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Asien

In Afghanistan sterben immer mehr Zivilisten

Unter dem Krieg in Afghanistan leiden vor allem die, die nicht mitmachen. Fast 3.000 Zivilisten wurden im vergangenen Jahr getötet. So viele wie nie zuvor. Die meisten fielen den Taliban zum Opfer.

Afghanen stehen vor verhüllten Leichen in Argandab, Kandahar (Foto: AP/Allauddin Khan)

Trauer nach einem Anschlag auf eine Hochzeitsfeier

Acht tote Zivilisten jeden Tag. Das ist die traurige Bilanz des Afghanistan-Krieges für das Jahr 2010. Insgesamt 2.777 Unbeteiligte starben bei Angriffen durch Aufständische, Regierungstruppen oder NATO-Soldaten, 15 Prozent mehr als noch 2009. Damit ist das vergangene Jahr das tödlichste seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2001. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Vereinten Nationen am Mittwoch (09.03.2011) in Kabul veröffentlichten.

Die Zahl der zivilen Opfer steigt seit vier Jahren kontinuierlich. Auch der bewaffnete Konflikt sei intensiver geworden, sagte Ivan Simonovic, Generalsekretär-Assistent für Menschenrechte der Vereinten Nationen. "Afghanische Zivilisten haben den Preis dafür mit ihrem Leben bezahlt, 2010 sogar in noch größeren Zahlen".

Bombenanschläge und Hinrichtungen

Für drei Viertel der getöteten Zivilisten sind die radikal-islamischen Taliban oder andere Rebellengruppen verantwortlich. Im Jahr 2009 waren es noch weniger als ein Drittel. 16 Prozent aller zivilen Opfer starben bei Einsätzen der NATO-geführten Internationalen Schutztruppe oder der afghanischen Armee. Neun Prozent der Toten konnten keiner Konfliktpartei zugeordnet werden.

Bewaffnete Taliban-Mitglieder (Foto: DW/Hoshang Hashemi)

Anschläge auf Zivilisten sind Teil der Taliban-Strategie

Die meisten Unbeteiligten kamen bei Selbstmordattentaten oder Sprengstoffanschlägen der Aufständischen ums Leben. "Alarmierend" sei jedoch vor allem die hohe Zahl von Hinrichtungen, heißt es in dem UN-Bericht.

Im vergangenen Jahr haben Aufständische 462 Menschen entführt und hingerichtet, mehr als doppelt so viele wie noch 2009. Die Opfer waren Regierungsbeamte, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Zivilisten, die bei den Rebellen im Verdacht stehen, die NATO zu unterstützen.

Die meisten Hinrichtungen wurden in den Taliban-Hochburgen Helmand und Kandahar im Süden des Landes gezählt. Mit ihrer Taktik wollen die Rebellen Angst schüren und verhindern, dass die Sicherheitsverantwortung im Land allmählich an die afghanische Armee und die Polizei übertragen wird.

Opfer sorgen für Streit zwischen Karsai und NATO

Die vielen Opfer in der afghanischen Bevölkerung sorgen immer wieder für Streit zwischen der afghanischen Regierung auf der einen Seite und der NATO und den USA auf der anderen. Erst zu Beginn des Monats waren in Ost-Afghanistan neun Kinder bei einem NATO-Luftangriff getötet worden.

Porträt: Karsai (Foto:AP)

Präsident Karsai ist über die vielen getöteten Zivilisten empört

Präsident Hamid Karsai befürchtet, dass die vielen zivilen Opfer die Bevölkerung in die Arme der radikal-islamistischen Taliban treiben könnten. Er warf der Afghanistan-Schutztruppe das "tägliche Töten von Zivilisten" vor und warnte die Soldaten, sie würden enorme Probleme bekommen, sollten sie bei ihren Einsätzen nicht umsichtiger vorgehen.

Eine öffentliche Entschuldigung des amerikanischen NATO-Oberbefehlshabers in Afghanistan, General David Petraeus, wies Karsai am Montag zurück. Darufhin entschuldigte sich US-Verteidigungsminister Robert Gates bei einem Treffen mit Karsai für den Vorfall und nannte ihn einen Rückschlag für die Beziehungen der USA zum afghanischen Volk.

Die Vereinten Nationen appellierten an die Konfliktparteien, die afghanischen Zivilisten besser zu schützen. "Möge 2011 nicht ein weiteres Jahr mit steigenden Opferzahlen sein", sagte Georgette Gagnon, Beauftragte für Menschenrechte bei den UN.

Autorin: Julia Hahn (mit afp, rtr, dpa)
Redaktion: Eleonore Uhlich

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