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Deutschland

In der Schaltzentrale des Mali-Einsatzes

Bundeswehr-Soldaten sind im Krisenland Mali als Ausbilder im Einsatz. Koordiniert wird das nicht in Bamako, sondern in der Brandenburger Kleinstadt Geltow. Hier hat man beste Verbindungen - nicht nur nach Mali.

Im kleinen Städtchen Geltow bei Potsdam ist das westafrikanische Krisenland Mali nicht weit. Allerdings gilt das nur für all jene, die hinter zwei dicken Stahltüren im Operationszentrum des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr arbeiten. Im Ernstfall sitzen dort etwa 40 Soldaten hinter Computerbildschirmen, den Blick auf übergroße Leinwände, Lagebilder und Informationen aus den Operationsgebieten gerichtet. Auf einer Landkarte Malis sind Truppenbewegungen zu sehen, die per Satellit beinahe in Echtzeit nachverfolgt werden.

Wenn es etwas wirklich Neues gibt, wird laut gerufen

Oberstleutnant Dietmar Brückner im Kontrollzentrum - Foto: Richard Fuchs (DW)

Oberstleutnant Brückner: an diesem Tag der Chef im Kontrollzentrum

Oberstleutnant Dietmar Brückner ist Leiter der Tagschicht an dem Ort, von dem aus alle Bundeswehreinsätze weltweit gesteuert werden. Derzeit hat er ein besonderes Auge auf Mali, wo Anfang April die EU-Mission EUTM mit der Ausbildung malischer Soldaten begann. Rund 200 EU-Ausbilder werden malische Soldaten schulen. Deutschland beteiligt sich an der Mission derzeit mit 40 Soldaten und stellt zudem 40 Sanitäter. Die beiden Mali-Mandate des Bundestages erlauben den Einsatz von insgesamt 330 Bundeswehrsoldaten.

Ob Flugzeuge pünktlich landen und Absprachen bei der Truppenverlegung eingehalten werden, das weiß Brückner als Erster. Wichtige Meldungen ruft er laut durchs Kontrollzentrum. "Dann sind alle gleich auf dem Stand", sagt der Leiter des Zentrums und überfliegt eine neue Nachricht aus dem Einsatzgebiet. Weil er selbst lange Jahre bei Auslandseinätzen der Bundeswehr auf dem Balkan gedient hat, liest er die Nachrichten der Kameraden mit Bedacht. "Derjenige, der zum Beispiel in einem Graben oder einem feuchten Zelt sitzt, der hat ein anderes Lagebild als wir hier. Das muss man immer im Kopf behalten."

Karte Auslandseinsätze der Bundeswehr - DW-Grafik: Olof Pock

In 13 Ländern ist die Bundeswehr im Frühling 2013 im Einsatz. Geführt werden alle Einsätze aus der Zentrale in Geltow bei Potsdam

Sich in die Lage der Soldaten einfühlen können: Das ist auch für Oberstleutnant Jens Konrad wichtig. Er hat an 14-Stunden-Arbeitstagen dafür gesorgt, dass genau so viele Soldaten und Materialien in Mali ankommen, damit die Ausbildung malischer Rekruten jetzt beginnen kann. Was jetzt in weniger als 16 Wochen angeschoben werden musste, dafür bleibt ihm normalerweise mindestens ein Jahr.

Oberstleutnant Jens Konrad - Foto: Richard Fuchs (DW)

Oberstleutnant Konrad: Nur vier Monate Zeit, um die Mision zu organisieren

"Jemand der reinkommt und nicht Bilder vor Augen hat, wie Bundeswehr im Inland und Ausland funktioniert, der wäre mit dieser Aufgabe schnell überlastet“, sagt Konrad. Allein das Training von Soldaten, die bisher noch nie gemeinsam im Einsatz waren, kann Wochen dauern, sagt er.

"Wir können selten quasi ins Regal greifen bei einem Truppensteller und sagen, dieses Batallion nehmen wir." Was Chefkoordinator Konrad besonders zu schaffen macht, das sind die vielen Unwägbarkeiten bei der Planung. Wie gut werden die malischen Rekruten, die von den anfangs Bundeswehrausbildern betreut werden, ausgerüstet sein?

"Es gibt keine Infektionskrankheit, die es in Mali nicht gibt"

Mehr planen, damit nachher weniger schiefgehen kann: Auch für Dirk Stoelten gehört das zum Alltag. Der Bundeswehrarzt koordiniert alles, was von den Soldaten in Mali an medizinischer Versorgung benötigt wird. Besonderes Augenmerk legt der medizinische Chefplaner darauf, dass kein Soldat ohne die notwendigen Impfungen und Vorkehrungen ausreist. Denn es gebe keine Infektionskrankheit, die es in Mali nicht gebe.

Mediziner und Sanitäts-Koordinator Dirk Stoelten - Foto: Richard Fuchs (DW)

Dirk Stoelten: Mediziner und Sanitäts-Koordinator

"Mali ist eines der Länder mit der höchsten Malaria-Gefahr und es hat viele andere gefährliche Virus-, Infektionserkrankungen und Fieber, die die Menschen da unten sehr betreffen, vor denen unsere Soldaten aber natürlich geschützt werden müssen."

In zwei Erkundungsmissionen haben Stoeltens Mitarbeiter Anfang des Jahres Krankenhäuser inspiziert, um nach Beratungen mit den verbündeten Armeen aus Frankreich, Österreich und Ungarn zu bestimmen, wer was mitbringt. 40 Sanitäter und Mediziner sind jetzt dabei, ein funktionstüchtiges Luftlandelazarett in Mali aufzubauen, 160 Tonnen Material werden dafür verflogen.

Wir nehmen das mit, was in Deutschland in jeder Notaufnahme stehen würde oder was dort in jedem Operationssaal steht." So soll selbst im Fall von Selbstmord- oder Bombenanschlägen zumindest die medizinische Notversorgung gewährleistet sein.

Doch selbst wenn im besten Fall alles reibungslos funktioniert, haben die Planer im Einsatzführungskommando noch längst keinen Feierabend. Denn nach vier Monaten werden die Soldaten ausgetauscht und in Geltow geht der Abstimmungsprozess von vorne los.

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