1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

In 14 Filmen um die Welt

Viele tolle Filme schaffen es nicht in deutsche Kinos. Das ärgert einen Berliner Filmliebhaber. Regelmäßig zeigt er seine aktuellen Liebslingsfilme deshalb auf einem eigenen Festival. Eine cineastische Weltreise.

Szene aus dem türkischen Film 10 to 11 von Pelin Esmer. Zu sehen ist ein älterer Mann mit Hut und Mantel, der vor einer riesigen Auswahl an Wanduhren steht (Foto: Festival).

Bernhard Karl ist ein Sammler und ein Sturkopf. Der Gründer von "14 films around the world" ist deshalb ein Sammler, weil er jedes Jahr bis zu zehn Filmfestivals auf der ganzen Welt abklappert und von den rund 500 gesehenen Filmen seine Lieblinge mitbringt. Und ein Sturkopf, weil er einfach sein eigenes Festival gründete, als der gelernte Theaterregisseur eine neue berufliche Herausforderung suchte und ahnte, dass er als Quereinsteiger keine Chance bei Festivals wie der Berlinale hätte.

Bernard Karl, Gründer des Festivals '14 films around the world' (Foto: Christian Riss, Quelle: Nadine Wojcik)

Festivalgründer Karl

"Die imaginäre Weltreise ist, wenn man so will, mein Leben. Ich komme aus einem kleinen Dorf in Bayern und da wollte ich immer an all die anderen Orte in der Welt, außerhalb von Bayern", erklärt Festivalleiter Bernhard Karl. Zudem habe es ihn immer gewurmt, dass all die guten Filme, die er auf internationalen Festivals gesehen hatte, nie in deutschen Kinos zu sehen waren. "Diese Filme habe ich gesammelt und so ist dann für mich eine imaginäre Weltkarte entstanden."

Best-Off des aktuellen Weltkinos

Diese Weltkarte will er dem deutschen Kinopublikum nicht vorenthalten. Nach Berlin holt er daher all diejenigen Filme, die in der Hauptstadt bislang noch nicht zu sehen waren, ihn aber auf den Festivals nach ästhetischen und künstlerischen Gesichtspunkten beeindruckten. "Das sind eine Menge an neuen Eindrücken und neuen Horizonten. Das kann auch anstrengend sein und unter Umständen auch weh tun."

Ein schönes Beispiel für dieses Neue, aber keineswegs anstrengende ist der Dokumentarfilm "Benda Bilili!". Er zeigt obdachlose Rollstuhlfahrer und Straßenkinder in Kinshasa. Doch die Protagonisten dieses Films stehen nicht wie sonst schon oft gesehen für Armut, Elend und Hoffnungslosigkeit in Afrika, sondern für eine ungemein positive Lebensenergie. Denn "Benda Bilili" sind Musiker, die es im Laufe des Films bis auf die Bühnen riesiger Open-Air-Festivals in Europa schaffen werden. Ihr weltweiter Erfolg wird bereits als "Buena Vista Social Club" aus dem Kongo gehandelt.

Szene aus dem Film Benda Bilili! von Renaud Barret und Florent de la Tullaye. (Foto: Festival, Quelle: Nadine Wojcik, DW)

"Benda Bilili!" - von Obdachlosen zu Stars der Weltmusik

Klischéefreier Musikfilm aus dem Kongo

Diese erfrischende Sicht auf den Kongo ist dem französischen Regisseur Florent da la Tullaye zu verdanken. "Die Menschen in Afrika empfangen auch europäische Fernsehsender und sehen da nur Berichte über Elend und Katastrophen in ihren Ländern. Darin erkennen sie sich aber gar nicht wieder. Auf ihre Musik und die Musiker allerdings sind sie stolz - und das war der Schlüssel zu diesem Film." "Benda Bilili!" war dieses Jahr Eröffnungsfilm in einer Nebenreihe des Filmfestivals in Cannes und wurde dort mit Standing Ovations gefeiert. Nun läuft der Dokumentarfilm auch auf dem kleinen Festival "14 films around the world".

Around the World in 14 Films - Logo des Festivals

Logo des Festivals

Für den Regisseur nicht minder wichtig: "Der Vorteil ist doch, dass Filme auf einem kleinen Festival fürs Kinopublikum viel zugänglicher sind als auf einem überfrachteten Riesenfestival." Weitere Filme in diesem Jahr sind unter anderem ein dreistündiger Dokumentarfilm über den rumänischen Diktator Ceausescu, zusammengeschnitten aus über 1000 Stunden Archivmaterial, oder der Film "The Green Wave", eine Collage aus Animations- und Dokumentarfilm über die sogenannte grüne Revolution im Iran 2009.

Zum fünften Mal kann das Berliner Kinopublikum jetzt noch bis zum 4. Dezember mit 14 sehr unterschiedlichen Filmen auf cineastische Weltreise gehen - dank der feinen Auswahl eines kleinen, unabhängigen Festivals.

Autorin: Nadine Wojcik

Redaktion: Marlis Schaum

WWW-Links