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Kultur

In Deutschland angekommen - Jüdische Gemeinde in Frankfurt wächst

Auf gepackten Koffern sitzen. Jahrzehntelang war dies das Symbolbild für die Stimmung unter vielen Juden in Nachkriegsdeutschland. Die Zeiten haben sich aber geändert - die meisten Juden wollen für immer bleiben.

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Plakat zu den Jüdischen Kulturtagen in Berlin

Die Jüdische Gemeinde in Frankfurt ist eine der ältesten in Deutschland und mit 7160 Mitgliedern eine der größten. Das war schon vor dem Zweiten Weltkrieg so. Doch die Frankfurter Juden von heute sind nicht die gleichen. Die meisten sind Jahrzehnte nach dem Holocaust hierher gekommen.

Im Ostblock unterdrückt

Es waren mehrheitlich vereinzelte Juden aus Osteuropa, die in den Westen wollten, denn die Politik der Sowjetunion war antisemitisch ausgerichtet. Seit den frühen 60er Jahren galt sogar ein Ausreiseverbot für auswanderungswillige Juden. Auch in Polen, Tschechien und in den Baltischen Ländern konnten Juden ihren Glauben nicht offen praktizieren. Die Menschen, die trotzdem emigrieren durften, waren entwurzelt.

Auf der Durchreise in Deutschland

Sie wollten weiter nach Amerika oder Israel, erklärt Alexa Brum, Leiterin der Isaak Emil Lichtigfeld-Schule im Philanthropin in Frankfurt. Dann fanden sie Arbeit hier und sind so hängen geblieben. Angekommen waren sie deshalb längst noch nicht. Viele blieben lange auf gepackten Koffern sitzen, voller Mißtrauen, immer in der "Hab-Acht-Stellung", bereit weiter zu fliehen. Das änderte sich schlagartig mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Anfang der 1990er Jahre wollten Hundertausende russischer Juden nur weg aus dem ehemaligen sozialistischen Riesenreich.

Wieder auf der Flucht

Nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten wurden jüdische Emigranten aus den ehemaligen GUS-Staaten als Kontingentflüchtlinge anerkannt und in der Bundesrepublik aufgenommen. Bis 2003 stieg die Zahl der Mitglieder jüdischer Gemeinden durch Zuwanderung von etwa 30.000 auf 102.000. Aber die meisten Juden sprachen kein Deutsch, viele praktizierten ihre Religion gar nicht und wir waren als Integrationshelfer gefordert, erinnert sich Alexa Brum.

Deutschland Frankfurt Schulleiterin Alexa Brum

Alexa Brum, Leiterin Jüdische Schule im Philantropin

Vorbild für gelungene Migration

Ein Drittel der Kinder an der Jüdischen Schule im Philanthropin in Frankfurt am Main kommt aus den GUS-Ländern, ein weiteres Drittel ist nicht jüdischen Glaubens. Das ist kein Zufall. Die Jüdische Gemeinde als Träger der Schule will, dass den jüdischen Kindern bewusst wird, dass sie in einer nichtjüdischen Welt leben. Sie setzt damit die Tradition der Mitglieder der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt fort, die vor dem Holocaust in Deutschland lebten.

Deutschland Frankfurt Jüdische Schule Lichtigfeld-Schule im Philantropin

I.E. Lichtigfeld-Schule im Philantropin, Frankfurt/Main

Jude und Deutsch sein ist möglich

Sie förderten die Herausbildung der jüdischen religiösen Identität einerseits und gleichzeitig die deutsche nationale Identität. Das alte Ideal, gleichzeitig Deutsch und Jude zu sein wird nun weiter verfolgt. Die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt wollen aber noch mehr. Sie wollen sich gesellschaftlich engagieren, eine multikulturelle Gesellschaft mitgestalten. Daher haben sie sich für den Bau einer Moschee in der Stadt stark gemacht.

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