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Die Türkei nach dem Putsch

In der Türkei gesucht: "Imam der Luftwaffe"

Für die türkische Regierung ist klar: Hinter dem Putschversuch im Sommer 2016 steht die Gülen Bewegung. Einer ihrer Köpfe soll in Deutschland sein. Das berichten türkische Medien. Ankara fordert nun Aufklärung.

Türkei Tageszeitung Yeni Safak zu Adil Öksüz (Imago/Zumapress/A. Gocher)

"Putschist" Adil Öksüz in Deutschland: Das suggeriert die regierungsnahe türkische Zeitschrift Yeni Safak

Adil Öksüz sieht müde aus: Trotz des dunklen Teints zeichnen sich die Augenringe in seinem Gesicht deutlich ab. Auf den Fotos, die seit Mitte dieser Woche im Internet kursieren, wirkt der 50-Jährige Theologe abgeschlagen, zermürbt, entkräftet. 

Die Bildunterschriften, die sich unter den Fotos finden, sparen nicht mit herabwürdigenden Bezeichnungen: "Terrorist", "Mörder", "Verräter" sind nur einige der Titulierungen, die sich auf Türkisch, Englisch und Deutsch im Netz finden lassen. Auf Twitter findet sich sogar ein zweifelhafter Steckbrief des bisher nicht rechtskräftig verurteilten Verdächtigten.

Die Schmähungen der meist regierungsnahen Websites, Zeitschriften und Twitter-Accounts verwundern nicht. Die türkische Regierung sieht in Adil Öksüz einen der führenden Köpfe des Putschversuches vom 15. Juli 2016, in dessen Verlauf 250 Menschen starben.

Verhaftung und Freilassung

Für offizielle Stellen in Ankara ist die Sache klar: Die Gülen-Bewegung steht hinter dem Putschversuch. Schenkt man türkischen Medienberichten Glauben, soll Öksüz unter anderem Gülen-Anhänger in der Luftwaffe angeleitet und in der Putschnacht vom Luftwaffenstützpunkt Akinci nordwestlich der türkischen Hauptstadt koordiniert haben. Dieser Ort galt als zentraler Koordinierungsstelle der Putschisten.

Türkei Kundgebung Jahrestag Putschversuch in Ankara (Reuters/Presidential Palace/Y. Bulbul)

Kundgebung am 16. Juli 2017 zum Jahrestag des Putschversuchs in Ankara

In den türkischen Medien wurde Öksüz daraufhin der Spitzname "Imam der Luftwaffe" verpasst. Noch in den Morgenstunden des 16. Juli 2016 wurde der "Imam" nahe des Luftwaffenstützpunktes von Sicherheitskräften aufgegriffen. Nach eigenen Angaben war er dort "auf der Suche nach neuen Immobilien." Auf Anordnung eines Staatsanwaltes wurde er freigelassen. Die Gründe dafür sind bis heute nicht geklärt. Seitdem ist er auf der Flucht.

Öksüz angeblich in Deutschland 

Regierungsnahe türkische Zeitschriften berichten nun, dass sich Öksüz in Deutschland aufhält. Unter anderen schreibt "Yeni Safak", dass die Behörden in Baden-Württemberg Öksüz eine Aufenthaltsgenehmigung erteilt hätten. Zudem sei er in Frankfurt und in Ulm gesehen worden. 

Die türkische Regierung wurde aktiv. Sie bat in einer "diplomatischen Note" die Bundesregierung um Aufklärung. Doch weder das Außenministerium in Berlin, noch das Innenministerium in Baden-Württemberg wollten bestätigen, dass sich Öksüz tatsächlich in Deutschland aufhält.

Mammutprozess gegen fast 500 "Putschisten"

Würde Öksüz von den türkischen Behörden gefasst, müsste er wohl mit einer langen Haftstrafe rechnen. Unter großer medialer Aufmerksamkeit hatte Anfang August der Prozess gegen mutmaßliche Putschisten vom vergangenen Jahr begonnen. Insgesamt müssen sich fast 500 Angeklagte in dem Mammutprozess verantworten.

Turkei Ankara - Angeklate werden zu Gericht gebracht (picture-alliance/abaca/Mustafa K.)

Großes Medienspektakel: Anfang August werden mutmaßliche Putschisten in Ankara zum Gericht gebracht

Neben Öksüz sind sechs weitere Angeklagte auf der Flucht, darunter auch der Anführer der Gülen Bewegung, Fetullah Gülen. Gülen lebt seit Ende der Neunziger Jahre in den USA im Exil. Er bestreitet jede Verwicklung der Bewegung in den Putschversuch.

Der Säuberungswelle tut das keinen Abbruch. Seit dem vergangenen Jahr sind rund 100.000 Menschen aus dem Staatsdienst entlassen worden. Mehr als 50.000 Menschen wurden inhaftiert.