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Kultur

In dänischer Mission

In Bonn wurde das Dänische Kulturinstitut eingeweiht, das den deutsch-dänischen Kulturaustausch fördern soll. Doch was ist das – dänische Kultur?

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Dänemarks Zentrum: Der Rathausplatz in Kopenhagen

Denken Deutsche an Dänemark, fällt ihnen zuerst ein Ensemble aus Strand, Ferienhäusern und familienfreundlichem Urlaub ein. Und darüber hinaus? Dänische Politik? Dänische Kultur? Es sieht mau aus mit deutschem Wissen über Dänemark, wenn man mal von den wenigen Spezialisten absieht, die in Schleswig nahe der dänischen Grenze wohnen und Dänisch in der Schule lernen. Dort oben ist die dänische Minderheit diesseits der Grenze auch mit zwei festen Sitzen im Schleswig-Holsteinischen Landtag vertreten. Von Kiel abwärts wird die dänischstämmige Bevölkerung aber immer dünner. In Hamburg gibt es noch eine dänische Enklave und, weniger gedrängt, auch in Nordrhein-Westfalen, wo knapp 800 Dänen leben. Aber ansonsten gibt es wenig Dänisches in Deutschland. Oder?

Kulturelles Dänemark

"Ich denke, dass wir hier eine missionarische Tätigkeit ausüben", sagt Dr. Bernd Kretschmer, neuer Leiter des Dänischen Kulturinstituts, das am Sonntag (23.03.2003) in Bonn eröffnet wurde. Denn Dänemark ist historisch und kulturell ein unbekanntes, aber außerordentlich interessantes Land. Nicht nur, dass das Land voller prähistorischer Zeugnisse steckt – Runeninschriften, Grab- und Siedlungsanlagen allerorten -, es hat auch in jüngerer Zeit Kunst und Kultur von Weltrang hervorgebracht:

In Literatur und Philosophie sind es im 19. Jahrhundert vor allem die Namen Hans Christian Andersen und Søren Kierkegaard, die man mit Dänemark verbindet. Im 20. Jahrhundert erhielten drei Dänen den Literatur-Nobelpreis. Bekannt sind sie heute in Deutschland jedoch nicht mehr. Dafür werden aber Autoren wie Karen Blixen mit ihren Geschichten aus Afrika und jüngst Peter Høeg mit dem Roman "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" viel gelesen.

Schloss Kronborg

Schloss Kronborg in Helsingör

Neben der Literatur kommt auch im Bereich Architektur und Design Interessantes aus Dänemark. Bekannt wurden z.B. der Architekt Jørn Utzon, der die Sydney Opera entworfen hat, und der Produkt-Designer Stelton. Dinge, die aber nicht mit skandinavischem Kiefernholz-Design zu verwechseln sind. "So etwas kauft ein Däne nicht", so der Kommentar einer Dänin zum Angebot des in jeder größeren deutschen Stadt vertretenen "Dänischen Bettenlagers" in Deutschland.

In den vergangenen Jahren hatten im Filmbereich die sogenannten Dogma-Filme aus dem Kreis um den dänischen Regisseur Lars von Trier, großen Erfolg. Doch nicht nur einzelne dänische Künstler oder Werke nahmen großen Einfluss auf die deutsche Kultur und Gesellschaft. Besonders folgenreich war die Verbreitung der Volkshochschulen – eine Idee, die in Dänemark geboren wurde!

Dänemark am Rhein

Dänische Flagge

All dies und noch mehr zu vermitteln, sieht das Dänische Kulturinstitut in Bonn als seine Aufgabe an. Ein dänisches Kulturinstitut gibt es aber nicht erst seit Neustem in Deutschland. Bereits Anfang der 1960er Jahre wurde es in Dortmund eröffnet. Von 1996 bis 2002 war das Kulturinstitut in Hannover angesiedelt, bevor es nun nach Nordrhein-Westfalen zurück verlegt wurde. "Die kulturelle Landschaft in NRW ist reichhaltiger als in Hannover. Außerdem befanden wir uns in Hannover in zu großer Nähe zur dänischen Botschaft in Berlin. Wir wollten unseren Wirkungskreis gerne wieder ausweiten", sagt Bernd Kretschmer. Dass der ehemalige Kulturattaché im dänischen Generalkonsulat in Düsseldorf bereits in der Bonner Gegend wohnte, spielte für die Wahl des neuen Standorts aber wohl auch eine Rolle.

Wie auch immer: Ab sofort sind Lesungen, Ausstellungen und Konzerte geplant. Außerdem hat das Haus eine eigene Bibliothek. Eine nur einseitige Kulturvermittlung steht Bernd Kretschmer aber nicht vor Augen: "Wir wollen in beide Richtungen denken: Dänische Kultur in Deutschland vermitteln, aber auch Dänen, z.B. durch Studienreisen, mit Deutschland vertraut machen."

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