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Aktuell Deutschland

Immer mehr Wölfe in Deutschland

Gute Nachrichten von Naturschützern. Galt der Wolf in Deutschland noch in den 1990ern als ausgestorben, leben heute immer mehr der Wildtiere in der Bundesrepublik. Das hat vor allem einen Grund.

Inzwischen gibt es Nachweise für 46 Rudel, 15 Paare und 4 sesshafte Einzeltiere, wie Experten des Bundesamts für Naturschutz (BfN) in Berlin bekanntgaben. Das entspricht 120 bis 130 erwachsenen Wölfen. "Wir haben es mit einer deutlichen Steigerung zu tun", sagte BfN-Präsidentin Professorin Beate Jessel. Im vergangenen Beobachtungsjahr waren die Experten von etwa 110 erwachsenen Wölfen und nur 31 Rudeln ausgegangen.

Grund für Steigerung vor allem Naturschutz

Jungtiere spielen in den Daten eine untergeordnete Rolle, da sie oft nicht überleben. Insgesamt sprach Jessel von einer "Erfolgsgeschichte des Naturschutzes".

Derzeit vor allem in Brandenburg und Sachsen zuhause: frei lebende Wölfe

Derzeit vor allem in Brandenburg und Sachsen zuhause: frei lebende Wölfe

Der Wolf war in Deutschland vor 150 Jahren ausgerottet worden. Im Jahr 2000 wanderte dann erstmals ein Wolfspaar aus Polen zu. Die meisten Tiere leben nun in Sachsen und Brandenburg. Aktuelles Verbreitungsgebiet ist ein noch lückenhaftes Band von der Lausitz im Osten bis ins westliche Niedersachsen. Von dort könnten sich die äußerst anpassungsfähigen und mobilen Tiere möglicherweise in ganz Deutschland ausbreiten, sagte Jessel: "Potenziell ist ganz Deutschland Wolfserwartungsland."

Nur wenige sterben natürlichen Tod

Rein rechnerisch könnten maximal 440 Wolfsrudel Platz finden. "Ich glaube aber nicht, dass wir das jemals erreichen werden", sagte Jessel.

Denn trotz der positiven Entwicklung beim Bestand der streng geschützten Tiere sprechen die Experten immer noch von einer "ungünstigen Erhaltungssituation", heißt: Es lauern noch viele Gefahren. Größter Feind sei nach wie vor der Mensch, so Jessel.

Nur 14 der 147 Wölfe, die seit 2000 in Deutschland tot aufgefunden wurden, seien nachweislich eines natürlichen Todes gestorben. Der Großteil wurde überfahren, einige andere abgeschossen. Erst kürzlich wurde in Brandenburg zum wiederholten Mal ein toter Wolf mit abgetrenntem Kopf gefunden.

Keine Angst vor Wölfen

Jessel sprach auch den Fall des "Problemwolfes" Kurti in Niedersachsen an, der vor knapp einem halben Jahr für Aufsehen gesorgt hatte. Kurti war im April erschossen worden, nachdem er sich mehrfach Menschen genähert hatte. Er war vermutlich von Menschen angefüttert und deshalb zutraulich geworden, wie Jessel sagte. Bislang sei bei Wölfen aber nur sehr wenig auffälliges Verhalten beobachtet worden.

"Die effektivste Methode, kritische Situationen von Beginn an zu vermeiden, ist, Wölfe als echte Wildtiere zu behandeln und respektvollen Abstand zu wahren", erklärte der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu), Leif Miller. Normalerweise gingen die Tiere Menschen aber von sich aus dem Wege.

chr/fab (dpa, afp)