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Welt

Implantate-Hersteller festgenommen

Im Skandal um französische Billig-Brustimplantate ist der frühere Chef der Firma Poly Implant Prothèse (PIP), Mas, festgenommen worden. Gegen ihn wird wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung ermittelt.

Fahndungsfoto von Jean-Claude Mas (Foto: EPA/INTERPOL)

Wurde in Südfrankreich festgesetzt: Jean-Claude Mas

Die Fahnder hatten den Unternehmer in der Wohnung seiner Lebensgefährtin festgesetzt und in Polizeigewahrsam genommen. Der Zugriff in Südfrankreich sei im Zuge der Ermittlungen wegen "fahrlässiger Tötung und Verletzung" erfolgt, teilte Staatsanwalt Jacques Dallest in Marseille mit. Dem 72-Jährigen wird vorgeworfen, jahrelang Billig-Silikon in seinen Implantaten verwendet und dies bei Kontrollen verschleiert zu haben. Auch der Finanzchef des 2010 Pleite gegangenen Unternehmens PIP, Claude Couty, wurde festgenommen im südfranzösischen La-Seyne-sur-Mer, wo früher der Firmensitz war.

Silokon-Brustimplantat (Foto: AP)

Produkte von PIP wurden mit Billig-Gel gefüllt

Unterlagen verschwunden

Mas befinde sich vorläufig in Polizeigewahrsam, so der Staatsanwalt. Er hatte bereits in einem früheren Polizeiverhör zugegeben, drei Viertel seiner Prothesen mit einem Billig-Gel gefüllt zu haben, das er mit einem eigentlich für Industrieprodukte bestimmten Silikon mischte.

Nur ein Viertel der Kissen habe das siebenmal teurere, medizinische US-Produkt Nusil enthalten, das Mas auch gegenüber den Kontrolleuren vom TÜV Rheinland angab. Der TÜV sei bei seinen angekündigten Kontrollen gezielt getäuscht worden. Unterlagen wurden laut Mas versteckt, die PIP-Angestellten hätten ganze Container verschwinden lassen.

Bei der Staatsanwaltschaft in Marseille sind inzwischen mehr als 2500 Klagen von betroffenen Frauen eingegangen. Auch in Deutschland wurden erste Klagen eingereicht.

Krebsauslöser?

Die Billig-Silikonkissen, die auffällig oft rissen, werden für Entzündungen und von den Opfern sogar für Krebsfälle verantwortlich gemacht. Mas verteidigte sich hingegen stets mit dem Hinweis, dass er zwar ein billiges Silikon verwendet habe, die Qualität sei aber besser gewesen. Bisher wurden in Frankreich 20 Krebsfälle bei Frauen mit PIP-Implantaten registriert. Einen Beweis, dass das Billig-Silikon ursächlich ist, gibt es bisher nicht.

Weltweit haben schätzungsweise 400.000 bis 500.000 Frauen die schädlichen Implantate. Die EU prüft, ob die Vorschriften für Kontrollen verschärft werden.

Autorin: Eleonore Uhlig (afp)
Redaktion: Siegfried Scheithauer

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