topona hat sich in der Gemeinschaftszelle mit Malaria infiziert und braucht dringend Medikamente.

Der Journalist war Anfang Mai als "Zeuge" einbestellt und auf der Stelle festgenommen worden. Er habe mit "subversiven Schriften" im Internet die "Verfassungsordnung der Republik Tschad gefährdet", erklärte ihm der Richter. Ein Tatbestand, der mit lebenslanger Haft bestraft werden kann. Vier Wochen dauerte es dann aber, bis Topona überhaupt zu den Vorwürfen vernommen wurde. Der zuständige Untersuchungsrichter war verreist und konnte den Fall angeblich nicht abgeben, so die offizielle Begründung. Als die Vernehmung Anfang Juni endlich stattfand, kam leise Hoffnung auf. Toponas Anwalt beantragte die vorläufige Freilassung, Fluchtgefahr besteht ja wohl nicht. Die Vorwürfe stehen ohnehin auf dünnem Eis. Bei der Vernehmung wurde Topona dem bereits seit März inhaftierten Blogger Jean Etienne Laokolé gegenüber gestellt, um die Herkunft der inkriminierten "subversiven Schriften" herauszufinden. Von Topona stammen sie nach eigener Aussage nicht. Die beiden kennen sich nicht, so Topona. Und sie hätten auch nicht per Mail in Kontakt gestanden, wie es ihnen offenbar vorgeworfen wird.

Die "Gegenüberstellung", so darf man nach den vorliegenden Informationen vermuten, ging aus wie das Hornberger Schießen. Im Deutschen bezeichnet man damit bekanntlich ein großes Getöse um Nichts. Seinerzeit in Hornberg waren die Schützen nicht mehr schussfähig, sie hatten all ihr Pulver verschossen.

Der Antrag auf Freilassung wurde nach DW-Informationen noch immer nicht bearbeitet. Ein Appell von DW-Intendant Erik Bettermann, Topona sofort freizulassen, wurde ebenso ignoriert wie ein Bittgesuch an den Justizminister, das der Deutsche Botschafter persönlich überbrachte. Plötzlich, so die offizielle Auskunft, konnte der Untersuchungsrichter den Fall doch abgeben, er musste es sogar: Angeblich wegen einer "Umpositionierung im Justizwesen". Das führe zu Verzögerungen - Rechtsstaatlichkeit à la Tschad. Bislang konnte Topona noch versorgt werden und Besuch empfangen. Doch vor wenigen Tagen wurde sogar der EU-Botschafterin im Tschad eine Besuchserlaubnis bei ihm kurzfristig wieder entzogen. Und auch sein Vater schweigt plötzlich. Wir müssen vermuten, dass erheblicher Druck auf ihn ausgeübt wird. Die tschadische Justiz spielt Katz und Maus mit dem DW-Korrespondenten, mit rechtsstaatlichen Prinzipien, mit der Pressefreiheit.

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