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Politik

Immer mehr Verluste, immer mehr Geld

Die Irak-Politik der US-Regierung gerät zunehmend in das Kreuzfeuer der Kritik. Der April war der bislang blutigste Monat seit Beginn der Besatzung. Dennoch will US-Präsident Bush von seinem Kurs nicht abweichen.

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Immer mehr US-Soldaten kehren im Sarg aus dem Irak zurück

Während US-Präsident George W. Bush die Bevölkerung zur Geduld mahnt, wächst im US-Kongress die Kritik am US-Einsatz. Auch in der Bevölkerung scheinen die Zweifel zu wachsen. Neben den hohen Verlustzahlen machen vor allem die steigenden Kosten des Irak-Einsatzes Sorgen.

Bereits über 100 US-Soldaten haben bei den Kämpfen im Irak im Monat April ihr Leben verloren. Dazu kommen blutige Selbstmord-Anschläge in Basra und Bagdad, der anhaltende Widerstand in Falludscha und eine "Koalition der Willigen", die nach dem angekündigten Rückzug der Spanier und zweier lateinamerikanischer Länder ins Wanken gerät.

Druck wächst trotz Durchhalteparolen

Die aktuelle Lage im Irak ist so, dass sich Präsident Bush immer häufiger bemüßigt fühlt, markige Durchhalteparolen zu verbreiten. Ein aktuelles Beispiel: "Die Iraker fragen sich, werden die Amerikaner davonlaufen? Nein, solange ich im Weißen Haus bin, werden wir nicht davonlaufen."

Doch der öffentliche Druck auf die Bush-Administration wächst. Drei Tage lang befragten Kongress-Politiker Regierungsmitglieder und Militärs auf dem Capitol zur Situation im Irak. Dabei wurde auch klar, dass sich die Kosten der Besatzung, die schon jetzt mit fünf Milliarden US-Dollar monatlich zu Buche schlagen, weiter erhöhen werden.

Bush spielt auf Zeit

Allein die notwendige Verlängerung des Einsatzes für die rund 20.000 Soldaten um drei Monate wird den US-Steuerzahler wahrscheinlich zusätzliche 700 Millionen Dollar kosten. "Mehr Zeit im Irak bedeutet zusätzliche Kosten", ist sich Generalstabschef Richard Meyers sicher. "Nun rechnen wir gerade aus, was das wohl kosten wird."

Während die Opposition im Kongress fordert, die wahren Kosten möglichst rasch offen zu legen, spielt Präsident Bush auf Zeit. Einen Antrag im Kongress auf zusätzliche Gelder vor den Wahlen im November 2004 will er unbedingt vermeiden. Stattdessen versucht man es mit Kurs-Korrekturen. Nach einem Bericht der "Washington Post" sollen nun auch ehemalige Offiziere der Baath-Partei in die irakische Armee reintegriert werden, nachdem man zunächst versucht hatte, alle Elemente des gestürzten Regimes aus den neuen Sicherheitskräften fern zu halten.

Machtübergabe wird zum Problem

Unumstößlich scheint dagegen der Termin für eine Übergabe der Souveränität am 30. Juni 2004 zu sein, auch wenn Kongressmitglieder immer häufiger die Frage stellen, an wen die Macht dann eigentlich übergeben werden soll. "Diese so genannte Machtübergabe ist ein Problem", befürchtet der ranghöchste Demokrat im Auswärtigen Ausschuss des US-Senats, Senator John Biden.

Die Regierung habe zurecht gesagt, man werde den amerikanischen Soldaten im Irak niemals einen blauen Helm aufsetzten. "Aber sollen wir unsere Soldaten und Generäle etwa Herrn Chalabi und zwanzig anderen Irakern ohne Legitimation unterstellen", fragt sich Biden. Die UNO werde gebraucht, da ist sich der General sicher, um mit ihrer Zustimmung den Irak zu einer internationalen Angelegenheit zu machen.

Und auch in der amerikanischen Öffentlichkeit beginnen sich nagende Zweifel breit zu machen. Während im Dezember 2003 noch zwei Drittel aller US-Bürger glaubten, dass Präsident Bush im Irak das Richtige tut, ist es inzwischen nur noch knapp die Hälfte aller Amerikaner. Genauso viele glauben mittlerweile jedoch, dass der Irak-Krieg ein Fehler war.

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