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Fußball

In aller Ruhe den Kasten sauber gehalten

Torhüter Toni Turek war einer der elf Helden von Bern. Mit seinen Paraden im WM-Endspiel 1954 sicherte er sich einen Platz in den Fußball-Geschichtsbüchern. Am 18. Januar wäre der "Teufelskerl" 90 Jahre alt geworden.

Fußball-WM '54: DFB-Spieler bejubeln den WM-Titel

Toni Turek jubelt mit der Mannschaft über den WM-Titel 54

Am 18. Januar 1919 - genau vor 90 Jahren - wurde in Duisburg ein Mann geboren, ohne den es das Fußball-Wunder von Bern mit dem Weltmeistertitel 1954 wahrscheinlich nicht gegeben hätte: Anton, genannt Toni, Turek. Der deutsche Nationaltorwart war es, der die Elf von Trainer Sepp Herberger im Finale gegen Ungarn mit seinen Paraden vor mehr als zwei Gegentreffern bewahrte.

„Turek, du bist ein Teufelskerl. Turek, du bist ein Fußballgott.“ Die Lobeshymnen, die Radio-Reporter Herbert Zimmermann im Überschwang der Begeisterung in sein Mikrofon schrie, lassen die Wertschätzung für den Torhüter erahnen. Am Tag des Endspiels, dem 4. Juli 1954, war Turek schon 35 Jahre alte und fast am Ende seiner Karriere angelangt. Doch sein 19. und vorletztes Länderspiel wurde für ihn zum Spiel seines Lebens.

Umjubelte Heimkehr nach WM-Triumph

Torhüter Toni Turek wird nach seiner Rückkehr aus Bern am 8. Juli 1954 in einem Brauereiwagen durch die Straßen Düsseldorfs gefahren und von der Bevölkerung bejubelt. Er gehört zur deutschen WM-Elf, die am 4. Juli 1954 in Bern durch einen 3:2-Sieg über Ungarn erstmals den Weltmeisterschaftstitel für Deutschland errang.

Begeisteter Weltmeisterempfang

Dabei hatte die Partie nicht gut begonnen für den Torhüter von Fortuna Düsseldorf. Beim 2:0 der Ungarn durch Czibor in der achten Minute machte er keine gute Figur, als er einen Rückpass von Verteidiger Werner Kohlmeyer nicht festhalten konnte. Doch nach dem Schlusspfiff sprach selbstverständlich niemand mehr von diesem Patzer. Turek war einer der elf Helden von Bern.

Seine Mitspieler in Düsseldorf platzten fast vor Stolz, als sie ihren Weltmeister am Hauptbahnhof abholten, erinnert sich der heute 84-jährige Matthias Mauritz: „Das war natürlich ein Riesenerlebnis. Wir fuhren mit einem großen Brauereigefährt mit vier Pferden davor und einem Fass auf dem Wagen. Da stand der Toni drin und wir als Mannschaft standen um die Tonne rum. An 100.000 Menschen vorbei sind wir zum Düsseldorfer Rathaus gefahren.“

Länderspielpremiere 1950 gegen die Schweiz

Turek, der das Bäckerhandwerk erlernt hatte, überlebte den Zweiten Weltkrieg nur mit viel Glück. Nach der Rückkehr aus amerikanischer Gefangenschaft spielte er in Duisburg, Frankfurt und Ulm, bevor er 1950 nach Düsseldorf wechselte. Im selben Jahr erfüllte sich sein größter Wunsch: Am 22. November 1950 stand der damals 31-Jährige im ersten deutschen Nachkriegsländerspiel gegen die Schweiz zum ersten Mal als Nationaltorhüter zwischen den Pfosten – und hielt beim 1:0-Erfolg seinen Kasten sauber.

Schon damals, vier Jahre vor dem WM-Triumph, schauten seine Mitspieler in Düsseldorf zu Turek auf. Er war für Matthias Mauritz und Kollegen ein Vorbild: „Die ganze Mannschaft war natürlich stolz auf ihn. Da sind wir nach Stuttgart gefahren. Das war ein wunderbares Erlebnis, dass unser Torwart dabei war beim ersten deutschen Länderspiel nach dem Krieg.“

Turek stirbt viel zu früh

Der deutsche Torhüter Toni Turek (vorn) schaut dem in seinem Tor einschlagenden Ball hinterher. Ein Geschoß des spanischen Stürmers Gainza (nicht im Bild), der zum 1:1 ausgleicht. Die deutsche Fußballnationalmannschaft erreich im Länderspiel gegen Spanien am 28.12.1952 vor 80.000 Zuschauern im Chamartin-Stadion in Madrid nach zweimaliger Führung am Ende ein 2.2. +++(c) dpa - Report+++

Auch Turek mußte mal hinter sich greifen

Tureks Stärken waren seine Ruhe und Abgeklärtheit. Allerdings sorgte er damit auf dem Spielfeld nicht selten für Unruhe. Denn mit gutem Stellungsspiel und gutem Auge schätzte er bei Schüssen in seine Richtung ab, ob ein Ball Gefahr für ihn bedeutete oder nicht. Wenn er sich dann überhaupt nicht Richtung Leder bewegte und die Kugel knapp am Tor vorbeirauschte, war das Raunen groß: „Er hat genau erkannt hat, dass der Ball drüber ging. Aber uns ist bald das Herz stehen geblieben. Toni dagegen war eiskalt und nie aufgeregt. Ab und zu allerdings ging das auch mal schief und der Ball war drin“, so Mauritz mit einem Lächeln.

Der leidenschaftliche Skatspieler Turek beendete seine aktive Karriere 1956 bei Borussia Mönchengladbach. Danach war er als Trainer mehrerer kleiner Vereine dem Fußballsport weiter verbunden. Doch dem Angestellten bei der Düsseldorfer Rheinbahn blieb das Schicksal einer schweren Krankheit nicht erspart. Er litt über ein Jahrzehnt, bevor er am 11. Mai 1984 im Alter von nur 65 Jahren in Neuss starb.

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