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Kultur

In den Schuhen meiner Schwester

Eine Schwester betrügt die andere, in deren Wohnung, in deren Bett, mit deren neuem Freund. Wie die zwei Frauen das Schlamassel in den Griff bekommen, sorgt für zwei schöne Stunden Kinounterhaltung mit tollen Stars.

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Maggie (Cameron Diaz) und Rose (Toni Collette)

"Es waren zwei Schwestern, die waren verschieden, wie Feuer und Wasser, wie Tag und Nacht." So beginnt ein Schlager von Milva. Er stammt aus dem Jahr 1978 und ist beseelt von einem Pathos, das uns fremd geworden ist. Ähnlich aus der Zeit gefallen scheint auch der neue Film von Curtis Hanson: "In den Schuhen meiner Schwester", der Papierform nach eine romantische Komödie für die Generation der über 40-Jährigen.

Plakatmotiv, In den Schuhen meiner Schwester

Filmplakat: In den Schuhen meiner Schwester

Es waren zwei Schwestern, die eine erfolgreich, die andere hübsch. Die hübsche kann jeden Mann haben, aber nicht richtig lesen, die erfolgreiche hat so gut wie gar keinen Sex, dafür aber einen ganzen Schrank voller Schuhe, die meisten davon High Heels, die von der Sehnsucht der Besitzerin nach etwas mehr Glamour und Weiblichkeit zeugen.

Unverwüstliche Shirley MacLaine

Ihre Mutter war psychisch krank und verstarb früh. Der Vater hat den Mädchen eine richtig böse Stiefmutter ins Haus geholt und den Kontakt zu seiner Schwiegermutter abgebrochen. Die pflegt alte Menschen in einem Wohnheim. Die hübsche Schwester macht sich auf die Reise zur verheimlichten Großmutter; die andere Schwester lernt nach bösen Enttäuschungen einen netten jüdischen Jungen kennen. Das Happy End naht, allerdings mit Stolperschritten.

Freies Bildformat, In den Schuhen meiner Schwester

Rose (Toni Collette)

Hansons Damentrio - Toni Collette ("Muriels Hochzeit") als hässliches Entlein, Cameron Diaz als selbstsüchtige Nymphomanin und Shirley MacLaine als Großmutter - ist handverlesen und perfekt. Die unverwüstliche Shirley MacLaine ist langsam ins Großmütterfach hineingewachsen und dürfte nach dem Tod von Anne Bancroft konkurrenzlos sein.

In der Kultur des neuen Jahrtausends sind die Gefühle kühl temperiert. Die Idole der Jugend sind kalte Fische - für überkochende Leidenschaften ist kein Platz. Man wagt sich in seinen kühnsten Träumen nicht auszumalen, welch einen Technicolor-Traum Douglas Sirk aus diesem Drehbuch gezaubert hätte oder zu welcher Form Bette Davis und Miriam Hopkins aufgelaufen wären. Curtis Hanson gelingt das Kunststück, ein leicht angestaubtes Genre, ob man es nun "women's picture" oder "tearjerker" nennt, für die "Sex and the City"-Generation zu retten.

Kein Betroffenheitskitsch, sondern großes Kino

In den Schuhen meiner Schwester, Shirley MacLaine und Jerry Adler

Ella (Shirley MacLaine) und Lewis (Jerry Adler)

Eigentlich hätte man von Regisseur Curtis Hanson nach dem glamourösen Thriller "L.A. Confidential" oder dem rauen Rapper-Drama "8Mile" mit Eminem keinen "Frauenfilm" wie diesen erwartet. So ganz wohl scheint er sich in dem Genre auch nicht zu fühlen. Dennoch bleibt der Film (nach dem US-Bestseller "Zwei Schwestern und ein Hochzeitskleid" von Jennifer Weiner) ein sehenswertes Stück Mainstream-Kino - den starken Frauen vor der Kamera sei Dank.

"Wenn einer Pech hat, dann hat er nie Glück", heißt es in Milvas Schlager. In Hansons Film überwinden die Protagonisten ihr persönliches Pech und werden glücklich. Dank der Aufrichtigkeit der Gefühle ist "In den Schuhen meiner Schwester" kein Betroffenheitskitsch über scharfe und späte Mädchen geworden, sondern großes Kino über das Glück an sich.

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