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Kultur

In Deutschland das Lernen lernen

Zum ersten Mal sind afghanische Schüler nach Deutschland gekommen - und erleben völlig anderen Unterricht. Lernen am Computer, selber malen: All diese Ideen wollen sie mitnehmen in ihre Heimat.

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Bald mit Computer: Deutscher Unterricht ist Vorbild für Afghanistan

Ahmad Farhads Gesicht ist vernarbt. Im Krieg, sagt er, seien drei seiner Brüder und er selbst verletzt worden. Mehr erzählt er nicht, blickt kurz ernsthaft in die Ferne und lächelt dann unvermittelt, wechselt das Thema. Dieser Austausch, sagt er, sei ein Wunder. Ahmad ist 19 Jahre alt und besucht in Kabul die Amani-Oberrealschule. Seit dem 21. August 2004 ist er in Deutschland, nimmt mit 18 weiteren Jugendlichen am ersten deutsch-afghanischen Schüleraustausch teil. Bis zum 8. September bleiben sie noch.

Jungen und Mädchen zusammen

"Dass wir hierher gekommen sind, bedeutet, dass Jungen und Mädchen gleich sind", sagt die 18-jährige Atifa Formuli - ein junges Mädchen in einem schlichten schwarzen Anzug, deren wunderschöne grüne Augen unter dem Kopftuch hervorblitzen. In Kabul gehen Jungen und Mädchen nur die ersten beiden Jahre zusammen zur Schule, dann trennen sich ihre Wege. "Und hier", sagt Atifa, "reden wir nun miteinander".

Die Amani-Oberrealschule in Kabul

Die Amani-Oberrealschule in Kabul

Sie ist Schülerin des Aische-e-Durani-Mädchengymnasiums, das wie die Amani-Oberrealschule vom Auswärtigen Amt gefördert wird und Deutsch als Unterrichtsfach anbietet. Die fleißigsten Jungen und Mädchen beider Schulen, erklärt der 16-jährige Masih ullah Hamkar, durften nach Sachsen reisen, in Gastfamilien leben und sich einen Eindruck vom deutschen Schulalltag verschaffen: "Die Jungen mit den langen Haaren, mit den Ohrringen, das war ganz besonders. In Afghanistan gibt es viel weniger Jungen mit Ohrringen oder langen Haaren. Und die Kleidung von den Mädchen ist auch ganz anders." Die Disziplin in der Schule gefällt Masih allerdings nicht so gut.

Nicht nur auswendig lernen

Die afghanischen Schüler und Schülerinnen, die Kabul zusammen mit 60 anderen in einem Klassenzimmer sitzen und bei Ungehorsam durchaus mal eine Ohrfeige kassieren, wollen vor allem eines: lernen. Damit sie später ihren Anteil zum Wiederaufbau des Landes leisten können. Weshalb sie sich in Deutschland natürlich gerne und manchmal auch staunend schöne Gebäude, all das Grün, Geschäfte, Autobahnen und Züge angesehen haben, aber vor allem neugierig waren auf moderne Lehrmethoden.

"Das war eine Überraschung für mich, dass hier die Schüler in verschiedene Klassenzimmer gehen und lernen", sagt Mohammed Feisal. Der Unterricht sei sehr modern, mit Computern und Technik: "Die Schüler können alles sehen, also nicht nur im Buch nachlesen, sondern sie können etwas sehen und lernen. Das war für mich eine Überraschung. Weil ich in Afghanistan nichts gesehen habe, um zu lernen. Ich habe nur die Bücher gelesen und auswendig gelernt."

Vorbild Deutschland

Unterricht im Gymnasium

In Deutschland lernen Schüler eher eigenverantwortlich - das fiel den afghanischen Gästen auf

Wenn sie wieder in Afghanistan sei, sagt Atifa, dann werde sie dem Bildungsministerium und jedem anderen erzählen, wie die Schüler in Deutschland arbeiten. Dort hätten sie zum Beispiel zusammen Musik gehört und, davon angeregt, Bilder gemalt. Sie habe erst gedacht, das sei schwer, aber es habe funktioniert. Sich selbst etwas zu überlegen, das sei neu gewesen.

"Und ich habe gesehen, dass in Deutschland jeder eigenverantwortlich arbeitet. Und so ist ihr Land schön und sauber geworden. Und wenn wir zurückgehen, werden wir allen erzählen, dass wir unser Land auch so machen."

Der Traum vom Studium

Um dabei helfen zu können, wollen viele der Schüler und Schülerinnen aus Kabul studieren. Am liebsten in Deutschland, sie hoffen auf entsprechende Unterstützung. Es spiele keine Rolle, dass sie aus einem anderen Kulturkreis komme, sagt Atifa: Sie seien doch alle Menschen.

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