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Deutschland

In der Statistik angekommen

"Kind, streng Dich an! Lerne was, dann wirst Du was!", fordern um die Zukunft ihrer Kinder besorgte Eltern. Doch lohnt Bildung wirklich? Eine Studie zeigt, dass auch das Abitur immer häufiger in Arbeitslosigkeit führt.

** ARCHIV ** Ein Mann laeuft hinter einer Glasscheibe mit dem Logo der Agentur fuer Arbeit in Muenchen vorbei. Quelle: AP

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat den Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Schulabgängern untersuchen lassen. Das jetzt vorgestellte Ergebnis offenbart, dass nicht einmal mehr das Abitur vor Arbeitslosigkeit schützt. So hätten sich im August dieses Jahres deutlich mehr frischgebackene Abiturienten arbeitslos gemeldet als im gleichen Monat 2008. Die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe sei um fast ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr angestiegen.

DW-Grafik: Anstieg der Arbeitlosigkeit bei Schulabgängern

Die Erwerbslosigkeit bei Hauptschulabsolventen liegt danach um fast 11 % über dem des Vorjahrs. Einen nur halb so großen Anstieg gab es bei jungen Menschen mit Realschulabschluss zu verzeichnen. Folgt man dieser Statistik, müsste man jungen Menschen allerdings raten, eine Schule gar nicht erst zu betreten, denn bei denen ohne jeden Schulabschluss liegt der Anstieg der Arbeitslosigkeit mit fünfeinhalb Prozent vergleichsweise niedrig.

Die "Generation Praktikum" taucht in der Statistik auf

Folgt daraus, dass das Abitur nur der erste Schritt in die Arbeitslosigkeit ist? Die Zahlen der DGB-Studie sind jedenfalls nicht so eindeutig, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Wilhelm Adamy, Arbeitsmarktexperte beim DGB, erläuterte im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk die veröffentlichten Zahlen. So fielen unter die Rubrik "Abitur" nicht nur jene, die in diesem Sommer ihr Abitur gemacht hätten. Vielmehr stellten die 25 – 35-jährigen einen großen Teil dieser Gruppe. Das sei die "Generation Praktikum", die jetzt in der Statistik auftauche, so Adamy. Diese jungen Menschen wären zwar bislang in Beschäftigung gewesen, aber eben nur schlecht entlohnt und befristet angestellt. Nun liefen ihre Praktika aus und sie müssten sich arbeitslos melden.

Aktenschrank mit Erstanträgen auf Bewilligung des Arbeitslosengeldes Quelle: dpa

Wo die Arbeitslosigkeit verwaltet wird: Aktenschrank in einer Berliner Arbeitsagentur

Ebenfalls gegenüber dem Bayrischen Rundfunk äußerte sich auch die "Bundesagentur für Arbeit" (BA) in Nürnberg. BA-Pressesprecherin Ilona Mirtschin sagte, die Zahlen, die der DGB erhoben hat, seien nicht repräsentativ. Der Zeitraum sei falsch gewählt. Gerade im August seien viele frischgebackene Abiturienten auf Jobsuche. Einige Wochen später hätten sie aber entweder einen Ausbildungsplatz gefunden oder würden ein Studium beginnen. Im September oder spätestens im Oktober sei die Zahl der arbeitslos gemeldeten Schulabgänger mit Abitur erfahrungsgemäß deutlich niedriger.

Bei den Lehrstellen sieht es freundlicher aus

Dagegen hat sich die Lage auf dem Lehrstellenmarkt in Deutschland auch in diesem Jahr entspannt. Am Dienstag (13.10.2009) veröffentlichte die "Bundesagentur für Arbeit" ihren Lehrstellenbericht.

Auszubildende im Grundlehrgang für Kfz-Mechatroniker bei der Arbeit Quelle: :Nestor Bachmann ZB

Auf dem Lehrstellenmarkt ist die Zahl der Stellen höher als die der neuen Bewerber.

Danach gibt es in diesem Jahr, wie bereits im Vorjahr, mehr Lehrstellen als Bewerber dafür. Die BA führt dies zum einen darauf zurück, dass sich mehr junge Leute für ein längeres Lernen entschieden und sich um einen höheren Schulabschluss bemühten. Vor allem aber drängten jetzt die geburtenschwachen Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt, die Nachfrage nach Lehrstellen sein schlicht nicht mehr so hoch wie in den vergangenen Jahren.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hält diese Einschätzung allerdings für "zynisch". Der DGB verweist darauf, dass in Deutschland noch immer anderthalb Millionen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren lebten, die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Das ist etwas jeder siebte in dieser Altersgruppe. Die Zahlen der BA seien "geschönt", sie berücksichtigten nicht jene, die in den vergangenen Jahren keine Lehrstelle hatten finden können und die immer noch erwerbslos sind.

Autor: Dirk Kaufmann

Redaktion: Manfred Böhm