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Fußball

Immer wieder knifflig: Fußball-Regeln

Er war 30 Jahre Schiedsrichter, 20 davon im Profi-Fußball. Vom DFB wurde er viermal zum "Schiedsrichter des Jahres" gekürt. Heute erklärt Ex-FIFA-Schiri Herbert Fandel die kniffligsten Fußball-Regelfragen.

Robert KOVAC (li) und Trainer Juergen KLOPP (re, beide Dortmund) reklamieren nach dem Abpfiff beim Schiedsrichtergespann um Schiedsrichter Jochen Drees (4. v.l.) und den Assistenten Torsten BAUER (2. v.l) und Markus WINGENBACH (5.v.l) (FOTO: Pressefoto ULMER)

Müssen sich stets rechtfertigen: deutsche Schiris

Was passiert, wenn in einem Fußball-Spiel der Ball von einem geworfenen Schuh getroffen wird? Gibt es beim Elfmeter immer auch einen Platzverweis, und wann wird aus passivem aktives Abseits?

Herbert Fandel blickt in ratlose Gesichter. Immer wieder zeigt er den Lernenden die Zeitlupen von strittigen Szenen aus der letzten Saison – gebündelt auf einer DVD. Das machen er und seine Kollegen vom DFB jedes Jahr. Vor Beginn der neuen Spielzeit klappern sie die Vereine ab und machen deutlich, warum höchst umstrittene Entscheidungen durchaus ihre Berechtigung hatten. Herbert Fandel hat auf alle Fragen eine Antwort.

Abseits oder kein Abseits? Das ist hier die Frage!

Schiedsrichter-Assistent hebt die Fahne

Von Stürmern gefürchtet: Die (Abseits-) Fahne

Es ist ein immer wieder heiß diskutierter Fall: Abseits. Laut Regel steht ein Spieler dann im Abseits, wenn er im Moment der Ballabgabe der gegnerischen Torlinie mit dem Kopf, den Füßen oder dem Rumpf näher ist als der Ball und der vorletzte Gegenspieler. Außer beim Einwurf, Abstoß oder Eckball. Steht ein Spieler im sogenannten "passiven" Abseits, darf er nicht an den Ball kommen, seinen Gegner beeinflussen oder aus seiner Position einen Vorteil ziehen.

Ein Beispiel: Ein Spieler schießt auf das Tor, der Abseits stehende Spieler duckt sich unter dem Ball weg und behindert damit die Sicht des Torwarts. "Dann greift er aufgrund seiner Position ins Spiel ein", erklärt Fandel. Also aktives Abseits.

Gepfiffen wird aber nur dann. Die Schiedsrichter sind dazu angehalten, das Spiel so lange weiterlaufen zu lassen, wie es möglich ist. "Selbst ein Spieler, der daneben steht und nicht unmittelbar eingreift, aber im Abseits steht – den lassen wir im passiven Abseits stehen und weiterlaufen", macht Fandel klar.

van Nistelroys Tor gegen Italien bei der Europameisterschaft 2008

Umstrittener Treffer: Das 1:0 von van Nistelroy

Aber wie sieht der folgende Fall aus? Ein Verteidiger stellt sich hinter die Torauslinie. Ist sein Gegenspieler dann im Abseits? Antwort: Nein! "Ein verteidigender Spieler kann keinen Stürmer ins Abseits stellen, indem er einfach das Spielfeld verlässt", so Fandel. "Ein Verteidiger, der außerhalb des Spielfeldes steht, zählt mit dazu."

So geschehen bei der EM 2008 im Spiel zwischen Italien und Holland. Das vermeintliche Abseits-Tor der Niederländer wurde zu Recht gegeben.

Wenn der Schienbeinschoner "Hand spielt"

Fußball: Schiedsrichter Herbert Fandel im Einsatz (Foto: dpa)

30 Jahre Schiri: Herbert Fandel

Heiß umstritten ist auch immer wieder das Handspiel, also, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt. "Das kann der klare Griff zum Ball sein, aber genauso eine Hand oder ein Arm, der über den Kopf gestreckt wird, um so den Ball aufzuhalten", erklärt der Ex-FIFA-Schiri. "Das kann aber genauso eine Hand sein in der Mauer, wo jemand sich wegdreht und dann mit der Hand den Ball abwehrt."

Handspiel liegt aber auch vor – und das wissen bestimmt nur wenige – wenn ein Spieler einen Schuh in der Hand hält und damit den Ball berührt oder zum Beispiel einen Schienbeinschoner wirft und den Ball trifft. Kurios.

Angeschossen gibt's natürlich auch. "Der Spieler, der in ganz normaler Körperhaltung steht und dann den Ball an die Hand bekommt - das nennen wir angeschossen." Das ist ein unabsichtliches Handspiel, was nicht geahndet wird.

Und als letztes erklärt Ex-FIFA-Schiri Fandel die Notbremse, also das Vereiteln einer offensichtlichen Torchance für einen auf sein Tor zulaufenden Gegenspieler durch ein Foul. Im Strafraum heißt das: Elfmeter und Rot mit einer Ausnahme: dem Torwart. "Wenn der Torwart klar zum Ball geht, diesen aber verfehlt und die Beine trifft, dann zeigen wir die Gelbe Karte für den Torwart", sagt Fandel. "Dann ist Rot nicht zwingend notwendig."

Fazit: Es gibt für fast alles eine Regel, der Schiedsrichter hat aber nur wenige Sekunden für seine Entscheidung. 78.251 Schiedsrichter pfeifen Woche für Woche in Deutschland. Die Referees aus der Bundesliga müssen sich montags nach dem Spieltag vor dem Schiedsrichterausschuss rechtfertigen, unter anderem vor Fandel also. Aber dann auch mit Wiederholungen und Zeitlupen.

Autorin: Olivia Fritz
Redaktion: Arnulf Boettcher

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