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Welt

Immer mehr Tote nach Erdbeben

In einem Wettlauf mit der Zeit suchen Bergungsteams in der Türkei weiter nach Erdbebenopfern. Zwei Tage nach der Katastrophe zeigt sich: Das Ausmaß der Zerstörung ist weit größer als bislang angenommen.

Helfer tragen einen aus den Trümmern geretteten Mann auf einer Bahre (Foto: dapd)

Die Chance, Verschüttete noch lebend zu bergen, wird immer geringer

Zuletzt gelang es den Helfern, fünf Menschen lebend aus den Trümmern zu bergen. "Es war wie das Jüngste Gericht", beschreibt einer der Geborgenen seine Panik, während der 32 Stunden, die er lebend unter den Trümmern eines Teehauses verschüttet war.

Er habe sich unter einen Tisch retten können, unter dem es jedoch sehr eng gewesen sei. Wie seine mit ihm verschütteten Freunde habe er um mehr Platz zum Überleben gekämpft, so der 18-Jährge in einem türkischen Fernsehbericht.

Einsatz unter Flutlicht

Die ganze Nacht hindurch hatten sich die Bergungsteams im Scheinwerferlicht durch die Trümmer eingestürzter Häuser gearbeitet. Aber die Hoffnung auf weitere Wunder schwindet zusehends, und die Zeit läuft den Helfern davon. Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Bulent Arinc erklärte, die Arbeiten könnten noch am heutigen Dienstag (25.10.2011) eingestellt werden.

Bagger im Einsatz an eingestürzten Wohnhäusern (Foto: dpa)

Mit schwerem Gerät abeiten sich die Helfer durch den Schutt

Zwei Tage nach dem schweren Erdstoß der Stärke 7,2 seien 366 Tote geborgen worden, teilte der Krisenstab von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan mit. Rund 1300 Menschen wurden demnach verletzt. Mit mehr als 2200 wurden auch deutlich mehr Gebäude zerstört als bisher angenommen. Am Vortag war noch von 970 zerstörten Gebäuden die Rede.

Überlebende campieren im Freien

Die schwersten Schäden trugen die Städte Ercis und Van in der östlichen Provinz Van davon. Aus Furcht vor weiteren Nachbeben verbrachten tausende Menschen eine weitere Nacht im Freien oder in Notunterkünften. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt harrten sie in Autos oder Zelten aus.

Zeltlager, das auf einem Fußballfeld errichtet wurde (Foto: dpa)

Wer sein Haus verlor, musste oft die Nacht am Lagerfeuer verbringen

Der türkische Rote Halbmond kündigt an, 12.000 Zelte zusätzlich ins Krisengebiet bringen zu wollen, nachdem noch immer Menschen unter freiem Himmel und an Lagerfeuern übernachten mussten. Die Regierung in Ankara hatte angekündigt, die Armee zu einem Hilfseinsatz heranziehen zu wollen. "Wir werden keinen Bürger in der Kälte lassen", versprach Regierungschef Erdogan am Montag. Größere Hilfe aus dem Ausland lehnte er bislang ab.

Und immer wieder kommt es zu Nachbeben. Auch in der Nacht zum Dienstag und am Morgen wurden in der Region an der Grenze zum Iran wieder mehrere Erschütterungen registriert. Die Behörden warnten die Menschen, beschädigte Häuser nicht mehr zu betreten.

Autorin: Eleonore Uhlich (dpa,rtr,dapd)
Redaktion: Marko Langer

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