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Kultur

In 20 Minuten vom Flughafen zur Goldmedaille

David gegen Goliath: Das kleine Leipzig tritt im Kampf um die Olympiade 2012 gegen Riesen wie New York und Paris an. Um den Zuschlag zu erstreiten, haben die cleveren Organisatoren aus der Not eine Tugend gemacht.

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Vier für Olympia: Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, Ministerpräsident Georg Milbradt, Bundesinnenminister Otto Schily und NOK-Präsident Klaus Steinbach

Das Streben um Einzigartiges, Einmaliges im Zusammenhang mit Olympischen Spielen hat in den vergangenen drei Jahrzehnten zu einem nahezu grenzenlosen Gigantismus geführt. Die olympische Maxime hieß: Immer größer und somit auch immer teuerer. Wenn nicht alles täuscht, könnte auch die deutsche Interessentenstadt für die Olympischen Sommerspiele 2012 - Leipzig - Rekorde aufstellen. Rekorde jedoch mit umgekehrten Vorzeichen: nicht größer und protziger, sondern klein, bescheiden und sehr menschlich.

Sollte Leipzig Anfang Juni 2005 auf der IOC-Session in Singapur den Zuschlag für die Ausrichtung erhalten, würde es die kleinste Olympiastadt, die jemals Sommerspiele ausgerichtet hat. Auf dem Stadtgebiet Leipzigs leben gerade einmal 500.000 Menschen. Bislang waren stets Millionenstädte Olympiagastgeber. Auch die aktuellen Leipziger Mitbewerber New York, Paris, London, Madrid, Istanbul, Rio de Janeiro oder Havanna gehören zu den ganz großen Metropolen.

Im Verhältnis zu den scheinbar übermächtigen Metropolen sieht der David Leipzig seine Chance. Engelbert Lütke Daldrup, der Baumeister der Olympia-Stadt und Chefplaner, beschreibt den Charakter des Sportstättenkonzepts für Olympia in Leipzig: "Wir wollen die Sportler in den Mittelpunkt stellen und wir wollen eine Begegnung der Sportler mit den Menschen unserer Stadt auf engstem Raum möglich machen."

Olympiade der kurzen Wege

Konkreter in der Beschreibung des Konzepts wird Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee: "In einem Radius von nur 10 Kilometer rund um den Leipziger Hauptbahnhof sollen im Jahre 2012 rund 97 Prozent aller Entscheidungen fallen. Durch kurze Distanzen zwischen den Arenen, den Trainingsstätten und dem Olympischen Dorf soll es den Athleten möglich sein, pünktlich und sicher zu den Wettkämpfen zu kommen. Nach dem Wettkampf sollen die Athleten aber auch die Möglichkeit haben, eine lebendige Stadt mit ihren Gastgeber-Qualitäten zu erleben."

Erinnerungen an München 1972, wo erstmals von den Olympischen Spielen der kurzen Wege gesprochen wurde, werden wach. Mit einem Unterschied: Leipzigs Sportstättenkonzept ist noch kompakter. Die zentralen Einrichtung sollen mitten in der Stadt liegen, das Medienzentrum wird direkt neben dem Hauptbahnhof geplant. "Vom Bahnhof bis zu Olympiapark sind es nur 1000 Meter. Wer am Flughafen in die S-Bahn einsteigt, erreicht das Stadtzentrum in 14 Minuten. Und dann kann man zu Fuß in 6 Minuten den Olympiapark erreichen, wo die Hälfte aller Goldmedaillen vergeben werden," erklärt der Planer Daldrup. Wer es also ganz eilig hat, könnte bereits 20 Minuten nach seiner Landung auf dem Leipziger Flughafen zu seiner Goldmedaille kommen.

Vier plus zwei

Olympia Bewerbung Leipzig

Modell des Architekten Peter Kulka für den Olympiapark 2012 in Leipzig

Im extrem Zentrums nahen Olympiapark werden die olympischen Königssportarten angeboten: die Leichtathletik im noch zu bauenden Olympiastadion mit einer Kapazität von rund 80.000 Plätzen, die Schwimmwettbewerbe, der Bahnradsport und - erstmals im unmittelbaren olympischen Zentrum - sogar das Rudern. Außerdem gehört zu diesem Komplex auch das Fußball-Stadion, das bereits Schauplatz von Spielen während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sein wird.

Neben dem Zentrum soll es drei weitere olympische Areale geben. Einmal liegt der Schwerpunkt auf den Hallen-Ballsportarten, einmal auf den Kampf- und Kraftsportarten, und im Bereich des so genannten Neun Seenlandes im Süden von Leipzig sollen Kanusport, Triathlon, Straßenradsport, aber auch Tennis und Schießsport stattfinden.

Das Sportstättenkonzept, mit dem Leipzig in die internationale Konkurrenz einzieht, sieht nur zwei externe Veranstaltungsorte vor, sieht man davon ab, dass das umfangreiche Vorrundenprogramm der olympischen Fußballturniere für Damen und Herren auch in den Leipzig-nahen Städten Halle, Chemnitz, Dresden und Riesa ausgetragen werden soll. Die Reiter werden nahe der sächsischen Landeshaupt Dresden in der außerordentlichen Landschaftsatmosphäre von Schloss Moritzburg ihre Olympiasieger küren. Und die Segler kämpfen auf der Ostsee vor der 360 km von Leipzig entfernten alten Hansestadt Rostock um die Medaillen.

Eine nationale Aufgabe

Ursprünglich hatte man in Leipzig überlegt, größere Teile Ostdeutschlands mit in das olympische Konzept einzubeziehen. Letztlich aber setzte sich die Erkenntnis durch, dass Leipzig im Bewerbungswettbewerb nur dann eine Chance hat, wenn es Olympia praktisch wie auf einer Briefmarke präsentiert. Wenn man so will, könnte eine ganze Stadt zum pulsierenden olympischen Dorf werden. Was jedoch nicht bedeutet, dass sich Olympia in die Provinz zurückzieht.

Der politisch für den Spitzensport in Deutschland zuständige deutsch Bundesinnenminister Otto Schily rückt die Verhältnisse zurecht: "Wenn das alles nur als ein lokales Ereignis verstanden wird, dann wird eine solche Bewerbung nicht den notwendigen Rückhalt in Deutschland erhalten, der notwendig ist, um einer solchen Bewerbung zum Erfolg zu verhelfen." Der beachtliche finanzielle Aufwand könne von der Stadt Leipzig und vom Freistaat Sachsen nicht alleine getragen werden. Daran müssten sich alle Beteiligen in Deutschland orientieren. Es sei nicht eine Olympiade nur in Sachsen oder in Leipzig, sondern eine Olympiade in Deutschland.

Der Bundesinnenminister machte deutlich, dass die Bundesregierung alles in ihren Kräften stehende unternehmen wird, der Leipziger Olympiabewerbung zum Erfolg zu verhelfen. Dazu gehört natürlich auch die solide Beantwortung der Frage nach der Finanzierung der Kosten. Die entsprechenden Antworten zu geben ist die Aufgabe der nächsten Wochen.

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