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Krieg in Syrien

"In Aleppo zählt jede Stunde"

Die Hilflosigkeit ist allumfassend. So bleiben nur Worte, um Gnade für die Eingeschlossenen in Aleppo und anderen syrischen Enklaven zu erbitten, und um gegen den Krieg in Syrien zu demonstrieren.

Aleppo Evakuierung (Reuters/O. Sanadiki)

Mit den geretten Habseligkeiten durch die eisige Trümmerlandschaft: Samstags in Aleppo

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat eindringlich zu einer zügigen Wiederaufnahme der Evakuierung der umkämpften syrischen Millionenstadt aufgerufen. "Die verheerende Lage der Menschen in Ost-Aleppo ist verzweifelt und zum Verzweifeln", sagte Steinmeier in Berlin.

Die Blockaden bei der Evakuierung müssten umgehend beendet werden. "Angesichts der grauenhaften Verwüstungen und der sehr schwierigen Wetterbedingungen mit Nachtfrösten zählt buchstäblich jede Stunde."

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sprach im Deutschlandfunk von bedrückenden Bildern, "die einem den Atem verschlagen". Auch Helfer bezeichnen die Lage in Ost-Aleppo als katastrophal. Für die Eingeschlossenen gebe es praktisch keine medizinische Versorgung mehr, heißt es bei Ärzte ohne Grenzen. Die wenigen noch verbliebenen Ärzte hätten große Angst um ihre Sicherheit. Wie viele Menschen bei Nässe und Temperaturen um den Gefrierpunkt noch in den zerstörten Stadtteilen ausharren, lässt sich nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) nicht genau sagen. Zu ihnen hätten die Helfer derzeit keinen Zugang. Insgesamt lebten rund eine Million Syrer in "schwer erreichbaren Gebieten".

In mehreren deutschen Städten sowie in London haben Menschen gegen den Krieg in Syrien protestiert.

Auf Plakaten waren Forderungen nach Schutz für Zivilisten in der syrischen Stadt Aleppo zu lesen. Die Demonstranten riefen unter anderem  "Aleppo will Frieden". Der Protest richtete sich auch gegen die Syrien-Politik Russlands und gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Neben syrischen Fahnen waren auch türkische zu sehen. In Berlin mischte sich der Protest mit dem Gedenken an die Opfer des Bombenanschlags in der zentraltürkischen Stadt Kayseri. Dort waren am Samstag mindestens 13 Soldaten getötet und weitere Menschen verletzt worden.

Die syrische Führung hat nach der Rückeroberung der Stadt die Evakuierungen seit Freitag ausgesetzt. Rebellen und Regierung werfen sich gegenseitig vor, die dafür notwendige Feuerpause verletzt zu haben. Am Samstagnachmittag mehrten sich Anzeichen dafür, dass der Zivilbevölkerung wieder die Möglichkeit gegeben wird, Ost-Aleppo zu verlassen.

Syrien-Expertin Kristin Helberg sprach in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) von einer Politik der "Säuberung". Präsident Assad wolle gezielt jene Menschen vertreiben, die sich seiner Macht nicht beugten. Und Russland unterstütze diesen Kurs anstatt wie ursprünglich vereinbart auf einen geordneten Machtwechsel in Syrien hinzuarbeiten.

rb/wa (afp, ap, dpa, kna)

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