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Kultur

In der "Champions League" der Literatur

Kathrin Passig triumphierte bei der Verleihung des Bachmann-Preises mit ihrem literarischen Debüt. Mit Reflektionen über Kaninchen Hasen und Gott überzeugte sie Jury und Publikum.

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Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig

Langsam erfriert eine Figur im Schnee, und lange wehrt sie sich dagegen, ihren nahen Tod überhaupt wahrzunehmen. Sie rettet sich in einen inneren Monolog über Gott und die Welt, reflektiert über Kaninchen und Hasen und ärgert sich über einen falsch angebrachten Reißverschluss in ihrer Jacke: Mit ihrem Text "Sie befinden sich hier" überzeugte die 36-jährige Wahl-Berlinerin Kathrin Passig die Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises.

Ingeborg Bachmann Porträt

Ingeborg Bachmann im Portrait

Ruhig war sie auf ihrem Platz im Kärntner ORF-Theater sitzen geblieben, als erstmals der Applaus aufbrauste. Und auch als sie Urkunde und Blumenstrauß in Empfang nahm, blieb die frisch gebackene Preisträgerin zumindest äußerlich gelassen. Dabei hatte sie in Klagenfurt für eine kleine Sensation gesorgt: Der Siegertext war das literarische Debüt der Sach-Autorin, Übersetzerin und Kolumnistin.

Literarisches Erstlingswerk

Die 36-Jährige studierte in Regensburg Anglistik und Germanistik und wechselte 1991 nach Berlin. Über Jahre hat sie kulturkritische Kolumnen für die Berliner "taz" geschrieben und als Koautorin Sachbücher wie "Die Wahl der Qual" oder das für 2007 geplante "Lexikon des Unwissens" mit verfasst. Die Verlagsszene kennt sie auch als Übersetzerin, unter anderem von Texten von Bob Dylan und George W. Bush.

Bachmann-Preisträger 2005

Bachmann-Preisträger der vergangenen Jahre

Passig, die von sich selbst sagt, sie sei "im Internet aufgewachsen", steht für eine neue, selbstbewusste Generation, die ihren Weg jenseits der traditionellen Berufswelten selbst erfindet. Sie arbeitete als Webentwicklerin und Programmiererin und ist Mitbegründerin der Berliner "Zentrale Intelligenz Agentur", die zuletzt mit dem "Grimme-Online-Award" ausgezeichnet wurde.

"Überraschend schwierig"

Aller Professionalität zum Trotz gibt die 36-Jährige jedoch zu, dass der Umstieg vom Sachbuch zur Literatur nicht einfach war: "Ich war unangenehm überrascht, wie schwierig das ist." Dennoch nimmt sie den Preis und das überwältigende Lob der Jury auch als Ansporn, literarisch weiter zu arbeiten: "Der Bachmann-Preis ist ja auch eine Verpflichtung."

Schriftstellerin Ingeborg Bachmann

Wäre dieses Jahr 80 geworden: Schriftstellerin Ingeborg Bachmann

Ihre Ehrung fiel genau auf den Tag, an dem die Namensgeberin des Wettbewerbs, Ingeborg Bachmann, 80 Jahre alt geworden wäre. In Gedenken an die aus Klagenfurt stammende Dichterin (1926 bis 1973) war der Wettbewerb 1977 ins Leben gerufen worden. Zum 30. Mal wurde er in diesem Jahr verliehen und habe sich mittlerweile als "Champions League" der deutschsprachigen Literatur etabliert, sagten die Veranstalter bei der Präsentation der insgesamt 18 Teilnehmer in Wien. Der Hauptpreis ist mit 25.000 Euro dotiert. (ina)

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