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Europa

In der Puppenwerkstatt

Über 100 Werkstätten von Weihnachtsschmuck- und Holzspielzeugmachern gibt es in Seiffen. Die Tradition des Kunstdrechselns reicht hier bis 1650 zurück. Auch heute noch ist der Beruf des Holzspielzeugmachers sehr beliebt.

In der Puppenwerkstatt; Foto: Lydia Heller

Alles dreht sich nur ums Holz

Auf dem Stundenplan steht am Montagmorgen Kunstdrechseln. In der Holzspielzeugmacher- und Drechslerschule Seiffen im Erzgebirge kriecht den Schülern feiner Holzstaub in die Nase. Isabell Göhler steht an einer Drehbank und drückt scharfe Meißel in armdicke, achteckige Kanthölzer. Daraus würden beispielsweise Engel und Bergmänner, die berühmten, zylindrischen Weihnachtsfiguren oder die Klapperpuppe, erklärt Isabell. "Die Klapperpuppe wurde schon vor hunderten von Jahren Kindern in die Hand gedrückt. Sie hat einen Rock, der innen hohl ist", beschreibt sie die Puppe. In den Hohlraum kämen Holzkügelchen hinein, die Puppe würde bemalt und "dann ist das ein ganz traditionelles Spielzeug aus dem Erzgebirge."

Aus Liebe zum Holz

Puppenwerkstatt im Erzgebirge

Erst wenn die Details sitzen, kann der nächste Arbeitsschritt beginnen

Fast 300 Jahre alt ist das Holzspielzeugmacherhandwerk in und um Seiffen. Die Schule in Seiffen nimmt pro Jahr 20 Bewerber auf – die Nachfrage ist jedoch weit größer. Und das obwohl die Lehrlinge, die zwischen 16 und 26 Jahre alt sind, viele Wochen in einem verträumten 3000-Seelen-Dorf zubringen müssen – ohne Kneipen und coole Clubs. Obwohl sie unzählige Wochenenden in den Schauwerkstätten sitzen und für Touristen schnitzen müssen.

Holzspielzeugmacher brauchten vor allem Geduld, sagt Isabell. Schließlich müssen sie stundenlang kleine Puppenköpfchen, -körperchen und -ärmchen zusammenleimen, Mini-Pferde, -Schafe oder Kühe bemalen oder winzige Holzpfefferküchlein auf ebenso winzige Marktstände kleben. "Viele Leute sind erstaunt: wie man da sitzen kann und nur ein paar Pünktchen auf einen kleinen Kopf malen. Aber das ist einfach die Liebe zum Holz, die ist schon von klein auf da."

Handschnitzereien und Lasermaschinen

Puppenwerkstatt im Erzgebirge

Im Erzgebirge ist man bekannt für Genauigkeit und Ausdauer bei der Holzbearbeitung

Im Mal- und Schnitzraum sitzen Sandra Schubert und Sebastian Weinrich – die Daumen dick mit Pflaster umklebt – und schnitzen Pferde. Zum einen, erzählen sie, sei der Beruf unglaublich vielseitig: drechseln, sägen, fräsen, schnitzen, tischlern, malen. Zum anderen sei es toll, etwas zu können, was außerhalb von Seiffen und Umgebung kaum jemand könne. "Wenn die Leute staunend durch Seiffen gehen, sehen wir, dass wir etwas sehr Besonderes machen", sagt die Holzspielzeugmacherin Jenny Wagner. Die 25-jährige Meisterin leitet zusammen mit ihren Eltern den Betrieb ihres Großvaters. Spezialgebiet: mechanische Schwibbögen. Bergleute hauen Erz, Kinder tanzen vor verschneiter Weihnachtsmarktkulisse um einen Tannenbaum.

Für die Detailarbeiten haben sie eine Lasermaschine gekauft. "Die ist nichts mehr für meinen Opa, also mache ich das jetzt", sagt Jenny. An einem Computer lädt sie technische Zeichnungen auf einen Bildschirm, dann startet sie den Schneidevorgang.

Puppenwerkstatt im Erzgebirge

Ein echter Schwibbogen aus Seiffen

Sobald die Maschine arbeitet, flitzt Jenny Wagner in den Nachbarraum und bemalt Spielzeug-Postkutschen. "Das meiste ist Handarbeit: Bemalung, Leimung, Schnitzerei", erklärt sie. Aber auch das Zusammenspiel von Technik und Handarbeit reize sie. "Man denkt schon manchmal, man könnte vielleicht woanders leben. Aber im Endeffekt bin ich hier wirklich am glücklichsten."

Autorin: Lydia Heller

Redaktion: Julia Kuckelkorn/Richard Fuchs

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